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An alle Inklusionsgegner und -kritiker

Ich hätte da Mal ein paar Fragen.

Ihr sagt, Inklusion wäre nur eine Ideologie.

Würdet ihr dasselbe über die persönliche Freiheit sagen? Oder der Gleichheit der Geschlechter? Wenn ihr sagt, Inklusion wäre nur eine Ideologie, dann gilt das doch auch für diese Rechte. Nein, das sei doch etwas anderes? Nein, ist es nicht. Inklusion ist ein Menschenrecht. Heißt übrigens, dass es für alle gilt. Für Menschen mit und ohne Behinderung. Von daher frage ich; Mit welchem Recht sprecht ihr Menschen aufgrund eines Merkmals Menschenrechte ab?

Ihr sagt, Inklusion würde übereilt eingeführt.

9 Jahre sind für euch übereilt? In ganz Deutschland ist seit 2009 Zeit gewesen, Inklusion entsprechend der UN-BRK umzusetzen. Man hat es vertrödelt und aufgeschoben. In NRW kam der Anspruch auf Beschulung auf Regelschulen Mal eben 5 Jahre später. Man hat es versucht, so kostengünstig wie möglich umzusetzen und das, was dabei heraus kam, immer noch Inklusion genannt. Obwohl es in Wahrheit keine war. De facto warten wir bis heute überhaupt Mal auf die flächendeckende Einführung von echter Inklusion. Es reicht eben nicht, ein Kind mit Behinderung in eine Regelschulklasse zu setzen. Und da sagt ihr, es wäre übereilt? Die Generationen an Schülern mit Behinderung, die während alle trödeln munter weiter in der Sackgasse der Förderschule landen, zählen bei euch wohl nicht. Und bald werden wohl auch noch Schüler dazu kommen, die sich bislang auf den Regelschulen allen Widrigkeiten zum Trotz (verweigerte Hilfen, abgelehnte Anträge, ect.) durchkämpften … weil es ist ja angeblich alles zu schnell.

Ihr sagt, Inklusion wäre nicht für jeden das richtige.

Mit welchem Recht wollt ihr eigentlich Kindern mit bestimmten Behinderungen ein Menschenrecht zugestehen, anderen aber absprechen? Zumal ihr euch da ja noch nicht Mal einig sagt. Einige sagen, körperlich Behinderte gehören auf jeden Fall an Regelschulen, alle anderen nicht. Andere sagen, Autisten können begleitet an die Regelschule, aber geistig Behinderte unter keinen Umständen. Merkt ihr denn nicht, wie willkürlich das ist? Wie sehr ihr euch von euren (mitunter einfach nur falschen) Vorstellungen leiten lasst? Ihr sagt, es müsste für dieses eine Kind doch zu viel geändert werden, das ginge im Regelschulbetrieb doch nicht. Wieso nicht? Wieso kann man an einer Regelschule nicht die Bedingungen einrichten, die das Kind braucht? Dass so etwas nur an einer Förderschule gehen soll … na, wieso denn? Ihr könnt doch in Wahrheit keinen Grund nennen, wieso man das, was an einer Förderschule speziell für Kinder mit Behinderungen passiert, nicht auch an einer Regelschule umsetzen kann.

Ihr sagt, Förderschulen seien doch besser für Kinder mit Behinderungen

Da habt ihr nur seltsamer Weise diverse Studien gegen euch. So ziemlich alle Studien sagen, dass Inklusion besser ist. Und diese individuelle Förderung, von der ihr fantasiert, die gibt es nicht. Sonst hätte es einen Fall wie den von Nenad nicht gegeben. Sonst hätte sich eine gute Freundin an der Förderschule nicht ständig unterfordert gefühlt. Ihr lasst euch von den Hochglanzprospekten täuschen, die eine schöne Welt hinter den Türen vorgaukelt, hinter die kaum einer schaut. Die Wahrheit sieht anders aus. Über 60% der Förderschüler erreichen keinen Schulabschluss. Wie geht das bitte mit dieser angeblichen Förderung?

Wer ich bin, dass ich diese Fragen stelle?

Eine Autistin. Mit einem Grad der Behinderung von 50, ich bin also schwerbehindert. Die ihre erste Diagnose im Alter von 8 Jahren im Jahr 2000 erhielt. Und wisst ihr was? Ich bin auf der Regelschule geblieben. Obwohl man damals noch gar nicht von Inklusion sprach. Die UN-BRK gilt seit 2009. Zwei Jahre später machte ich mein Abitur. Drei Jahre, bevor es einen Rechtsanspruch auf Beschulung an Regelschulen für Menschen mit Behinderung überhaupt gab. 11 Jahre lang war ich also an einer Schule, wo ich angeblich nicht hin gehörte. Ich kam bis zum Abitur. Sogar noch weiter. Heute habe ich einen Bachlor of Sience und stehe kurz vorm Abschluss meines Masterstudiums, mit einem aktuellen Notendurchschnitt von 1,4. Und dennoch sagt ihr immer wieder, Kinder wie ich würden nicht an Regelschulen gehören. Autisten. Kinder, die (selbst)aggressiv werden. Kinder, die plötzlich beginnen zu schreien. Ist es euch eigentlich bewusst, was ihr damit tut? Ihr sprecht nicht nur diesen Kindern Menschenrechte ab. Nein. Ihr geht daher und sprecht mir und anderen Menschen mit Behinderung,  die es dennoch irgendwie geschafft haben, die Richtigkeit ihres Weges ab. Ihr sprecht ihnen ihre aktuelle Position ab, die sie sich erkämpft haben.

Nach eurer Meinung hätte ich nach meiner Diagnose sofort in eine Förderschule wechseln müssen. Wie es damals die Regel war, aber bei mir zum Glück nicht passierte. Hätte ich den eigentlich für mich vorgesehenen Weg eingeschlagen, würde ich heute garantiert nicht studieren.

Ihr, die ihr angeblich das Beste für die Kinder wollt, macht es vielen Menschen in Wahrheit nur unfassbar viel schwerer, ihren Weg zu sehen. Sowohl Kindern, als auch Erwachsenen. Schaut hin! Und hört auf Menschen elementare Rechte aufgrund von Dingen vorzuenthalten, die ihr in Wahrheit nicht versteht.

Was tun mit F84.5?

Nun ist es ja schon einige Zeit her, dass folgendes durch die Medien ging; Hans Asperger, der „Entdecker“ des Asperger-Syndroms, war an T4 beteiligt. Der systematischen Tötung von Menschen mit Behinderungen im dritten Reich. Ziemlich schnell wurde die Forderung laut, das Asperger-Syndrom umzubenennen. Auf den ersten Blick irgendwie verständlich. Aber unnötig, da die Diagnose mit der ICD 11 nicht mehr länger existieren wird (sie wird mit frühkindlichen und atypischen Autismus zur Autismus-Spektrum-Störung zusammen gefasst). Was tun mit F84.5? weiterlesen