Hört endlich einmal zu!

Stellt euch Mal vor, euch fehlt die Auskunft zu einem Termin. Nur ohne einen solchen Termin ist die Abhandlung eines dringend benötigen Austausches aufgrund eurer Behinderung nicht möglich. Ihr bittet also, weil ihr aufgrund eurer Behinderung selbst nicht telefonieren könnt, jemand anderen um Holen einer Auskunft. Am Ende ist diese falsch, und die verantwortlichen wollen bloß nicht schuld sein. Obwohl ihr heulend und zitternd vor ihnen steht, heißt es sogar noch
„Es ist doch alles gut.“
Auf die Idee, sich Mal hinzusetzten und zu schauen, wie derartiges in Zukunft verhindert werden kann, kommt keiner.

Es geht ja nur um Menschen mit Behinderung, die sich anstellen.

Als Autistin kommt es mir ziemlich oft so vor, als würde ich mit Wänden reden. Ich kann ziemlich genau benennen, was für mich aufgrund meiner Behinderung notwendig ist. Damit ich meinem Studium oder einer Arbeitsstelle nachgehen kann, oder gar um einfach meinen Alltag zu bewältigen. Das war selbst in der Schule schon so, als ich von meiner Diagnose noch gar nichts wusste. Nur, was bekomme ich zu hören, wenn ich diese Notwendigkeiten anspreche? Nur zu oft, dass das doch nicht ginge. Nur, wenn man mir etwas verweigert, was schlicht notwendig ist, wird die Situation meistens noch viel schlimmer. Wie sich letztes Jahr zum Beispiel eindrucksvoll in der Notaufnahme der Uniklinik hier in Halle zeigte.

Nur wie soll man in einer Welt zurecht kommen, die selbst dann nicht zuhört, wenn man die bestehenden Probleme als Autist klar und deutlich formuliert? Und was schon im Alltag nicht funktioniert, wo funktioniert es überhaupt Mal? Andere und ich beobachten immer wieder, wie die Wissenschaft auf einmal mit Erkenntnissen über Autismus daher kommt, die für uns schon lange klar waren. Weil Autisten im Austausch miteinander zum Beispiel schon lange festgestellt haben, dass es gar kein Problem mit Empathiemangel gibt. Dafür aber eines mit der veränderten Sensorik. Die Erkenntnis und damit besseres Verständnis von dem, was Autismus eigentlich ist, hätte deutlich eher kommen können.

Würde man uns einfach Mal zuhören.

Ähnliches gilt für die Darstellung in den Medien. Gerade zeigt sich wieder, dass man die kritisierenden Autisten nur sehr selten ernst nimmt. Eine Schauspielerin, die einen Selbsttest auf Autismus als Riesenspaß empfiehlt? Spricht sich doch für Akzeptanz aus und hat das bestimmt nicht negativ gemeint, wie man annimmt (!). Eine fiktive Figur, die Autismus verzerrt darstellt und vor Klischees nur zu strotzt? Überhaupt kein Problem, ist ja schließlich nur Fiktion und überhaupt hatte man ja Berater (die sich vorher nichts an der Figur auszusetzen hatten?). Oh, und wenn Autismus Mal wieder als negative Metapher oder gar als Schimpfwort missbraucht wird, soll man sich auch nicht so haben. Man sagt zwar „Autismus“, meint aber natürlich nicht Autismus. Ja, aber wieso sagt man das dann überhaupt?

Wir kommen nicht zu mehr Akzeptanz von Autisten, wenn diese selten Mal ernst genommen werden. Wenn man versucht Probleme und Schäden klein zu reden, anstatt sie zu beheben. Und es ist ehrlich traurig, dass man quasi jedes Jahr erneut darauf hinweisen muss, dass man uns Autisten einfach Mal zuhören sollte …

3 Gedanken zu „Hört endlich einmal zu!

  1. Das Problem ist ja, dass sich die Welt für diese Leute weiter dreht. Ich zumindest setze ziemlich viel Energie dafür um, um Probleme von NTs zu lösen. Statt einer Anerkennung folgt meistens die Entsorgung.

    Ich möchte mir nicht ausmalen, wenn wir mal die Handbremse anziehen und uns querstellen, damit sich die Welt von NTs einfach mal ein wenig langsamer dreht.

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