Ohnmacht

Stellt euch Mal vorm, ihr hättet eine Diagnose, die jeden Bereich eures Lebens beeinflusst. Manche stärker, andere schwächer. Aber die Auswirkungen dessen, was da mit einem Zahlen-Buchstabenkürzel aus dem ICD beschreiben wird, sind überall spürbar. Weil ihr fast überall schlicht anders seit als der gesamte Rest.

Stellt euch vor, es reicht so gut wie nie, wenn ihr diese Diagnose benennt. Die Menschen wissen nicht, wie sie mit euch umgehen sollen. Ihr werdet entweder trotzdem genauso behandelt wie jeder andere, oder wie ein rohes Ei. Entweder ihr sollt euch genauso verhalten, als wärt ihr genauso wie der Rest der Menschheit, oder ihr seid angeblich komplett unfähig. Egal, welche Leistungen ihr bisher erbracht habt. Scheinbar einfache Dinge könnt ihr nicht, also könnt ihr auch den gesamten Rest nicht. Nur, was für andere leicht ist, ist für euch verdammt schwer. Umgekehrt sind aber Dinge, die für andere schwer sind, für euch sehr leicht. Was ist also schwer, was ist leicht? Eine solch pauschale Einteilung ist eigentlich unsinnig, und dennoch werdet ihr nach genau dieser bewertet.

Stellt euch vor es gäbe Gruppierungen, die versucht die Welt über diese Diagnose aufzuklären. Doch diese Aufklärung verursacht die meiste Zeit nur Schaden für euer Leben. Es werden andere mit dieser Diagnose präsentiert, die scheinbar nie ein eigenständiges Leben führen können. Die Tag ein, Tag aus mit unmenschlichen Therapien traktiert werden, weil nur die angeblich hilft. Kritik von Betroffenen? Wird als überzogen beiseite gewischt. In fast jedem Artikel über eure Diagnose findet ihr schwerwiegende Fehler. Pauschale Einteilungen, dass bestimmte Unterdiagnosen leicht, andere schwer wären. Dabei stimmt das nicht. Und immer wieder werden Klischees aufgezählt, die nur ein Bruchteil der Betroffenen tatsächlich erfüllt.

Und dann die Elternverbände. Stehen über allem und behaupten, sich für euch und andere mit der Diagnose einzusetzen. Mit scheinbar unfassbarer macht. Sie hatten lange genug Zeit, sich zu etablieren. Doch helfen sie wirklich? Gerade die größten und wichtigsten stehen hinter der unmenschlichen Therapie. Und sie versuchen den Betroffenen selbst die Stimmen zu nehmen. Diffamieren diese, wo es nur geht. Ist das Hilfe?

Was sich hier furchtbar anhört, ist für Autisten leider bittere Realität. Und gerade zur Zeit ist ein gewisses Gefühl der Ohnmacht, welches um sich greift. Das hat vor allem zwei Ursachen.

Zum einen ist am 2.1. einem Autisten in Künzell das Leben genommen worden. Seine Mutter legte ihm eine Infusion mit einer tödlichen Dosis Propofol. Auch der Vater wurde auf diese Weise getötet. Der Mutter gelang es nach Medienberichten nicht, sich selbst die Infusion zu legen. Aber sei das nicht schlimm genug, spekulieren Staatsanwaltschaft und Medien auf eine Belastung durch den Autismus als Motiv für die Tat. Manche Medien, wie der Hessische Rundfunk, bezeichnen den Autismus sogar als „schwere Erkrankung“. Was sie damit anrichten, scheint ihnen nicht bewusst, oder sogar egal zu sein. Es ist nicht so, als würde es keine Proteste seitens von Autisten geben. Doch es gab gerade einmal EINE Seite, die ihren Bericht aufgrund der Proteste änderte. Berichtet haben darüber lokal sehr viel mehr. Und alle haben sie einfach die Formulierungen der Staatsanwaltschaft übernommen. Ohne zu reflektieren. Ganz zu schweigen von denjenigen, die für die Tat der Mutter sogar Verständnis zeigen. Was muss das für ein Bild von uns sein, dass es auch nur anweise in Ordnung sein kann, wenn einer von uns gewaltsam stirbt?

Und als sei das noch nicht genug, machte sich die ABA-Lobby (ABA = Applied Behaviour Analysis, als Therapie getarnte Menschendressur)  mit einem Artikel der dpa wieder einmal lautstark bemerkbar. Zu lautstark möchte man meinen. Denn da der Artikel von der dpa kam, wurde er gleich in mehreren Medien veröffentlicht. Genauso wie ein zugehöriges Video. So ist der Artikel auch beispielsweise bei Spiegel Online zu finden. Und er ist grausam. So werden einmal mehr Asperger-Autisten pauschal als leichte Fälle deklariert, frühkindliche Autisten als schwere. Obwohl diese Einteilung aus mehreren Gründen unsinnig ist. Beginnend bei der Tatsache, dass sich das Autismus-Spektrum nicht linear einteilen lässt.

Des weiteren werden „Meltdowns“ falsch erklärt und übersetzt. Da für uns Autisten Meltdown ein feststehender Begriff ist, der keiner Übersetzung bedarf, hat man hier einmal mehr ein übergriffiges Verhalten seitens von Nicht-Autisten. Einmal mehr versuchen sie zu bestimmen, wie dies oder jenes bezeichnet werden soll. Was in der autistischen Community schon lange allgemeiner Konsens ist, wird einfach ignoriert.

