Archiv der Kategorie: Probleme des Alltags

Folgen der Nicht-Sichtbarkeit: Ein Beispiel

Wer öfters im IC oder ICE unterwegs ist, hat sie sicherlich schon Mal gesehen: Die Anzeige „Schwerbehinderte“ bei der Reservierung. Die Anzeige führt auch tatsächlich dazu, dass sich einige Menschen ohne Behinderung dort eher zögerlich hin setzten. Denn die Regel auf diesen Plätzen ist klar: Kommt jemand mit einer Schwerbehinderung, sind diese Plätze frei zu geben. Woran sich nur leider nicht jeder halten mag.

Wer auf Twitter mit liest hat sicherlich schon mitbekommen, dass ich seit März ungewöhnlich oft von Halle nach Berlin fahre. Nun liegt Halle auf der Schnellstrecke München-Berlin, womit Berlin mit dem ICE meistens nur 1:10 entfernt ist. Gehalten wird nach Halle meistens nur noch in Berlin-Südkreuz. Aufgrund der Kürze der Strecke verzichte ich daher auf der Strecke oft auf meine sonst notwendige Sitzplatzreservierung und nehme einen der Plätze für Schwerbehinderte ein. Wenn man nur einen Zwischenhalt hat, ist das Risiko ja auch relativ gering, dass noch jemand mit einer Reservierung kommt (und selbst wenn, ist der Zwischenhalt nur wenige Minuten vom Hauptbahnhof entfernt, wo ich eh meistens den Zug wechsel). So auch letzten Dienstag, wo ich wieder für ein Jobgespräch in Berlin war.

Auf der Hinfahrt ärgerte ich mich noch ein wenig, dass ich erst am Bahnsteig ermitteln konnte, dass die gesuchten Plätze in Wagen 7 sind. Online war diese Information einfach nicht zu finden. Die Rückfahrt aber sollte noch ganz anders werden …

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Hört endlich einmal zu!

Stellt euch Mal vor, euch fehlt die Auskunft zu einem Termin. Nur ohne einen solchen Termin ist die Abhandlung eines dringend benötigen Austausches aufgrund eurer Behinderung nicht möglich. Ihr bittet also, weil ihr aufgrund eurer Behinderung selbst nicht telefonieren könnt, jemand anderen um Holen einer Auskunft. Am Ende ist diese falsch, und die verantwortlichen wollen bloß nicht schuld sein. Obwohl ihr heulend und zitternd vor ihnen steht, heißt es sogar noch
„Es ist doch alles gut.“
Auf die Idee, sich Mal hinzusetzten und zu schauen, wie derartiges in Zukunft verhindert werden kann, kommt keiner.

Es geht ja nur um Menschen mit Behinderung, die sich anstellen.

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„Einfach“ Mal nach Hilfe fragen

Es ist eine häufige, meist gut gemeinte Anweisung. Oder vielleicht doch eher ein Rat?
“Wenn du Hilfe brauchst, frag einfach.”
Nur,das mit dem “einfach” ist bei Autisten häufig so eine Sache. Es kann schwierig sein, nach Hilfe zu fragen. Aufgrund von Dingen, die Außenstehende häufig nicht bemerken. Ich habe hier Mal versucht zusammen zu tragen, was ich aus eigenen Erfahrungen und aus dem Austausch mit anderen Autisten erfahren habe.

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Und wer beachtet die andere Seite?

Vor ein paar Tagen wurde auf Facebook folgender, sehr treffender Text veröffentlicht

Ihr seid Mütter/ Väter von autistischen Kindern. Ich bin erwachsener Asperger Autist und habe Fragen an euch. Ihr kennt…

Gepostet von Fräulein von Minckewitz – Leben – alltägliche Gedanken als Asperger Autist am Freitag, 5. Oktober 2018

Schaut man in die Kommentare, sieht man viele Anmerkungen, dass man doch auch die Perspektive der Eltern berücksichtigen sollte. Doch was auf den ersten Blick legitim erscheint, hat im Kontext Autismus seine Tücken. Besonders deutlich wurde das in einem mittlerweile gelöschten Strang, der aber mit Screenshots hier gesichert wurde.

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Von Zügen und Autisten auf der Waage

Immer wieder liest man von autistischen Zügen. Oder von leichten und schweren Formen von Autismus. So wird das Asperger-Syndrom meist als leichte Form von Autismus beschrieben, frühkindlicher Autismus als schwere Form. Menschen ohne Diagnose werden gerne Mal autistische Züge zugeschrieben, wenn … ja, wann überhaupt? Jedenfalls ist alles drei nicht wirklich zutreffend, sobald man versteht, was Autismus eigentlich ist. Aber weil das so kurz gesagt wenig verständlich ist, versuche ich es Mal etwas ausführlicher zu erläutern. Von Zügen und Autisten auf der Waage weiterlesen

Die Maske abnehmen

Ich trage eine Maske.
Glaubt ihr nicht? Ist aber so. Und ich meine nicht die Art von Maske, die ein jeder in irgendeiner Weise trägt. Den Umstand, dass man sich auf der Arbeit anders gibt als in der Familie. Ich meine die Art von Maske, die ein Autist benutzt, um sich (halbwegs) unauffällig in der Öffentlichkeit zu bewegen.
Nur, das geschieht nicht ohne Schaden

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