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Und auch Autisten pubertieren …

Was eigentlich selbstverständlich sein sollte, scheint bei manchen Leuten für Verwirrung zu sorgen. Vor einigen Tagen wurde plötzlich das Angebot der Selbsthilfegruppe Rosenheim von einem Pubertätstraining für Jungs im Alter von 11 bis 13 Jahren kritisiert. Mit einer Begründung, die mich nur den Kopf schütteln ließ. Da hieß es auf einmal, ob denn Autisten das überhaupt verstehen könnten, seien sie doch altersmäßig zurück geblieben.

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Düstere Vorzeichen eines Films

Wir sind schon seit Monaten gewarnt. Gewarnt davor, dass es im April eine Katastrophe für uns Autisten geben könnte. In Form eines Filmes, der eine autistische Figur als Hauptfigur hat. Wir haben gehofft und gebangt, dass es schon nicht so schlimm werden würde. Vielleicht schafft man es ja auch, den Autismus ordentlich umzusetzen? Niemand von uns wollte den Film im Voraus wirklich verteufeln. Doch wenn es mehr Klischee- und Fehldarstellungen in Filmen gibt als realistische, fiktive autistische Figuren, ist eine gewisse Vorsicht doch eigentlich nur verständlich. Düstere Vorzeichen eines Films weiterlesen

Von unsichtbaren Treppen

Heute ist Welt-Autismus-Tag.

Ein Tag, der vor allem von den Verbänden genutzt wird, um auf ihre Sicht der Dinge aufmerksam zu machen. Um für ABA zu werben, und ein Bild zu verbreiten, in dem der Autist in sich eingeschlossen und hilflos ist. Ein Tag, der uns gewidmet sein soll, an dem man uns aber nicht hört.

Ich möchte diesen Tag Mal nutzen um auf einen Aspekt von Autismus hinzuweisen, der im Alltag so gut wie nicht beachtet wird. Und von daher für alle Autisten, seien es Kinder oder Erwachsene, mit die größten Probleme bereitet.

Die fehlende Barrierefreiheit. Von unsichtbaren Treppen weiterlesen

Filter auf 0

Heute ist einer dieser Tage, an denen ich am stärksten spüre, dass mein Autismus doch  mit der unpassenden Umwelt vor allem eines ist; Eine Behinderung.

Eigentlich habe ich nur furchtbar schlecht geschlafen. Ein Problem, dass ich schon ein paar Wochen habe. Genauer gesagt seit dem Wohnungsbrand Mitte Dezember, in dessen Folge ich sofort umziehen musste. Nichts schlimmes, würden jetzt wohl die meisten sagen. Dann trinkt man halt etwas mehr Kaffee als sonst, ist vielleicht etwas verschlafen, bringt den Tag aber irgendwie hinter sich.

Nicht so bei mir.

Ich kann es eigentlich schon an der Uhr ablesen. Schlafe ich weniger als sieben Stunden, sind meine Reizfilter herunter gesetzt. Je weniger Schlaf verbleibt, desto niedriger werden sie. Letzte Nacht werden es vielleicht sechs Stunden sehr unruhiger Schlaf gewesen sein. Und ich bin so schon ständig erschöpft. Möchte am liebsten schon um 18 Uhr im Bett verschwinden.

Resultat; Meine Filter sind auf 0. Jedes Geräusch tut weh. Ich habe beim Handy den Vibrationsmodus komplett abstellen müssen. Das Geräusch ist zu viel. Ich mache den Abwasch in der Küche nicht, weil das Klappern des Geschirrs zu viel wäre. Es ist 11 Uhr, ich habe immer noch nicht gefrühstückt. Ich scheue davor, irgendein potentiell schädliches Geräusch zu machen. Das Licht der Monitore, kaum zu ertragen. Ich decke das schlechte, linke Auge ab, damit der Einfluss irgendwie kontrollierbar bleibt. Weiß wegen des Umzugs nicht genau, wo meine Sonnenbrille geblieben ist. Gehe nicht Duschen, weil das Gefühl des Wassers und der Handtücher zu viel sein könnte.

Ein Hund bellt draußen. Es bohren sich Nadeln in meinen Kopf. Ich muss in meiner Wohnung die NC-Kopfhörer aufsetzen. Und trotzdem bleiben die Nadeln.

Es sind diese Tage, an denen ich nichts machen kann. Die Reize stören meine Gedanken. Komplexe Vorgänge sind nicht mehr möglich. Meine Kommunikation ist kaum noch mit der von NTs kompatibel. Jedenfalls denen, die mich nicht gut kennen und wissen, wie ich mich ausdrücke.

Ich scheue sogar davor, die neue Folge Star Trek Discovery zu gucken. Obwohl ich es normalerweise kaum erwarten kann, in den Weiten des Weltalls zu verschwinden. Die Reize könnten zu viel sein. Die neue Geschichte aus dem von mir geliebten Serienuniversum (ich zähle das Spiegeluniversum jetzt einfach Mal dazu!) den gefürchteten Overload endgültig auslösen. Denn das Risiko, dass ich heute einen bekomme, ist enorm. Der Tag fühlt sich so schon an wie ein ständiger, niedrigschwelliger Overload. Und es kann beides werden, wenn es kippt. Melt- und Shutdown. Ich habe keine Sicherheit.

Deshalb werde ich wohl heute den ganzen Tag in meiner Wohnung eingeschlossen bleiben. Ich kann nicht raus. Kopfhörer und Sonnenbrille können meine kaputten internen Filter nicht gut genug ersetzen. Mein Gehör müsste im Grunde ausgeschaltet werden, damit ich heute draußen überleben könnte. Aber die Möglichkeit habe ich nicht. Deshalb bleibe ich drinnen. Eingeigelt, eingesperrt.

Solche Tage kommen immer wieder. Manchmal mit, manchmal ohne Vorwarnung. Manchmal erhole ich mich im Laufe des Vormittags und bin Nachmittags halbwegs zu gebrauchen. Heute nicht. Heute bleibe ich im Kampf gegen die schmerzhaften Reize.

Eine Frage geistert mir im Kopf herum.

Das soll eine leichte Einschränkung sein?