Schwerbehindert

Ihr erinnert euch an oder wisst von meinem Frust nach dem ersten Bescheid des Versorgungsamt im August letzten Jahres, in dem mit ein Grad der Behinderung von 30 zugestanden wurde? Und dass ich danach in den Widerspruch gegangen bin?

Nach sage und schreibe sechs Monate wurde nun über den Widerspruch entschieden. Ihm wurde „abgeholfen“, indem man mir ab Februar 2017 einen Grad der Behinderung von 50 zuerkennt. Dabei hatte ich eine Änderung ab spätestens Oktober 2016 gefordert.

Damit habe ich ein erstes Ziel erreicht; Ich bin jetzt höchst offiziell schwerbehindert.

Nur; Der neue Bescheid stößt mir wieder sauer auf. So wie er formuliert und umgesetzt wurde, bekomme ich die 50 jetzt nur aufgrund einer zusätzlichen Depression. Von der ich noch nicht einmal wusste. Dass der Autismus aufgrund der „mittleren sozialen Anpassungsstörung“ allein ausreichen würde? Irrelevant. Es hat ganz den Anschein, als würde das Versorgungsamt seine eigenen Vorschriften in Form der Versorgungsmedizinverordnung einfach ignorieren.

Bis wann ich den Status als Schwerbehinderte nun sicher habe … keine Ahnung. Der Bescheid verweist bezüglich der Gültigkeit auf den Ausweis. Den ich natürlich noch nicht habe, weil man mein Passbild mit dem ersten Bescheid zurücksendete. Der muss nun erst Mal wieder zum Amt.

Bezüglich des Kindergeldes gibt es zum Glück noch einen anderen Weg, vielleicht wieder an einen Anspruch heran zu kommen. Ich studiere ja nach wie vor und bin auf Unterhalt meines Vaters angewiesen. Nebenjob hin oder her, den habe ich ja auch nur aus der Not heraus ergriffen. Deshalb wird hier jetzt definitiv der Versuch eines Antrags starten (beziehungsweise der letztes Jahr gestellte Antrag fortgeführt).

Zudem werde ich definitiv nachhören, wie genau die das nun begründen. Im Bescheid steht einmal mehr nichts. Es wird auf die Versorgungsmedizinverordnung verwiesen, aber die können sie eigentlich kaum ordentlich angewendet haben. Außerdem werde ich Rücksprache mit Psychiatern und Psychologen halten. Denn im Moment sieht es so aus, als würde ich in 4 Jahren denselben Kampf nochmal führen müssen. Eventuell ohne Depressions-Diagnose.

Es ist doch zum Schreien. Meine grundsätzlichen Probleme im Alltag werden sich höchstwahrscheinlich niemals ändern. Vielleicht kommt noch einmal eine gute Phase, in der ich lange gut kompensieren kann. Aber es wird auf Dauer nie in Richtung von „normal“ gehen. Nicht, so lange die Bedürfnisse von Autisten gesellschaftlich gerne komplett ignoriert werden. Und selbst das wäre kein Grund, mir einen angemessenen GdB vorzuenthalten.

Und so muss ich aktuell tatsächlich darauf hoffen, dass sich diese Depression bei mir chronisch wird (wobei, ist sie das nach 6 Monaten nicht schon?). Ich muss darauf hoffen, chronisch krank zu werden, damit die zu Grunde liegende Behinderung halbwegs vernünftig berücksichtigt wird.

Es ist Mal wieder der Fluch der unsichtbaren. Sieht man nichts, ist nichts. Bekommt man Schule, Studium und Arbeit halbwegs auf die Reihe, kann es keine Probleme geben. Egal, wie viel Kraft es kostet. Egal, ob man am Ende noch Ressourcen für Freizeit hat oder nicht. Egal, wie weit man von einem „normalen“ Leben entfernt ist, das einem gut tun würde.

Es kann doch nicht wahr sein. Und dennoch ist es die Realität. Mein Autismus hat beinahe mein gesamtes Leben lang immer wieder zu Problemen geführt. Führt dazu, dass ich an manchen Tagen gar nicht mal aus dem Haus kann. Dass ich in der Öffentlichkeit vollkommen hilflos werde. Dass ich so vieles nur unter bestimmten Bedingungen kann, und sonst gar nicht.

Schwerbehindert bin ich trotzdem nur in Kombination mit einer Depression.

Grausame, behindertenfeindliche Realität.

Wird man mich die Behinderung etwa noch komplett aberkennen, wenn ich eines Tages Doktorandin oder gar Doktorin bin?

 

8 Gedanken zu „Schwerbehindert

    1. In wie fern soll ich da bestimmt weiter kommen? Das erschließt sich mir jetzt nicht.

      Zumal ich das Spiel mit der Eingliederungshilfe schon 2014 durchgespielt habe. Und abgebrochen. Weil es deutlich mehr Schaden als Nutzen einbrachte.

    1. Dem Antrag lag eine detailierte Tabelle bei, wo aufgrund meiner Behinderung meine Probleme liegen. Da wurde zum Beispiel auch aufgelistet, dass meine Fähigkeit Kommunikationsgeräte zu benützen mäßig eingeschränkt ist. Und ich voll eingeschränkt mit, mit Stress und anderen psychischen Anforderungen umzugehen. Ist das nicht schon ein Nachweis in dem Sinne?

      Und es wäre wieder die Frage, inwiefern das Amt diesen Nachweis akzeptiert. Die Bescheide lesen sich, als würden die Meinungen mancher Ärzte einfach pauschal ignoriert werden. Und tut mir Leid, ich kann jetzt nicht endlich Kräfte verpulvern, wenn der Nutzen fraglich ist.

    1. Ich weiß. Und dennoch. So lange mir niemand vorher sagen kann, was das finanziell für mich heißt (und meine finanzielle Lage ist schon kompliziert genug), lasse ich davon die Finger. Letztes Mal gab es nämlich eine dicke böse Überraschung, obwohl ich das immer und immer wieder nachgefragt hatte.
      Oder anders gesagt; Ich kann im Moment kein zweites Amt gebrauchen, das mir bei meinen Finanzen immer wieder über die Schulter schaut und auf die Finger haut und sich dann vielleicht sogar noch mit dem ersten Amt in die Wolle bekommt.

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