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Was soll die ganze Aufregung?

Während ich noch nicht dazu gekommen bin, Teil 2 von Ella Schön zu kritisieren (wobei ich schon verraten kann, dass es mindestens einen dicken Was-ist-das-denn?!-Moment gibt), gab es natürlich diverse Rückmeldungen zur Kritik am ersten Teil. Sowohl bezogen auf meinen eigenen Artikel, als auch insgesamt auf die Kritik von diversen Autisten auf Twitter und Facebook. Was soll die ganze Aufregung? weiterlesen

Filter auf 0

Heute ist einer dieser Tage, an denen ich am stärksten spüre, dass mein Autismus doch  mit der unpassenden Umwelt vor allem eines ist; Eine Behinderung.

Eigentlich habe ich nur furchtbar schlecht geschlafen. Ein Problem, dass ich schon ein paar Wochen habe. Genauer gesagt seit dem Wohnungsbrand Mitte Dezember, in dessen Folge ich sofort umziehen musste. Nichts schlimmes, würden jetzt wohl die meisten sagen. Dann trinkt man halt etwas mehr Kaffee als sonst, ist vielleicht etwas verschlafen, bringt den Tag aber irgendwie hinter sich.

Nicht so bei mir.

Ich kann es eigentlich schon an der Uhr ablesen. Schlafe ich weniger als sieben Stunden, sind meine Reizfilter herunter gesetzt. Je weniger Schlaf verbleibt, desto niedriger werden sie. Letzte Nacht werden es vielleicht sechs Stunden sehr unruhiger Schlaf gewesen sein. Und ich bin so schon ständig erschöpft. Möchte am liebsten schon um 18 Uhr im Bett verschwinden.

Resultat; Meine Filter sind auf 0. Jedes Geräusch tut weh. Ich habe beim Handy den Vibrationsmodus komplett abstellen müssen. Das Geräusch ist zu viel. Ich mache den Abwasch in der Küche nicht, weil das Klappern des Geschirrs zu viel wäre. Es ist 11 Uhr, ich habe immer noch nicht gefrühstückt. Ich scheue davor, irgendein potentiell schädliches Geräusch zu machen. Das Licht der Monitore, kaum zu ertragen. Ich decke das schlechte, linke Auge ab, damit der Einfluss irgendwie kontrollierbar bleibt. Weiß wegen des Umzugs nicht genau, wo meine Sonnenbrille geblieben ist. Gehe nicht Duschen, weil das Gefühl des Wassers und der Handtücher zu viel sein könnte.

Ein Hund bellt draußen. Es bohren sich Nadeln in meinen Kopf. Ich muss in meiner Wohnung die NC-Kopfhörer aufsetzen. Und trotzdem bleiben die Nadeln.

Es sind diese Tage, an denen ich nichts machen kann. Die Reize stören meine Gedanken. Komplexe Vorgänge sind nicht mehr möglich. Meine Kommunikation ist kaum noch mit der von NTs kompatibel. Jedenfalls denen, die mich nicht gut kennen und wissen, wie ich mich ausdrücke.

Ich scheue sogar davor, die neue Folge Star Trek Discovery zu gucken. Obwohl ich es normalerweise kaum erwarten kann, in den Weiten des Weltalls zu verschwinden. Die Reize könnten zu viel sein. Die neue Geschichte aus dem von mir geliebten Serienuniversum (ich zähle das Spiegeluniversum jetzt einfach Mal dazu!) den gefürchteten Overload endgültig auslösen. Denn das Risiko, dass ich heute einen bekomme, ist enorm. Der Tag fühlt sich so schon an wie ein ständiger, niedrigschwelliger Overload. Und es kann beides werden, wenn es kippt. Melt- und Shutdown. Ich habe keine Sicherheit.

Deshalb werde ich wohl heute den ganzen Tag in meiner Wohnung eingeschlossen bleiben. Ich kann nicht raus. Kopfhörer und Sonnenbrille können meine kaputten internen Filter nicht gut genug ersetzen. Mein Gehör müsste im Grunde ausgeschaltet werden, damit ich heute draußen überleben könnte. Aber die Möglichkeit habe ich nicht. Deshalb bleibe ich drinnen. Eingeigelt, eingesperrt.

Solche Tage kommen immer wieder. Manchmal mit, manchmal ohne Vorwarnung. Manchmal erhole ich mich im Laufe des Vormittags und bin Nachmittags halbwegs zu gebrauchen. Heute nicht. Heute bleibe ich im Kampf gegen die schmerzhaften Reize.