Noch furchtbarer wird dann der Abschnitt, in der es um die Kritik an ABA geht. Es wird behauptet, nur ein kleiner Teil der Eltern lehne ABA ab. Die Frage ist jedoch; Wieso ist nur die Meinung der Eltern hier von Bedeutung, und nicht die der Autisten selbst? Auf diese wird zwar in einem Absatz auch kurz eingegangen, doch wird die Kritik hier als vollkommen überzhogen dargestellt. Wichtige Kritikpunkte, wie das grundsätzlich falsche Menschenbild hinter ABA und das abtrainieren von für Autisten notwendige Verhaltensweisen werden einfach Mal nicht genannt. Marlies Hübner, die im Artikel als Kritikerin namentlich genannt wurde, musste mit einer ganzen Reihe an Beschwerdemails kämpfen. Da fragt man sich doch, wieso wird hier eine einzelne Person zur Zielscheibe gemacht, wenn doch eine ganze Community hinter dieser Kritik steht? Man muss sich doch fragen, ob man hier geziehlt versucht Autisten mit größerer Reichweite auszuschalten, damit die eigene Position die einzig bekannte bleibt. Gemeint ist hier auch vor allem Autismus Deutschland. Einer der Elternverbände, die immer wieder gegen die Selbstvertretung von Autisten vorgehen. Man muss sich ehrlich die Frage stellen, wieso die Meinung von Autisten selbst hier nicht erwünscht ist.

Es ist an manchen Tagen einfach zum Verzweifeln. Ich bin ja noch nicht allzu lange aktiv, doch habe ich immer wieder das Gefühl, dass meine Bemühungen nicht ansatzweise ausreichen. Dass ich eigentlich noch deutlich mehr tun müsste. Die Frage bleibt nur; Wie? Es gibt ja keine Anleitung „Aktivismus für Anfänger“. Und ich habe ja auch noch ein Leben außerhalb des Internets. Das Studium muss weiter gehen. Denn was bringt es, wenn ich nacher vor lauter Aktivismus mein eigenes Leben nicht mehr auf die Reihe bekomme? Es müsste ein richtiges Maß gefunden werden.

Und vielleicht ist es ja doch nur ein Kampf gegen Windmühlen. Doch sollte man direkt aufgeben, nur weil die Lage hoffnunglos erscheint?

 

31 Gedanken zu „Ohnmacht

  1. Du sprichst von Studium, aber der Großteil der autistischen Kinder der Eltern in Elternverbänden wird nie ein Studium machen. Diese Gruppe wird aber von den „Aktivisten“ völlig ausgeblendet. Autismus kann sehr wohl eine schwere Krankheit sein.
    Ich bin übrigens Asperger-Autistin, und ich fühle mich von MH und Co. kein bisschen repräsentiert. Aber die Aktivisten bringen auch Stimmen wie meine konsequent zum Schweigen. Würde mich wundern, wenn dieser Kommentar veröffentlicht wird.

    1. Dann darfst du dich jetzt wundern; Der Kommentar wurde veröffentlicht.

      Darf ich fragen, wo ich hier von Studium spreche? Ich kann natürlich nicht abstreiten, dass ich selbst Studentin bin. Aber ich käme auch nie auf die Idee zu sagen, dass jeder Autist unbedingt Student sein kann. Ist ja bei Nicht-Autisten ebenfalls nicht so. Und wenn ich nicht immer wieder Unterstützer an entscheidenden Stellen gehabt hätte, wäre ich auch nie soweit gekommen.

      Wieso glaubst du denn genau, dass diese Gruppe von den Aktivisten vollkommen ausgeblendet wird?

      1. @geschlechtslos
        [nachdem ich unter dem Kommentar keinen Antwort-Button sehe]

        Die Behinderung an sich wird überhaupt nicht relativiert oder abgesprochen (nur die Bezeichnung als „Krankheit“ trifft auf Gegenwehr), und auf alle Autisten wird auch nicht pauschalisiert, noch maßt sich ein „Aktivist“ an, für die zu sprechen, die seine Meinung nicht vertreten (und dementsprechend auch nicht für alle).
        Seit wann wird „JEGLICHE“ Kritik geblockt? Solche Kommentare zu verfassen wäre gar nicht möglich, würde so gehandelt werden. Ich sehe viel häufiger ABA-Befürworter mit Blocks um sich werfen, wenn sich ein simpler Tweet o.ä. in eine Diskussion verwandelt. Natürlich ist die Meinung gegenüber ABA nicht gerade freundlich, aber das hat auch einen guten Grund, und zwar das Konzept von ABA (und darüber wurde sich bereits lang und breit ausgelassen). Dementsprechend sehe ich im Bezug auf diese „Therapiemethode“ keinen Kompromiss, der nicht bereits unterstützt wird (weil alles weitere zu weit in Richtung Konditionierung und „Unauffälligkeit in der Gesellschaft“ geht) – Ideen zu einem solchen „Kompromiss“ würde ich sonst gerne sehen.

        Bei dem „erweiterten Suizid“ besagter Mutter geht es hauptsächlich auch um die Medienverarbeitung und die Bezeichnung von Autismus als schwere Krankheit/schweres Leiden, das maßgeblich zu diesem Umstand beigetragen hat, sowie um die komplett andere Auffassung anderer Fälle von nichtbehinderten Menschen, bei denen daraus dann doch ein Kindsmord wird und keine „Familientragödie“. Soweit ich weiß, hat die Mutter ebenfalls eine solche Meinung vertreten, anstelle ebender angesprochenen Förderung. Dass in diesem Fall Autismus (u.a. wegen der „Unsichtbarkeit“ der Behinderung) immer wieder nicht beachtet wird, ist eine Sache. Aber es rechtfertigt nicht, einen Mord zu begehen, anstatt vorher Hilfe zu suchen – es ist ja nicht so, als würde es die überhaupt nicht geben.

