Ella Schön Folge 3 – Kritik einer Autistin

Leider hat die von mir letztes Jahr scharf kritisierte Filmreihe „Ella Schön“ ja doch eine Fortsetzung erhalten. Zudem ist auch schon bekannt geworden, dass es weitere Folgen neben denen, die diesen und nächsten Sonntag ausgestrahlt werden, geben wird.

Wobei ich mich doch Mal fragen möchte, wieso man eine Serie, in der es laut einer Aussage letztes Jahr nicht um Autismus geht, sondern um eine Freundschaft zwischen zwei Frauen, so auffällig um den Welt-Autismus-Tag herum platziert. Wenn der Autismus im Grunde nicht wichtig wäre, wäre eine solche Programmplanung ja nicht nötig.

Im Vorfeld

Man hat sich natürlich nicht nehmen lassen, dieses Jahr erneut für die Filmreihe zu werben. Und wie letztes Jahr auch, haben die Darsteller dabei keinen guten Job gemacht. Wenigstens ließ vor allem Frier eine gewisse Feinfühligkeit bezüglich der Situation von Autisten vermissen. So empfahl sie bei „Frag doch Mal die Maus“, doch einen „Asperger-Selbsttest“ zu machen. Das sei ein „Riesenspaß“. Jegliche negative Konsequenzen daraus, sei es durch eigene Verunsicherung durch eine hohe Punktzahl oder durch Angriffsziele beim Mobbing, schienen hier nicht wichtig. Zudem bediente sich Frier innerhalb der NDR Talkshow der Formulierung „am Asperger-Syndrom leiden“. Sie hat sich also noch nicht Mal so weit mit ihrer Rolle beschäftigt, um zu erkennen, dass diese Formulierung absolut unangebracht ist?

Ebenfalls in der Talkshow vom NDR bezeichnete der Moderator Asperger-Autismus zudem als etwas „zwanghaftes“. Leider werden häufig Routinen und Stimming für Zwänge gehalten, weshalb diese (in der Sendung wiederholte!) Bezeichnung nicht nur falsch, sondern auch sehr schädlich für Autisten ist. Zumal man hier auch die Eigenschaft vieler Autisten, stets die Wahrheit zu sagen, für zwanghaft erklärte. Als sei das etwas falsches.

Zum Film

Positives

Ella Schön hat sich im Vergleich zur ersten Folge fast nicht geändert. Es mag seltsam erscheinen, dass ich diesen Umstand nach meiner Kritik an der ersten Folge als positiv einordne, hat aber durchaus seinen Grund. Jede große Änderung an der Rolle der Ella Schön hätte zwei Ursachen haben können. Die realistische: Sie kompensiert und maskiert. Dadurch wirken Autisten zwar unauffälliger, geht aber mit einer enormen Kraftanstrengung einher. Nicht ohne Grund steht zu hohe Maskierung bei Autisten in Verbindung mit einer stark erhöhten Suizid rate. Es wäre also nicht gut darzustellen, dass ein Autist maskieren muss, um „akzeptiert“ zu werden. Auch wenn das tatsächlich keine Akzeptanz wäre. Die andere Erklärung wäre eine rein fiktive, eine „Wunderheilung“, wie sie in Filmen mit behinderten Charakteren leider immer wieder vorkommt. Auch hier wäre die Botschaft fatal. Autisten könnten nur in einer Gesellschaft aufgenommen werden, wenn sie ihren Autismus real hinter sich lassen. Was vollkommen unmöglich ist.