Eine Frage geistert mir im Kopf herum.

Das soll eine leichte Einschränkung sein?

 

Und dann war alles weg, in Kisten verschwunden (Teil 5)

[Dieser Beitrag ist eine Fortsetzung. Bitte lest zunächst die vorherigen Teile, sonst werden euch hier einige Informationen fehlen. Teil 1, Teil 2, Teil 3, Teil 4]

Eigentlich hatte an mir gesagt, ich könnte schon Mal die Computer (ja, Plural!) wieder aufbauen. Aber so ganz sicher war ich mir dabei nun nicht. Die Gardinen mussten ja auch noch aufgehangen werden. Da würden fest installierte Computerbildschirme sicherlich nur stören. Und das Notebook hatte seinen festen Platz (stationären) genau neben der Gardine. Nicht gut.

Beim Frühstück zahlten sich die gefüllten Pizzabrötchen vom Vortag aus, die jetzt einfach Mal mein Frühstück wurden. Ich hatte noch die Lebensmittel aus dem Kühlschrank auf dem Balkon stehen, aber kein Besteck und nichts. Sprich, ich hatte wohl wieder einen ganzen Tag ohne ordentliche Mahlzeiten vor mir. Und mit Getränken wurde es auch so langsam schwierig.

Ich wartete dann bis Mittag, bis die Umzugsleute wieder kamen. Erste Anweisung an mich „Hinsetzten!“. Und so blieb ich auch immer in irgendwelchen Ecken, wo ich nicht im Weg herum stand und tauchte nur bei Fragen in anderen Ecken auf. Als irgendwann sechs Männer gleichzeitig durch meine Wohnung wuselten, verzog ich mich dann auf den Balkon. Die Küchenstühle standen dort dankenswerter Weise eh herum. Nur eine Frage blieb; Wohin mit den 60 Kartons? In die Wohnung konnten die alle nicht, sonst würde ich mich kaum noch bewegen können. Und so landeten sie überwiegend auf meinem Vorschlag hin im Keller. Das Fahrrad wurde komplett zugestellt. Nur Kartons mit Küchenutensilien kamen nach oben. Naja … vermeidliche Küchenutensilien. Ich fand dann auch Kartons mit Dingen aus dem Badezimmer und andere Sachen.

Als die Umzugsleute fast fertig waren, bekam ich dann von @fischkind und @kaulquake Hilfe aus der Umgebung. Wieder ein Beispiel dafür, wie toll Twitter manchmal funktioniert. Als die Umzugsleute weg waren, gingen wir dann zuerst ein paar aller nötigsten Dinge einkaufen. Und freuten uns wohl alle darüber, wie ruhig es dort war. Obwohl wir übermorgen Heiligabend haben würden. Die ulkigste Szene gab es dann wohl, als wir zu dritt vor dem Putzmittelregal standen und erforschten, wieso es jetzt zwei Essigreiniger von Frosch gab. Einen für 1,49, einen für 1,99 (mittlerweile glaube ich, der günstigere war ein Restbestand). Dann ging es zurück in die Wohnung zum … Putzen! Wir wischten erst einmal zu dritt die gesamte (inzwischen aufgebaute) Küche durch, und dann … nun ja, dann begann mein Körper wieder zu streiken. Mir wurde wieder schlecht, sodass ich maximal wenige Minuten aufrecht stehen konnte und verzog mich daher ins Bett. Was zum Glück vollkommen in Ordnung war. Immerhin musste ich den Stress schon seit Montag durchstehen. Mittlerweile war Freitag. Später am Abend kam dann noch @Sherdocfiz vorbei und holte etwas Wäsche ab. Ich kam mir etwas gemein vor, ihr die Wäsche aus dem Bad und somit die am stärksten stinkende aufs Auge zu drücken. Doch das sollte sich später noch auszahlen, da diese Wäsche bunt gemischt war. Eigentlich wollte sie am nächsten Tag auch noch zum Helfen vorbei kommen, doch da ich dann mit noch stärkerer Übelkeit und vollkommen erschöpft im Bett lag, brachen wir die Aktion ab. Sie ging dann aber noch dankenswerter Weise für mich Einkaufen, sodass ich sogar das übliche Weihnachtsessen für Heiligabend hatte. Fertiggericht, aber in der Situation war mir das einerlei. Ich war einfach nur zufrieden, dass meine Grundbedürfnisse (Essen, Trinken, Schlafen, Toilette) endlich wieder erfüllt waren und ich mich auch endlich wieder vollkommen einigeln konnte. Keine Menschen mehr, wenn ich das nicht wollte. Dass ich dann am Samstagmorgen noch feststellte, dass die Mobilfunkverbund trotz Drosselung stark genug war, dass ich ohne Probleme Netflix auf dem Notebook sehen konnte, war dann noch das I-Tüpfelchen. Nach 5 Tagen extremen Dauerstress konnte ich wenigstens versuchen, mich über die Feiertage etwas zu erholen.