        1. Zumindest was Frau Hübner und ihre engeren Kreise betrifft wird jegliche Kritik geblockt. Teilweise wird sogar prophylaktisch geblockt und zum Blocken aufgerufen. Man möchte in seiner Filterblase bleiben und keinerlei Argumente von aussen sehen.

          Die Hilfen gibt es zumindest in Hessen kaum. Bei autistischen Kindern geht es sogar noch wenn man gewillt ist seinen Radius sehr aufzudehnen. Bei andere Behinderungen sieht es noch viel düsterer aus. Das geht sogar soweit, dass sogar der Besuch der Förderschule verweigert wird. Kostengründe, bzw Personalmangel sind dann der Grund. Dabei war dort schon vor der Verschlechterung der Behinderung keine Förderung sondern mehr Aufbewahrung Programm.
          Hilfe suchen und Hilfe bekommen sind zwei völlig verschiedene Paar Schuhe.

          Dass ein erweiterer Suizid nicht die Lösung ist wissen wir, glaube ich, doch alle. Allgemein ist Suizid keine Lösung. Nichts destotrotz gibt es Phasen im Leben wo einem alles so aussichtslos erscheint, dass man keine andere Möglichkeit mehr sieht.
          Ich muss diesen Entschluß nicht zwingend verstehen, aber ich kann ihn akzeptieren. Es steht uns zumindest nicht zu denjenigen zu verurteilen der diesen Weg geht!

          1. Äh…wiebittewas? Es steht uns nicht zu, jemanden zu verurteilen, der seinen 16-jährigen Sohn umbringt??? Soll das heißen, dass das sowas wie Notwehr wäre, oder gar „Gnadentod“ a la Euthanasie/Eugenik? Und nebenbei bemerkt: Hessen versucht sich an inklusiver Beschulung von Kindern und Jugendlichen mit Behinderungen. Das sollte nun wirklich mittelfristig das mit dem „keine Förderung, mehr Aufbewahrung“ lösen…

          2. Es gibt keinen „erweiterten“ Suizid. Der Begriff an sich ist schon ein Angriff auf alles menschliche. Vielleicht hat der Begriff vor 300 Jahren mal einen Hauch von Sinn ergeben, als ein hilfsbedürftiger Mensch ohne Unterstützung noch in den Wald gejagt und vom Wolf gefressen worden wäre.

            Der Mord an einem Schutzbefohlenen ist ein Mord. Genauso wie generell der Mord an der Ehefrau oder den Kindern kein Familiendrama ist, sondern ein Mehrfachmord. Ich weiß nicht, wer diese Euphemismen in die Welt gesetzt hat, und warum so beschönigende Worte für einen schrecklichen Übergriff auch noch weiterverwendet werden.

            Suizid ist eine zulässige und gültige Lösung, wenn die Lösung der Probleme ernsthaft auf allen Wegen versucht wurde und man ganz sicher ist, dass es nie besser wird. Bewusster überlegter entschlossener Suizid gehört zur Selbstbestimmung des Menschen dazu (Achtung: das bedeutet nicht, dass Kranke, z.B. Depressive, keine Hilfe „gegen“ Suizid brauchen!).

            Mord ist nie eine zulässige Lösung. Weder wegen Schuldenbergen noch wegen Behinderungen.

          3. Wenn man keine Lösung für sich sieht, darf man gerne Suizid begehen. Nimmt man Familienmitglieder mit, ist das mindestens Totschlag und sofern Mordmotive vorliegen, auch Mord. Das darf man nicht nur kritisieren, das kritisiert jeder verantwortungsbewusste, gesetztestreue Mensch.

            Das hier mitschwingende Verständnis, dass das Leben eines behinderten Menschen als wegwerfbar erachtet sobald er zu unbequem wird, oder als Pfand sieht mit dem mehr Hilfen erpresst werden können, ist nicht akzeptabel.

      2. Durch das Relativieren von Autismus als „Art zu Sein“. Durch das Absprechen von Behinderung ansich. Vor allem aber auch durch das übergriffige Pauschalisieren auf alle Autisten seitens der „Aktivisten“.
        Menschen wie Marlies Hübner setzen sich nicht für Autisten allgemein sein. In der erster Linie geht ihnen darum ihr eigenes Ego zu streicheln. Das merkt man auch sehr deutlich daran, dass konsequent JEGLICHE Kritik geblockt wird. Einsicht? Keine Chance.
        Genauso stur und stumpf seinen Weg gehend wie die ABA-Befürworter auch. Nur eben am anderen Ende der Skala. Vielleicht sollten beide Seiten mal ihr Gehirn benutzen und den Weg des Kompromisses gehen.

        Was den erweiterten Selbstmord dieser Mutter betrifft: Es ist völlig egal welche Behinderung das Kind jetzt hatte. Jedem Elternteil kann eine solche Belastung so sehr zu viel werden, dass ihm kein anderer Ausweg mehr erscheint. Gerade in Hessen sind die Hilfen doch eher dünn gesäht und die Eltern bleiben alleine mit ihren Sorgen. So traurig es ist das so etwas überhaupt geschieht, verständlich ist es dennoch. Hier der überlebenden Mutter auch noch Vorwürfe zu machen ist nicht sinnvoll – im Gegenteil.
        Die richtige Reaktion wäre für mehr Hilfen zu arbeiten. Dass es richtige Kinderpflegedienste gibt die die Eltern auch mal entlasten (Ich denke da zb an Wachkoma und ähnliches). Das es Betreuungseinrichtungen gibt, die mehr tun als nur aufzubewahren. Förderung anstelle von Schönreden!
        Natürlich gibt es auch Behinderung wo diese Hilfen relativ leicht umsetzbar sind. Sofern man bereit ist Geld auszugeben. Rampen, Aufzüge, kleine Klassen, ruhiger Arbeitsplatz etc.
        Aber es gibt eben auch wirklich schwerbetroffene Behinderte welche einfach Förderung brauchen. Wo die pflegenden Angehörigen Entlastung benötigen!
        So lange Deutschland da weitgehends Entwicklungsland ist – solange werden auch ertweiterte Suizide keine Seltenheit sein. (Von den meisten bekommt nur die Presse nichts mit. Daher wirkt es vielleicht als wäre es selten.)

