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Und wer beachtet die andere Seite?

Vor ein paar Tagen wurde auf Facebook folgender, sehr treffender Text veröffentlicht

Ihr seid Mütter/ Väter von autistischen Kindern. Ich bin erwachsener Asperger Autist und habe Fragen an euch. Ihr kennt…

Gepostet von Fräulein von Minckewitz – Leben – alltägliche Gedanken als Asperger Autist am Freitag, 5. Oktober 2018

Schaut man in die Kommentare, sieht man viele Anmerkungen, dass man doch auch die Perspektive der Eltern berücksichtigen sollte. Doch was auf den ersten Blick legitim erscheint, hat im Kontext Autismus seine Tücken. Besonders deutlich wurde das in einem mittlerweile gelöschten Strang, der aber mit Screenshots hier gesichert wurde.

Die Übermacht der einen Seite

Wir haben in der Darstellung und Vertretung von Autismus immerhin ein mächtiges Ungleichgewicht. Und die Waage liegt mitnichten auf der Seite der Autisten. Im Gegenteil. Fast die gesamte Berichterstattung fokussiert sich auf die Perspektive der Eltern. Es ist immer noch eher die Ausnahme, dass ein Bericht die Perspektive der Autisten berücksichtigt.

In der Interessensvertretung sieht es ähnlich aus. Beinahe alle Autismus-Vereine sind Elternorganisationen. Die Selbstvertretung von Autisten hat bei weitem nicht denselben Einfluss, wie es die Vertretung der Eltern von Autisten es hat. Was teilweise sogar soweit geht, dass man versucht die Stimmen von Autisten zum Verstummen zu bringen. Und es ist noch nicht einmal die einzige Seite, von denen Autisten Angriffe zu erwarten haben, die versuchen diese Verstummen zu lassen.

Moment. Und Autisten sollen doch die Perspektive der Eltern beachten?

Wessen Perspektive eigentlich beachtet werden sollte

Eigentlich sollte die Aufforderung, Mal die andere Seite zu beachten, gerade an alle anderen gestellt werden. Den Eltern, die die Bedürfnisse ihrer Kinder und aller anderen Autisten ignorieren. Immer wieder fragen, wieso dies und das denn einfach nicht funktioniert. Die fordern, bis das Kind daran zerbricht. Und darüber hinaus an Autisten den Vorwurf richten, sie könnten nichts über ihr autistisches Kind wissen und darüber die Stimmen zum Verstummen bringen wollen.

Den Medienmachern, die in ihren Berichten, Dokumentationen oder auch literarischen Werken die Perspektive der Autisten selbst ignorieren und sich nur an den Sekundärquellen bedienen. Sprich, den Eltern. Denn genau das sind Eltern im Bezug auf Autismus. Sekundäre Quellen. Die Primärquellen sind einzig und allein die Autisten selbst. Eine Primärquelle, die nach wie vor viel zu oft ignoriert wird. Und damit stumm bleiben.

Beachtet man all dies, wirkt die Aufforderung an Autisten, doch Mal die Perspektive der Eltern zu beachten, geradezu zynisch. Die Autisten sind es, die ignoriert werden. Die Eltern finden geradezu überall Beachtung, wo Autisten um jedes Bisschen Aufmerksamkeit hart kämpfen müssen. Wieso muss also jemand, der kaum eine Stimme hat, denn noch die Seite beachten, die übermächtig über die eigene hinweg tönt?

Nein. Lasst uns Autisten reden. Lasst uns einfach Mal die Umstände ignorieren, die ihr eh schon zur genüge kennt.

Es muss doch einfach Mal auch nur um uns gehen dürfen. Die Eltern haben sich dieses Recht heraus genommen, über Jahre. Und jetzt dürfen wir nicht? Wenn ihr uns Autisten sagt, wir sollen Mal die andere Seite beachten, müsst ihr das entsprechend auch.

Nur genau das passiert noch immer nicht. Und genau deshalb sollten wir die andere Seite definitiv Mal ignorieren dürfen. Denn die Waage ist auf eben der anderen Seiten schwerer. Und wir schaffen keinen Ausgleich, wenn wir diplomatisch immer die andere Seite mit beachten.

Diplomatisch bekommt man nicht vermittelt, wie gravierend das ein oder andere Problem ist. Wie dieses hier.

Von Zügen und Autisten auf der Waage

Immer wieder liest man von autistischen Zügen. Oder von leichten und schweren Formen von Autismus. So wird das Asperger-Syndrom meist als leichte Form von Autismus beschrieben, frühkindlicher Autismus als schwere Form. Menschen ohne Diagnose werden gerne Mal autistische Züge zugeschrieben, wenn … ja, wann überhaupt? Jedenfalls ist alles drei nicht wirklich zutreffend, sobald man versteht, was Autismus eigentlich ist. Aber weil das so kurz gesagt wenig verständlich ist, versuche ich es Mal etwas ausführlicher zu erläutern. Von Zügen und Autisten auf der Waage weiterlesen

In eigener Sache – Vorübergehende Abschaltung des Zugangs

Hallo zusammen,

ich werde vorläufig meinen Blog auf privat schalten, da es für WordPress als Plattform noch immer extrem unklar ist, ob ein rechts konformes Betreiben eines kostenlosen Blogs mit in Kraft treten des DSGVO überhaupt noch möglich ist. So bietet WordPress.com den Auftragsverarbeitungs-Vertrag nur für zahlende Kunden an … und so leid es mir tut, ich habe kein Geld, das ich hierfür ausgeben kann.

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Eine Petition mit zwiespältigen Gefühlen

Vielleicht hat es der ein oder andere schon mitbekommen. In Irland tut Lidl etwas für Autisten. Jeden Dienstag von 18 bis 20 Uhr wird eine für Autisten möglichst angenehme Einkaufssituation geschaffen. Das Licht wird gedimmt, die Scanner an den Kassen sind leiser als gewöhnlich. Auf Musik und Durchsagen wird verzichtet, die Mitarbeiter sind sensibilisiert. Autisten und ihre Begleiter haben sogar Vorrang an der Kasse. Ein sehr guter Ansatz, wie ich finde. Wer meinen Blog liest weiß, dass ich es schon Mal geschafft habe, beim Einkaufen einen Einsatz eines Krankenwagens auszulösen. Einfach, weil ich aufgrund vor Überforderung zusammen gebrochen bin (auch wenn es wohl eine Kombination aus Autismus und zwanghafter Persönlichkeitsstörung war).

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