Denn trotz allem lag noch eine ganze Menge Arbeit vor mir. Gut 60 Kisten wollten ausgepackt und der Inhalt eingeräumt werden. Zig Formalien waren zu klären. Nach Weihnachten würde ich einige Pakete retten müssen, die schon seit Tagen in PaketShops herum lagen. Und noch fast alles war verschwunden. Ich riss allerdings selbst Witze, dass es unter anderem auch zwei Weihnachtsgeschenke von Oma betraf. Das hätte ja eher etwas von Ostern als von Weihnachten.

Und eines stand für mich nun endgültig fest. Auch wenn ich die Option hatte, nach der Sanierung in die alte Wohnung zurück zu kehren. Noch so einen Umzug würde ich mir freiwillig nicht antun. Also werde ich hier bleiben. Es gibt weniger Parteien im Haus, und insgesamt ist es hier einfach nochmal deutlich ruhiger als in der alten Wohnung. Ich fühle mich auf dem Balkon sehr viel weniger beobachtet, und insgesamt habe ich hier kaum Nachteile im Vergleich zu alten Wohnung.

Doch auch heute, fast drei Wochen nach dem Brand, lebe ich inmitten von Chaos in Improvisationen. Ich schätze, dass es noch wenigstens zwei Wochen dauert, bis meine Wohnung wieder „normal“ aussieht und alles wieder da ist.

Das schlimmste an der Geschichte bleibt, dass ich in der Zeit eigentlich Ruhe haben und mich von der Belastung des letzten Jahres erholen wollte. Wie ich das jetzt noch schaffen soll, wird sich wohl erst in den nächsten Tagen und Wochen zeigen. Es bleibt mir noch ein einziges Zeitfenster im Studium für Urlaub. Und ich hoffe, dass wenigstens das existent bleibt …

Und dann war alles weg, in Kisten verschwunden (Teil 4)

[Dieser Beitrag ist eine Fortsetzung. Bitte lest zunächst die vorherigen Teile, sonst werden euch hier einige Informationen fehlen. Teil 1, Teil 2, Teil 3]

Nächster Morgen, dieses Mal klappte es auch auf Anhieb mit dem Frühstück. Ich schlug zugegebener Maßen noch kräftiger zu als am Vortag. Aber hey … ich hatte einen ganzen Umzug vor mir und wusste nicht, wann ich das nächste Mal würde was Essen können. Dann fuhr ich zu einer Kommilitonin, mit der Zusammen wir hoch zu der alten Wohnung fuhren, um schnell ein paar Sachen beiseite zu schaffen. Damit die weder in Umzugskisten verschwanden, noch versehentlich kaputt gingen. Dabei stellte ich fest, dass zum Glück die Koffer im Keller absolut nichts abbekommen hatten. Das Löschwasser war zwar tatsächlich in den Keller gelaufen, aber mein Kellerabteil lag ganz hinten. Und zum Glück auf der entgegengesetzten Seite zur Brandwohnung. Nicht nur Glück für mich, da auch ein Koffer meiner Mitbewohnerin vom September noch immer dort stand. Den schnappte ich mir auch dann, um die Sachen zusammen zu packen. Besonders schwer durfte er ja nicht werden. Ein paar Sachen zum Wechseln, ein paar wichtige Ordner (z.B. sämtliche Diagnoseunterlagen), Maus und … meine Obelixtasse. Letzteres mag jetzt seltsam klingen, doch diese Tasse ist derart wichtig, dass ich sie andere noch nicht einmal benutzen lasse.