        1. Dann muss ich wohl in anderen Kreisen von Aktivisten unterwegs sein. Diejenigen, mit denen ich engeren Kontakt pflege, sprechend keineswegs die Behinderung ab (und ich übrigens auch nicht. Sonst würde ich ja nicht gerade selbst um einen SBA kämpfen, oder?).

          Vielleicht sollte ich noch einmal zum Protokoll geben, dass ich Marlies Hübner nur deshalb hier namentlich genannt habe, weil das im dpa-Artikel ebenso passiert. Und ich weiß sehr wohl selbst, dass es bei ihr sehr wohl Grund zur Kritik gibt. Ich stimme ihr selbst bei weitem nicht in allen Positionen zu. Aber wenn ich die namentliche Nennung einer Person als Angriffsziel kritisieren will, darf ich dann den Namen der Person selbst nicht mehr nennen? Oo

          Und natürlich muss es deutlich mehr Hilfen geben. Nur die Mutter aus der Kritik auszuklammern oder sie gar in Schutz zu nehmen, halte ich für gefährlich. Was, wenn andere durch diese Einstellung selbst auf die Idee kommen, ihre autistischen Kinder umzubringen? Dasselbe gilt für die problematische Berichtserstattung hier. Die erwähnte die fehlende Unterstützung übrigens höchstens in einem Nebensatz. Ist das zielführend?

        2. „Durch das Relativieren von Autismus als „Art zu Sein“. Durch das Absprechen von Behinderung ansich.“
          Da wüsste ich niemanden, der das tut. Ich selbst bezeichne mich als behindert.
          Zeitgleich ist Autismus mein Sein. Kann ich ja nicht abstellen. Und beeinflusst mein ganzes Leben.

          „Vor allem aber auch durch das übergriffige Pauschalisieren auf alle Autisten seitens der „Aktivisten“.“
          oO

          Zu Marlies Hübners Vorgehen kann ich nichts sagen. Ich habe keinen Kontakt mehr zu ihr.

          „Es ist völlig egal welche Behinderung das Kind jetzt hatte. Jedem Elternteil kann eine solche Belastung so sehr zu viel werden, dass ihm kein anderer Ausweg mehr erscheint.“
          Es geht um die Berichterstattung. Die Medien stellen es so dar. Ob es wirklich die Belastung war, wissen wir nicht.
          Und tut mir echt leid, aber wem nicht min. einfällt, dass ein Kind auszusetzen und sich zu verpissen ein min. genauso einfacher Ausweg wäre, auch beschissen, aber wenigstens kein Mord, verdient von mir kein Mitleid und kein Verständnis, aber jede Verachtung.

          „Die richtige Reaktion wäre für mehr Hilfen zu arbeiten.“
          Ich kann mich für mehr Hilfen einsetzen UND Mord verachten. Zeitgleich. Das geht!

      3. @geschlechtslos

        „Aber es gibt eben auch wirklich schwerbetroffene Behinderte welche einfach Förderung brauchen. Wo die pflegenden Angehörigen Entlastung benötigen!
        So lange Deutschland da weitgehends Entwicklungsland ist – solange werden auch ertweiterte Suizide keine Seltenheit sein. (Von den meisten bekommt nur die Presse nichts mit. Daher wirkt es vielleicht als wäre es selten.)“

        Ich habe hier etwas zu Künzell geschrieben.
        https://autismuskeepcalmandcaryon.wordpress.com/2018/01/08/ihr-regt-mich-auf-mit-eurer-relativiererei-ein-rant/

        und allgemein zu Mord an behinderten Menschen
        https://autismuskeepcalmandcaryon.wordpress.com/2016/11/08/mord-ist-nicht-gesellschaftsfaehig-oder-doch-oder-darf-man-bei-behinderten-menschen-zumindest-relativieren/

        Und nein, Mord an Schutzbefohlenen ist mir niemals verständlich.

        Und jetzt noch etwas zu Autismus allgemein.

        „Durch das Relativieren von Autismus als „Art zu Sein“. Durch das Absprechen von Behinderung ansich.“

        Autismus gehört zum Sein meiner Kinder untrennbar dazu.
        Trotz und alledem sind meine Kinder behindert.

        ABER sie sind nicht krank.

        Das Sein meiner Kinder ist nicht weg zu therapieren.
        Aber durch die Akzeptanz, was Autismus bei ihnen ausmacht, können die Voraussetzungen geschaffen werden, dass sie ihr Potential ausschöpfen können.

        ABA ist dazu nicht geeignet.
        Im Gegenteil, es verhindert dass Eltern den Autismus bei ihren Kindern akzeptieren lernen.
        Sie erwarten so etwas ähnliches wie einen Schalter, mit dem man alle Begleiterscheinungen von Autismus einfach „abschalten“ kann.

        Das dem nicht so ist, bestätigen viele erwachsene AutistInnen weltweit.
        Vor allem jene, die ABA als Kinder erlitten haben.

        Gelten diese Stimmen nicht?