Zudem fällt eine Szene sehr positiv auf. Der Anwalt sagt an einer Stelle, man könnte doch nicht einfach sagen, dass ihr Klient nicht richtig im Kopf sei und deshalb eine Betreuung bräuchte. Ella entgegnet, dass manche auch über sie sagen, dass sie nicht richtig im Kopf sei. Woraufhin der Anwalt erkennt, dass er da ganz schön daneben gegriffen hat. Wäre nur schön, wenn solche Dinge auch Menschen in der Realität erkennen würden …

Zudem wieder, die Tochter von Christine. Sie sieht Ella mittlerweile wohl als eine zweite Mutter, übernimmt Ellas Ordnungsstil und versucht sie zum Dableiben zu bewegen. Was hier auch positiv ist: Ella traut der sechsjährigen enorm viel zu. So viel, dass man als Zuschauer denkt, das könne ja nur schief gehen. Insbesondere die Sache mit dem Dampfkochtopf. Doch es geht eben nicht schief. Zwar schimpft Christine über Ellas Verhalten, doch es kommt nicht dazu, dass Ella durch eine Fehleinschätzung andere Menschen gefährdet. Wo man Autisten noch immer oft pauschal die Eignung zum Umgang mit Kindern abspricht, ist das Mal wirklich gut.

Wo man sich tatsächlich verbessert hat, ist die Benennung der Diagnose. Dabei bezeichnet es nur die Tochter einmal falsch als „Ausburger-Autismus“, und wird dann auf „Asperger“ korrigiert. Für mein Verständnis aber eben nur für „Ausburger“.

Zudem wird Ellas „seltsames“ Vorgehen anscheinend ehrlich gelobt, als es um die Frage um das Testament des Klienten geht, dass sie erstellen soll. Und dabei auch plötzlich darüber bestimmen muss, welcher Sohn wie viel bekommt.

Negatives

Es fällt leider noch immer auf, wie unrealistisch die Figur der Ella Schön als Autistin ist. Zu dem bekannten aus der ersten Folge kommt hier noch hinzu, dass Ella Schön es beim Umgang mit den anderen Eltern aus der Grundschule (ja, sie übernimmt tatsächlich eine Mutterrolle) die Gerüchteküche nur noch weiter anheizt, wenn sie versucht die Dinge zu klären. Statt klipp und klar zu sagen „Was sie da glauben zu wissen, stimmt nicht“ referiert sie zum Beispiel darüber, dass Homosexuelle in Deutschland nicht mehr sanktioniert werden. Womit sie das Gerücht über sie und Christine aber bestärkt, statt es zu ersticken. Ob das so Absicht war, wage ich zu bezweifeln. Wahrscheinlich wollten hier die Autoren auch vor allem die Situation zwischen ihr und der Frau des Bürgermeisters langsam aber stetig eskalieren lassen, damit am Ende (vor allem durch Christine) ein Gegenschlag erfolgen kann. Leider kommt dadurch wieder rüber, dass Autisten sich in sozialen Situationen immer nur extrem ungeschickt verhalten. Eine übertriebene Darstellung, die auch schon in der ersten Folge auffiel. Ebenso ihr Umgang mit romantischen Reaktionen.

Des weiteren ist es hoffentlich nur den Situationen geschuldet, dass Ella in dieser Folge keinen Overload hatte. Natürlich muss man es hier in der Darstellung auch nicht übertreiben. Es stellt sich bei mir jedoch ein wenig die Frage, ob Ella die Eigenschaft, in Overloads zu geraten, noch hat.

Fazit

Man kann an einem schon etablierten autistischen Charakter natürlich sehr schlecht etwas verbessern. Da Ella aber nun auf der Insel bleiben wird stellt sich zunehmend die Frage, was in ihrem Umfeld passiert. In ihrer Familie wird sie mit dem Autismus akzeptiert. Aber wird es außerhalb auch wirklich ohne größere Probleme bleiben? Bis auf die Schwierigkeiten in der romantischen Beziehung habe ich keine offensichtlichen gesehen.

Es bleibt jedoch dabei, dass dem Zuschauer hoffentlich bewusst ist, dass es Fiktion ist. Eine, die hier in Bezug auf Autismus mit zu vielen Klischees und Überspitzungen arbeitet. Die Erfahrung zeigt nur leider, dass zu viele glauben, Autisten wären generell wie Ella Schön …

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