Die Umzugsfirma ließ dann ein wenig auf sich warten. Angekündigt für 9 Uhr, tauchten sie erst gegen 10 auf. Und brachten mich direkt zum Schreien, als es um eine Umzusetzende Singleküche ging. Auf dem Zettel standen Daten, die für mich nicht zutrafen. Oben in der Wohnung ging das Chaos dann weiter. Sie hatten die Info, dass auch ich eine Singleküche hätte. Nope, das war eine vollständige Küche. Und die wollte jetzt rüber in die neue Wohnung. Außerdem stellte sich heraus, dass man wohl die Masse an Gegenständen falsch eingeschätzt hatte. Jedenfalls mangelte es ständig und überall an Kartons. Zugegeben, ich besitze eine ganze Menge Bücher und DVDs. Und die werden bei Umzügen auch tatsächlich immer als erstes eingepackt. Weil am schwersten. Die Umzugsleute aber packten Mal vollkommen anders.

Zwischendurch gab es auch Blödelleien. Frei nach dem Motto, man könnte auf meinem Balkon doch jetzt wunderbar rauchen. Sieht man ja nicht mehr (zur Erinnerung, der war vollkommen schwarz vor Ruß). Ich saß die meiste Zeit nur herum und versuchte, alles zur koordinieren. Helfen konnte ich auch nicht wirklich.

Wie sehr ich tatsächlich nicht helfen konnte, stellte sich dann am späten Mittag heraus. Ich hatte mich Mal wieder in das Auto der Kommilitonin zurück gezogen, nachdem ich noch mit ein paar Fernsehreportern gequatscht hatte. Dann aber begann mein Bauch zu krampfen. Stressdurchfall. Ich ging zurück in die Wohnung und verscheuchte einen der Männer aus dem Bad. Doch es kam nichts. Also ging ich wieder runter. Wegen zunehmender Übelkeit mit einem kleinen Putzeimer in der Hand. Darauf fragten die Umzugsleute schon, ob man nicht besser einen Krankenwagen rufen sollte. So offensichtlich war es, dass es mir scheiße ging. Ich schüttelte den Kopf und setzte mich wieder ins Auto. Nur um kurz darauf sämtliches Gefühl und sämtliche Kontrolle über meinen Körper zu verlieren. Ich war im wohl heftigsten Shutdown, den ich jemals erlebt hatte. Mehr als Augenbewegungen waren zeitweise nicht möglich. Meine Sprache wurde grotesk.  Etwas anderes als einzelne Nomen, Verben und Adjektive brachte ich nicht mehr hervor. Mehr als Zweiwortsätze waren plötzlich nicht mehr drin. Die Verben waren aber auch nicht mehr länger konjugiert. Eine Situation, die auch beiden anwesenden Kommilitonen unheimlich war. Ich schaffte es dann noch, mein Handy zu nehmen (Fingerabdrucksensor sei dank!) und einen Anruf an meine Mutter zu starten. Sie gab dann die Anweisung, mich möglichst in eine ruhige Umgebung zu bringen und dort auch in Ruhe zu lassen. Ausnahmsweise fühlte ich mich dabei ziemlich unwohl, doch sie behielt Recht. Nach etwa einer Stunde war der Spuk wieder vorbei.

Dieser Shutdown sorgte dann auch dafür, dass man mich für den Rest des Tages gar nicht mehr aus dem Auto ließ. Als ich dann in der neuen Wohnung war, war jedoch alles nur halb fertig. Das Einpacken hatte zu lange gedauert. Zwar standen schon alle Möbel im Wohnraum, aber in der Küche stapelten sich nur die entsprechenden Möbel. Es hingen noch keine Gardinen. Die Nacht musste ich zum Glück noch vorhandene Duschvorhänge in die Fenster klemmen, damit ich mich nicht beobachtet fühlte. Dass ich noch eine Bettdecke fand, war wohl reines Glück (und der Tatsache geschuldet, dass ich seit einiger Zeit zwei Garnituren habe. Eine für mich, eine für Gäste. Aber beide in Übergröße). Und meine Laune sackte in den Keller. Als ich schließlich allein war, begann ich zu jammern und alles auszuschimpfen, was mir zu nahe kam. Das besserte sich erst, nachdem ich mir eine Pizza und gefüllte Pizzabrötchen bestellte und endlich wieder etwas im Magen hatte. Tatsächlich hatte ich seit dem Frühstück nur noch zwei Schokodoppelkekse und einen Apfel gegessen. Und es war mittlerweile 8 Uhr.

Nun saß ich da, inmitten einer extrem chaotischen Wohnung, und wusste nicht, wann es am nächsten Tag weitergehen würde. Die Umzugsleute wollten nochmal wieder kommen, nur wussten sie nicht wann.