    2. @Silke:

      1. Findest du denn, dass die Umerziehungsmethoden den „schwer“ gestörten autistischen Kindern helfen oder dass sie wirken? Ich kann mir das nur sehr schwer vorstellen.

      2. Der Begriff „Krankheit“ wird ja vor allem abgelehnt, weil er oft so verstanden wird, dass man an Autismus erkranken kann und dass man ihn heilen muss. Dass Autismus eine starke Einschränkung im Alltag ist, bestreitet keiner der „Aktivisten“, im Gegenteil finden sich auch hier im Blog Artikel, wie bereits Kleinigkeiten alles durcheinander bringen können.

      3. Bei mindestens einer autistischen Studentin in Elodiylas Umfeld ist neulich ein früherer Kindertherapeut sehr überrascht gewesen, dass sie nicht in einer Behindertenwerkstätte arbeitet. Vielleicht werden also einige dieser Kinder vor allem deshalb nie eine gute Bildung bekommen, weil man es nicht schafft, gute Umstände zu erreichen. Wie das geht und was das bedeutet, weiß ich nicht. Aber ich vermute, es gab auch in Elodiylas Leben viele Erwachsene (Lehrer, Ärzte, Betreuer), die sie am liebsten aufgegeben oder weggeschoben hätten.

      1. Indem normalerweise solche Kommentare wie meiner gar nicht freigeschaltet werden, indem bei Twitter jede anderslautende Meinung sofort gebloggt wird, und auch indem die eigene Meinung dieser Aktivisten als die einzig Wahre und Gültige dargestellt wird. Indem sie immer wieder so schreiben und auftreten, als würden sie für alle Autisten die Wahrheit verkünden.
        Aber das tun sie nicht einmal für alle Asperger-Autisten, geschweige denn für die Gesamtheit aller Autisten inkl. den niedrigfunktionalen.

        Was den erweiterten Suizid angeht: logisch kann man das verurteilen. Man kann sich aber auch mal mit der Symptomatik einer schweren Depression befassen. Diese ist nämlich in der Regel die Ursache für solche Vorfälle. Das eigene Erleben und Empfinden ist so beeinträchtigt, dass man die ganze Welt nur noch negativ und bedrohlich sieht. Man hat keinen Zugriff mehr auf positive Erinnerungen, keine positive Gedanken mehr für die Gegenwart und damit auch keine Hoffnung für die Zukunft. Bei manchen erstreckt sich das auch auf die Menschen in ihrem Umfeld. Sie sind der Überzeugung, dass es auch für diese besser wäre, tot zu sein, so wie für sie selber der Tod als Erlösung erscheint. Natürlich ist das nicht richtig, aber die Menschen sehen es in dem Moment so.

        Ich mag es nicht, wenn mit viel Skandalisiererei und Polemik agiert wird. Immer ist alles schlimm und böse und alle sind gegen die armen Autisten. Das ist so unsinnig und zeugt für mich eher von irgendeiner Persönlichkeitsstörung dieser Leute, die sich „Aktivisten“ nennen. Sie haben aus meiner Sicht bisher nichts Gutes für Autisten erreicht. Sie haben Autisten lediglich in Verruf gebracht, als Leute, mit denen man nicht reden kann.
        Da sind mir Leute wie Christine Preißmann doch 10x lieber, die einfach mal auf dem Boden der Tatsachen bleiben und nicht auftreten wie der Elefant im Porzellanladen, und die auch nicht so viel Selbstbeweihräucherung betreiben, als würden sie sich aufopfern gegen die böse Welt für die armen Autisten, von deren Lebensumständen sie meistens überhaupt keine Ahnung haben.

          1. Von ABA habe ich zu wenig Ahnung, und ich bin sicher, die meisten derer, die ABA ablehnen und die ganzen Phrasen einfach nachplappern, haben genausowenig Ahnung. Bei der Aktion-Mensch-Aktion wurde aber auch ganz viel kaputtgemacht durch das Auftreten der „Aktivisten“. „Wir“ haben jetzt den Ruf, uns unmöglich zu benehmen und Hetzkampagnen zu betreiben. Das war jedenfalls nicht gut.

            Das mit der Persönlichkeitsstörung nehme ich aber zurück, ist nicht okay. Da hatte ich mich in Rage geschrieben.

          2. Könntest du das vielleicht konkretisieren, wie da was genau kaputt gemacht wurde?
            Ich habe von damals nämlich einen anderen Eindruck. Der Schaden kam meines Eindrucks nach eher durch das Vorgehen der Pro-ABA-Position, die versucht haben autistischen Aktivisten auf unfaire Weise zu diffamieren. Eben indem sie unmögliches Verhalten unterstellt haben. So lange sie aber gegen ABA waren und für einen Stopp der Förderung eintraten, konnten sie sich gar nicht richtig verhalten. Diese Taktik sieht man ja auch in dem verlinkten dpa-Artikel. Ich war damals noch nicht aktiv, habe mich aber mit der Diskussion sehr genau beschäftigt. Die Gegenargumente werden von der dpa nicht Mal ansatzweise vollständig genannt, womit die Gegenposition wie eine kleine Gruppe wirkt, die einfach einzelne, schwierige Punkte überzieht.

            Außerdem frage ich mich, welches Verhalten denn zum selben Ziel geführt hätte. Oder war das Ziel deiner Meinung nach schon falsch?

          3. @Silke

            „Von ABA habe ich zu wenig Ahnung, und ich bin sicher, die meisten derer, die ABA ablehnen und die ganzen Phrasen einfach nachplappern, haben genausowenig Ahnung. “

            Wie kommst Du darauf, dass die ABA-Gegner keine Ahnung von ABA haben?

