Ella Schön Folge 4 – Kritik einer Autistin

Da sich bezüglich der Darstellung der autistischen Figur der Ella Schön zu Glück noch immer nichts geändert hat (wieso das gut ist, beschrieb ich in der Kritik zur vorherigen Folge schon), will ich dieses Mal mehr auf den Umgang von Ella Umfeld mit ihr eingehen. Denn dort gibt es doch ein paar auffällige Punkte

Auffällige Punkte

Aber erst doch noch einmal etwas zur Darstellung des Autismus von Ella Schön. In der Folge kann Ella tatsächlich Mal etwas leisten, was Autisten durchaus Probleme bereitet. Nach der bisherigen Darstellung hätte Ella diese Fähigkeit deshalb gar nicht zeigen dürfen. In einem Gespräch mit der Bürgermeisterin verweist Ella dann aber auf ihre Tonlage und interpretiert die eigentliche Absicht dann vollkommen richtig. Hier hat also endlich jemand verstanden, dass Autisten bei Dingen, die oft für Autisten problematisch sind, nicht grundsätzlich unfähig sind. Nur leider deutlich zu spät …

Und zum Glück lässt man Ella wenigstens zum Ende der Folge anmerken, dass da doch eine emotionale Verbindung zu ihrem Mann besteht. Nachdem sie während der Folge Erinnerungsstücke einfach weg werfen wollte (welche durch Christina gerettet wurden), schenkt sie diese ihrer Mitbewohnerin und geht diese am Ende auch durch. Wobei Ella die Texte auswendig mit spricht.

Es zeigt sich für mich in dieser Folge immer wieder, wie es durch das direkte Umfeld zu Grenzüberschreitungen kommt. So wird Ella Schön direkt zu Beginn durch den Sohn von Christina gegenüber seinen Mitschülern als „Asperger“ geoutet. Es ist für mich nicht ersichtlich, ob er dafür die Erlaubnis hat. Und es ist leider durchaus ein Problem, dass Autismus-Diagnosen nur zu oft von nahe stehenden Personen gegenüber dritten einfach offen gelegt werden. Ohne die Einwilligung der betroffenen Person. Diese Darstellung suggeriert nun so wieder, als sei das durchaus in Ordnung. Ist es aber nicht. Selbst wenn die Person selbst offen damit umgeht.

Bei Christina kommt es neben den Übergriffen (dass sie sich die weggeworfenen Dinge von Ella schnappt) gar zu direkter Behindertenfeindlickeit. „Manchmal glaube ich wirklich, du versteckst dich hinter deinem Asperger.“. Das mag sie zwar im Zorn gesagt haben, ist aber an Schadhaftigkeit kaum zu überbieten. Gleichzeitig ist dieser Vorwurf leider auch überaus realistisch. Oft berichten Autisten (oder deren Eltern), dass ihnen vorgehalten wird, sie sollten sich nicht auf „ihrer Diagnose ausruhen“ und ähnliches. Das „hinter dem Asperger-Syndrom verstecken“ geht als Vorwurf in dieselbe Richtung, nämlich die, man solle doch gefälligst nicht so autistisch sein.

In eine ähnliche Richtung scheint auch der Anwalt Ella schupsen zu wollen. So bekommt Ella während der Folge immer wieder zu hören, sie sollte bezüglich der Kinder und der Familie keine so harte Linie fahren. Jedoch behält Ella am Ende Recht und deckt letztendlich auf, dass der Vater durch seine Spielsucht die Familie immer weiter in eine schwierige Situation gezogen hat. Müsste er nicht mittlerweile mitbekommen haben, dass Ella meistens Recht behält, wenn etwas sie misstrauisch macht? Leider ist auch dieses Verhalten durchaus realistisch.

Ähnliches gilt für Birte (die plötzlich an Jannis Seite auftaucht und es so wirken lässt, als hätte dieser Ella abserviert). Beim gemeinsamen Betrinken kommt es zu einem kurzen Händekontakt zwischen ihr und Ella, woraufhin sie ihre Hand streichelt und meint „Autisten mögen es ja nicht, wenn man sie anfasst“. Dazu ein komplett mitleidiger Blick. Leider auch nur zu realistisch, dass Autisten aufgrund von Vorstellungen (egal ob zutreffend oder nicht) bemitleidet werden. So, als wäre Autismus ein reines Leid, was es jedoch nicht ist.

Schwierig finde ich auch die Szene, in der Ella während des Trinken äußerst, sie könnte dadurch mehr so sein wie andere. Es ist meiner Ansicht nach absolut keine Lösung, sich durch „Drogen“ anzupassen. Überhaupt, Anpassung. In einer Szene mit der Bürgermeisterin meint Ella, SIE wollte demnächst mehr darauf achten, dass sie anders kommuniziert. Wieso sie? Und wieso kommt da kein Widerspruch, dass man das auch von der anderen Seite mehr beachten wird in Zukunft? So bleibt ein einseitiges „der Autist hat sich anzupassen“. Was zwar leider durchaus den realen Anforderungen an uns Autisten entspricht, leider aber auch einen der Punkte darstellt, der im Alltag am meisten schadet.

Ich finde das übrigens merkwürdig, wie handzahm die Bürgermeisterin wird, sobald man ihr Kuchen zukommen lässt?

Was war das?

In einer Szene legen die von zu Hause ausgerissenen Kinder Geld auf den Tisch, woraufhin Ella sagt „Das reicht für knapp 40 Minuten“. Als sie dann bei Ella im Zimmer am Schreibtisch sitzen, steht gut sichtbar eine Uhr auf den Tisch. Das ganze lässt mich sehr an die Anwältin Danni Lowinski denken, eine frühere Rolle von Anette Frier.

Fazit

Man merkt also: Während Ella Schön selbst unrealistisch ist (und bleiben wird), ist der Umgang der Figuren mit ihr leider durchaus realistischer gestaltet. Jedoch geprägt von Ablehnungen und Grenzüberschreitungen. In der letzten Kritik erwähnte ich ja schon, dass sich eine Schauspielerin angeblich für mehr Akzeptanz von Autisten ausgesprochen hat. Wie man die allerdings erreichen will, wenn ohne Gegenwind Ansprüche a la „sei nicht so autistisch“ an die Figur gestellt werden, weiß ich ehrlich nicht. Jedenfalls sehe ich innerhalb des Films eine Akzeptanz von Ellas Art nur sehr bedingt.

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