Und ich wusste nicht, wie lange mein Körper diesem extremen Stress noch stand halten würde. Der Shutdown war ein überdeutliches Alarmsignal gewesen. Doch den nächsten Tag musste ich noch irgendwie schaffen. Weihnachten stand kurz vor der Tür. Wenn nicht morgen alles halbwegs in Ordnung kam, würde alles gut eine Woche still stehen. Und ich würde einfach damit klar kommen müssen. Ohne weitere Hilfe …

Zudem würde sich erst in den nächsten Tagen zeigen, wer Recht behielt. Diejenigen die sagten, ich könnte aufgrund des Geruchs eigentlich direkt alles wegwerfen … oder die sagten, dieser würde schon wieder verschwinden.

Und dann war alles weg, Teil 3

[Dieser Beitrag ist eine Fortsetzung. Bitte lest zunächst die ersten beiden Teile, sonst werden euch hier einige Informationen fehlen. Teil 1, Teil 2]

Und wieder kein Schlaf. Zumindest wachte ich wieder einmal Stunden vor dem Wecker auf und konnte nicht mehr einschlafen. So war ich aber auch pünktlich zum Frühstück um 6 Uhr schon unten.

Moment. Wo war denn nun das Frühstück? Es gab zwar einen großen Bildschirm, der als Hinweisschild fungierte. Aber weiter stand da nichts. Letztendlich fragte ich einen Mitarbeiter, der mir auch freundlicher Weise half. Im Hotel wusste man durchaus, dass man ein paar Gäste von einem Hausbrand hatte. Und es hilft, das als Vorwand benutzen zu können, weshalb man neben der Leitung steht. Die Leute verstehen das definitiv besser als „Autismus“. Die nächste Verwirrung ließ aber nicht lange auf sich warten. Wieso kontrollierte niemand das Buffet? Und wie verhielt man sich da nun richtig? Egal. Als ich wieder für mich war, bediente ich mich ordentlich. Immerhin wusste ich nicht, wie viel ich den Rest des Tages über wieder Essen würde.

Und ab wieder zurück zur Vermietung. Die neue Wohnung war soweit in Ordnung. Nur musste die dort vorhandene Küche noch raus, das Klo zu Seite. Sonst würde meine Waschmaschine nicht passen. Zudem bekam ich die Zusage, dass man mir noch neue Steckdosen legen würde, sollte ich zusätzliche brauchen. Wir vereinbarten dann einen neuen Termin zur Wohnungsübergabe und Vertragsunterzeichnung. Nächster Tag, 11 Uhr.

Dann begann ich zu laufen. Zuerst zum Institut, meine Krankschreibung abgeben. Dann meinen Multimediavertrag abändern, was mich noch 50€ kosten wird. Darüber ärgere ich mich noch immer. Ich hatte einen Nachweis darüber, dass der Umzug nicht freiwillig erfolgt, und dennoch kassieren die einen ab? Na danke auch. Dann noch eine kurze Runde durch den Drogeriemarkt. Mitten im Laden erhielt ich dann den Anruf, dass der Termin für den Umzug feststand; Morgen, 9 Uhr. Folglich entfiel der Termin für die Wohnungsübergabe, ich sollte aber kurz vorher für die Schlüssel vorbei kommen.

Was also nun? Ich beendete schnell meinen Einkauf (bei dem ich wegen des Anrufs den Tee vergaß) und fuhr zurück ins Hotel, in dem ich noch eine Nacht bleiben durfte. Dort verständigte ich dann zwei meiner Kommilitonen, die zum Glück beide am nächsten Tag Zeit hatten. Und schlief erst Mal eine ganze Weile. Den Rest des Abends blieb ich dann auch auf meinem Zimmer. Der Umzug am nächsten Tag würde mich genug Nerven kosten, zerstörte man doch endgültig meinen letzten Rückzugsraum. Noch dazu der Kontakt mit zig unbekannten Menschen, die meine Wohnung sehen würden, ohne dass ich das irgendwie vorbereiten konnte. Und ich war aufgrund ständiger Erschöpfung schon seit einiger Zeit im Haushalt nachlässig gewesen. Aber ich bin ja nur eine Autistin. Wen kümmerte es schon, dass mich das alles überforderte? Dass ich den Anruf des Elektrikers eigentlich gar nicht hätte entgegen nehmen können?

Wie gesagt, ich bin ja nur Autistin. Und damit genauso wie jeder andere … nicht!