            Ich zB. habe Literatur dazu gelesen und Recherche betrieben. Weiter habe ich Erfahrungen damit machen müssen, was zB Schulen an Erwartungen hegen, wie ein therapierter Autist zu funktionieren hat. Basierend auf deren Verständnis von „Therapie“ und was ein Autist dann zu leisten hat.

            Ich wurde schon persönlich mehrfach gefragt, ob es nicht ein Stopp-Wort für meine Kinder gäbe, welches wir fest installiert (was für eine Formulierung ^^) hätten, mit dem unser jeweiliges Kind jederzeit und unter allen Bedingungen sofort zur Räson gebracht werden könnte.

            Möchtest Du etwa behaupten, dass Eltern, die ABA ablehnen es erst versucht haben müssen um es ablehnen zu dürfen?

            Wie sieht es denn mit den Erfolgen bzgl. MMS aus?
            Oder muss das auch erst erprobt werden, um nachzuweisen das Chlorbleiche nichts ist, was man einem Menschen, in dem Fall Kindern also Schutzbefohlenen, zumuten darf?

            Ist es nicht richtig, sich dafür einzusetzen Aufklärung über Autismus zu betreiben und sich gegen Fehldarstellungen zu wehren?`

            Ich wüsste auch nicht

            Zitat: „und nicht auftreten wie der Elefant im Porzellanladen, und die auch nicht so viel Selbstbeweihräucherung betreiben, als würden sie sich aufopfern gegen die böse Welt für die armen Autisten, von deren Lebensumständen sie meistens überhaupt keine Ahnung haben.“

            wo irgendjemand sich beweihräuchert oder von Aufopferung spricht.

            Und die Unterstellung, dass zB ich keine Ahnung von den Lebensumständen vieler Autisten habe ist schon interessant. Woher nimmst Du dieses Wissen?

          4. „Von ABA habe ich zu wenig Ahnung, und ich bin sicher, die meisten derer, die ABA ablehnen und die ganzen Phrasen einfach nachplappern, haben genausowenig Ahnung.“

            Behauptungen, Polemik, haltlose Vorwürfe.

            Warum zeigst du eigentlich ständig die Verhaltensweisen, die du zu kritisieren vorgibst? Warum spiegelst du?

            „Bei der Aktion-Mensch-Aktion wurde aber auch ganz viel kaputtgemacht durch das Auftreten der „Aktivisten“. „Wir“ haben jetzt den Ruf, uns unmöglich zu benehmen und Hetzkampagnen zu betreiben. Das war jedenfalls nicht gut.“

            Echter Aktivismus ist nie schön, denn echter Aktivismus tut eines: verhindern, dass man überhört, übersehen und übergangen wird. Aktivismus dient nicht dazu sich Freunde zu machen, sondern Ziele zu erreichen.

            „Wir“ haben gar keinen Ruf. Eine Gruppe Menschen als monolithischen Blobb wahrzunehmen ist der Kern dessen was Rassismus, oder in diesem Fall Behindertenfeindlichkeit ausmacht. Vielleicht richtest du deinen Ärger mal gegen die Leute, die dir vorwerfen, was andere getan haben und nicht gegen die Leute, die lediglich für ihre eigenen Interessen eintreten. Wie wärs?

        1. Mit Verlaub, aber: *Spiegelvorhalt* Über andere als Mitglieder einer (im soziologischen Sinn) Gruppe pauschale, uneingeschränkte Urteile fällen, und denen genau diese Absolutheit und Unfähigkeit zu jeglichem Differenzieren zuschreiben, das wirkt auf mich jetzt in diesem konkreten Fall irgendwie wie „von sich selbst auf andere schließen – und denen Stereotypen zuordnen“. (Wobei meiner Beobachtung nach eher die meisten Autistinnen und Autisten dermaßen ausführlich sprachlich ausdifferenzieren und absolute Aussagen relativ strikt vermeiden, was bei Nichtautistischen Menschen zu Abwehrreaktionen führt, weil dadurch nämlich die geschriebenen oder gesprochenen Texte epische Breite erreichen, was die Aufmerksamkeitsspanne der allermeisten merklich überschreitet und die Texte schwer zu verarbeiten macht… aber hey, Hauptsache mal ein nicht wirklich empirisch haltbares Vorurteil weiter verbreitet…)

        2. Kurzer Einwurf bzgl.:

          „Das ist so unsinnig und zeugt für mich eher von irgendeiner Persönlichkeitsstörung dieser Leute, die sich „Aktivisten“ nennen. “

          Ein Aktivist zeichnet sich meines Erachtens dadurch aus, dass er aktiv wird.
          NICHT dadurch, dass er sich als solcher bezeichnet.

          Ich rede Depressionen gewiss nicht klein und auch die Folgen nicht.

          Wie Du darauf kommst ist mir schleierhaft.
          Das hat auch sonst niemand in der Diskussion zu der _Berichterstattung_ zu Künzell getan.

          Die Kritik richtete sich gegen die Berichterstattung, die auf Spekulationen der Staatsanwaltschaft beruhte und die die Presse einfach übernommen hat.
          Warum sollte man darauf nicht eingehen?

          Ich finde eine solche, auf Spekulationen beruhende Berichterstattung, mehr als zweifelhaft.
          Und auch die Dramatisierung von Autismus ist nicht gut, da dadurch Nachahmertaten zu erwarten sind, wie es in der Vergangenheit bereits geschehen ist. Oder möchtest Du das in Zweifel ziehen?

        3. Mal ein Beispiel:
          Einer dieser „Aktivisten“, die du hier ansprichst, wird vermutlich unter anderem Aleksander Knauerhase sein?

          Es reicht ein Blick auf sein Twitterprofil, um deine Behauptung, wir würden für alle Autisten sprechen (wollen) zu widerlegen.

          Dort hat er nämlich selbst einen Tweet angeheftet, der ganz klar sagt:
          Er spricht NICHT für alle Autisten! Kann es aber gerne für die tun, die MÖCHTEN, dass er für sie spricht.

          Wo also nimmt sich hier jemand raus, für alle zu sprechen?

          Die nächste Frage, die ich an dich hätte, wäre: Wie definierst du niedrigfunktional?

          Bin ich niedrigfunktional, wenn ich es nicht schaffe, an einen Ort zu gehen, an dem eine riesen Menschenmenge ist? Oder bin ich hochfunktional, weil ich per Sprache kommuniziere? Es gibt jede Menge andere Wege, über die Autisten kommunizieren und kommunizieren können, man muss sie nur sehen!

          Es gibt keinen hoch oder niedrigfunktionalen Autismus. Wie sehr mich der Autismus einschränkt kommt ganz auf verschiedene Faktoren an:

          Die aktuelle Tagesform, die allgemeine psychische Kondition, wie meine Lebensumstände gerade sind, um nur einige der angesprochenen Faktoren zu nennen.

          Weiter schreibst du/schreiben sie, sie hätten zu wenig Ahnung von ABA und wir hätten Hetzkampagnen getrieben und uns „wie Sau benommen“. Wo war das der Fall? Aleksander Knauerhase hat sich an einen Tisch gesetzt mit Aktion Mensch und sich dem ganzen gestellt. Wo war das wie Sau benehmen? Wo war auch nur einer der Tweets von fragtwarum wirklich „wie Sau benehmen“?

          Abschließend möchte ich noch eine Sache sagen:
          Nicht jeder von uns AktivistInnen hat studiert. Das ist blödsinn, genauso wie es blödsinn wäre zu behaupten, jeder nicht Autist hat studiert.
          Die Lebenswege von uns Aktivisten und von jedem einzenen Autisten da draußen sind so individuell wie wir selbst. Wir alle sind unsere Wege gegangen, haben unsere eigenen Erlebnisse gehabt und Erfahrungen gemacht. Allein das macht es unmöglich, jedem eine Stimme zu geben.

          Um hierzu mal ein Beispiel zu nennen:
          Ich habe weder studiert, noch werde ich es allzubald können. Ich bekomme derzeit Geld vom Amt, weil ich psychisch kaputt gemacht worden bin. Trotzdem stehe ich hier. Als eine der Aktivisten. Auch ohne Studium.

          Es wäre wahnsinnig zu behaupten, wir könnten jeden vertreten und jedem eine Stimme geben. Und genau deshalb, weil wir wissen, dass jeder Lebensweg individuell verschieden war, wissen wir auch, dass es nicht möglich ist jeden zu vertreten. Wollen wir auch gar nicht. Wir wollen und werden weiter für unsere Rechte kämpfen! Nicht mehr und nicht weniger!

        4. Ah, also genau wie ich dachte. Here is the thing:

          „Zum Schweigen bringen“ ist ein aktiver Akt, der beinhaltet, dass dich beispielsweise jemand bedrohen würde, bis du dich nichts mehr traust zu sagen. Was du berichtest und was Aktivisten nicht tun müssen ist: dir zuzuhören. Vor allem dann nicht, wenn überhaupt keine sachlichen Diskussionsbeiträge kommen, sondern: Verleumdung und haltlose Behauptungen. Beispiel gefällig?

          „. Indem sie immer wieder so schreiben und auftreten, als würden sie für alle Autisten die Wahrheit verkünden.“

          „Das ist so unsinnig und zeugt für mich eher von irgendeiner Persönlichkeitsstörung dieser Leute, die sich „Aktivisten“ nennen. Sie haben aus meiner Sicht bisher nichts Gutes für Autisten erreicht. Sie haben Autisten lediglich in Verruf gebracht, als Leute, mit denen man nicht reden kann.“ „die auch nicht so viel Selbstbeweihräucherung betreiben, als würden sie sich aufopfern gegen die böse Welt für die armen Autisten, von deren Lebensumständen sie meistens überhaupt keine Ahnung haben.“

          Solche Sachen kannst du sagen, aber es ist weder ein sachlicher Diskussionsbeitrag, noch gerechtfertigte Kritik, noch muss es sich jemand anhören. Wer dich auf Twitter blockt, hindert dich nicht daran, deine Meinung zu äussern. Millionen Leute können dich weiterhin lesen, nur die Person, der du gerade ans Bein pissen wolltest, die hört dir – gerechtfertigt – eben nicht mehr zu. Ebenso muss sich nicht jeder in seinem eigenen Blog beleidigen lassen. Niemand hindert dich aber daran, diese persönlichen Angriffe, unsachlichen Behauptungen und Verleumdungen an einem anderen Ort zu veröffentlichen.

          Freie Rede ist ein Recht, dass der Staat dir nicht einschränken darf. Freie Rede ist nicht jeden jederzeit und überall beleidigen zu dürfen. https://xkcd.com/1357/

          Zu den Depressionen: Ich kenne mich mit dem Thema zufälligerweise recht gut aus. Wer depressiv ist, tötet sich selbst, nicht andere. Beim erweiterten Suizid ging es, in allen mir bekannten, und von der forensischen Psychologie dokumentierten Fällen, um Machtausübung oder die Angst vor Machtverlust. Der Artikel bietet einen guten Einstieg ins Thema:

          https://blendle.com/i/stern-crime/es-war-ein-haus-voller-liebe-und-wurde-doch-ein-haus-des-todes/bnl-sterncrimede-20160402-152710_es_war_ein_haus_voller_liebe_und_wurde_doch_ein_haus_des_todes/r/sh-tw?medium=twitter&campaign=social-share&source=blendle&sharer=eyJ2ZXJzaW9uIjoiMSIsInVpZCI6Im1lbGFlY2tlbmZlbHMiLCJpdGVtX2lkIjoiYm5sLXN0ZXJuY3JpbWVkZS0yMDE2MDQwMi0xNTI3MTBfZXNfd2FyX2Vpbl9oYXVzX3ZvbGxlcl9saWViZV91bmRfd3VyZGVfZG9jaF9laW5faGF1c19kZXNfdG9kZXMifQ%3D%3D

          Ebenfalls empfehle ich die Materialien der ASAN zum Thema Infantizit. http://autisticadvocacy.org/projects/community/mourning/anti-filicide/

    3. Als Mutter von vier autistischen Kindern, die ich nicht bei einem Elternverband organisiert bin und mich auch in keinster Weise durch Autismus Deutschland vertreten fühle, habe ich mal einige Frage:

      Wo bringen Aktivisten Dich persönlich zum schweigen?
      Was hindert Dich daran, selber über Autismus zu schreiben?
      Warum (be)schreibst Du nicht, wie sich Autismus bei Dir auswirkt?

      Der Großteil der Eltern autistischer Kinder ist meines Erachtens übrigens nicht in Elternverbänden organisiert. Wo repräsentieren dann die Elternverbände das ganze Spektrum?

      Wie oft wird autistischen Kindern eine adäquate Bildung und Berufswahl verweigert, nur weil z.B. Autismus Deutschland immer noch nur Klischees transportiert und die Vielfalt der Stimmen von AutistInnen einfach übergeht?

      Antworten hierzu würden mich sehr freuen.

    4. „Diese Gruppe wird aber von den „Aktivisten“ völlig ausgeblendet.“
      Empfindest du das so?
      Ich nicht.

      „Autismus kann sehr wohl eine schwere Krankheit sein.“
      Nein. Da Autismus nicht als Krankheit definiert ist, kann er weder eine schwere noch eine leichte noch sonst eine Krankheit sein.
      Er kann sehr verschieden nach außen treten. Und das betonen die meisten Aktivisten, die ich kenne, inkl. elodiyla, auch immer.
      Er ist aber als Spektrum nicht linear einteilbar und eben auch keine Krankheit.

      „MH und Co.“
      Zähle ich dazu?
      Den Artikel gegen ABA habe ich mitverfasst. Ansonsten habe ich da jetzt wenig persönliche Nähe zu MH, aber vielleicht zu und Co.?
      Ich stehe jedenfalls dazu, ABA komplett abzulehnen. Und das gut begründet. Für alle Autisten. Denn damit stehe ich auch für die ein, die du als „schwer krank“ bezeichnest. Denn auch jenen steht Menschenwürde uneingeschränkt zu.

      „Aber die Aktivisten bringen auch Stimmen wie meine konsequent zum Schweigen.“
      Ich kenne dich nicht. Sollte ich dich je aktiv gehindert haben, irgendetwas beizutragen, sag mir bitte, wo.

    5. Hallo Silke,
      ich bin MH und ich frage mich ganz ehrlich, was ich dir getan habe. Dass mit autistischen Menschen, die sich in der Öffentlichkeit äußern, mehr als schlecht umgegangen wird, wissen wir bereits. Ich bin nicht die erste und werde nicht die letzte sein, die das erlebt. Aber deine angeführten Punkte wundern mich schon sehr. Ich versuche, in einer sehr kurzen Form darauf einzugehen.

      Es gibt kein Co. zu mir, ich bin Autorin und schreibe Texte, ganz ohne den Anspruch, jemanden zu repräsentieren oder zum Schweigen zu bringen. Die Personen, mit denen ich aktivistische Arbeit versucht habe, legen großen Wert darauf, dies ohne mich zu tun. Selbst die Autorin dieses Artikels. Das haben sie dir bereits mitgeteilt.

      Autismus ist für mich tatsächlich keine schwere Krankheit, denn Autismus ist keine Erkrankung – es ist eine Behinderung. Und mit diesem Behinderungsbegriff arbeite ich in meinen Texten. Das passt vielen nicht, anderen wiederum sehr.

      Dass ich Teile des Spektrums „ausblende“, wie es ein anderer Kommentierender schrieb, finde ich tatsächlich auch amüsant, verbringe ich doch eine nicht unerhebliche Zeit damit, mich genau mit diesen Menschen und ihren Bedürfnissen zu beschäftigen.

      Ich finde es schade, dass du so über Menschen denkst, die sich öffentlich äußern, aber ich weiß auch, dass du nicht hier bist, um deine Meinung zu ändern.

      Alles Gute dir
      Marlies

  2. Eine womöglich zynische und unzulässige Verkürzung wäre:

    ABA befürworten, aber gleichzeitig das Dressieren von Tieren im Zirkus (und im eingeschränkten Maß im Zoo) als Tierquälerei verurteilen.

    Es würde so sehr ins Bild passen…

  3. „Die Aktivisten vertreten mich nicht“ Wie oft höre ich das und immer sagt es mehr über den Aussprechenden aus, als über Aktivisten oder Aktivismus allgemein.
    Der Sinn von Aktivismus ist, die eigenen Rechte und Interessen zu vertreten.
    Niemand _muss_ die eigenen Rechte und Interessen vertreten, dann ist er auch kein Aktivist. Aber beschweren, was die Aktivisten tun, darüber darf er sich auch nicht. Denn die vertreten nun mal die Welt und den Umgang, den sie sich selbst wünschen. Wer eine andere Welt und anderen Umgang will, muss selbst aktiv werden.

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