Und dann war alles weg, in Kisten verschwunden (Teil 5)

[Dieser Beitrag ist eine Fortsetzung. Bitte lest zunächst die vorherigen Teile, sonst werden euch hier einige Informationen fehlen. Teil 1, Teil 2, Teil 3, Teil 4]

Eigentlich hatte an mir gesagt, ich könnte schon Mal die Computer (ja, Plural!) wieder aufbauen. Aber so ganz sicher war ich mir dabei nun nicht. Die Gardinen mussten ja auch noch aufgehangen werden. Da würden fest installierte Computerbildschirme sicherlich nur stören. Und das Notebook hatte seinen festen Platz (stationären) genau neben der Gardine. Nicht gut.

Beim Frühstück zahlten sich die gefüllten Pizzabrötchen vom Vortag aus, die jetzt einfach Mal mein Frühstück wurden. Ich hatte noch die Lebensmittel aus dem Kühlschrank auf dem Balkon stehen, aber kein Besteck und nichts. Sprich, ich hatte wohl wieder einen ganzen Tag ohne ordentliche Mahlzeiten vor mir. Und mit Getränken wurde es auch so langsam schwierig.

Ich wartete dann bis Mittag, bis die Umzugsleute wieder kamen. Erste Anweisung an mich „Hinsetzten!“. Und so blieb ich auch immer in irgendwelchen Ecken, wo ich nicht im Weg herum stand und tauchte nur bei Fragen in anderen Ecken auf. Als irgendwann sechs Männer gleichzeitig durch meine Wohnung wuselten, verzog ich mich dann auf den Balkon. Die Küchenstühle standen dort dankenswerter Weise eh herum. Nur eine Frage blieb; Wohin mit den 60 Kartons? In die Wohnung konnten die alle nicht, sonst würde ich mich kaum noch bewegen können. Und so landeten sie überwiegend auf meinem Vorschlag hin im Keller. Das Fahrrad wurde komplett zugestellt. Nur Kartons mit Küchenutensilien kamen nach oben. Naja … vermeidliche Küchenutensilien. Ich fand dann auch Kartons mit Dingen aus dem Badezimmer und andere Sachen.

Als die Umzugsleute fast fertig waren, bekam ich dann von @fischkind und @kaulquake Hilfe aus der Umgebung. Wieder ein Beispiel dafür, wie toll Twitter manchmal funktioniert. Als die Umzugsleute weg waren, gingen wir dann zuerst ein paar aller nötigsten Dinge einkaufen. Und freuten uns wohl alle darüber, wie ruhig es dort war. Obwohl wir übermorgen Heiligabend haben würden. Die ulkigste Szene gab es dann wohl, als wir zu dritt vor dem Putzmittelregal standen und erforschten, wieso es jetzt zwei Essigreiniger von Frosch gab. Einen für 1,49, einen für 1,99 (mittlerweile glaube ich, der günstigere war ein Restbestand). Dann ging es zurück in die Wohnung zum … Putzen! Wir wischten erst einmal zu dritt die gesamte (inzwischen aufgebaute) Küche durch, und dann … nun ja, dann begann mein Körper wieder zu streiken. Mir wurde wieder schlecht, sodass ich maximal wenige Minuten aufrecht stehen konnte und verzog mich daher ins Bett. Was zum Glück vollkommen in Ordnung war. Immerhin musste ich den Stress schon seit Montag durchstehen. Mittlerweile war Freitag. Später am Abend kam dann noch @Sherdocfiz vorbei und holte etwas Wäsche ab. Ich kam mir etwas gemein vor, ihr die Wäsche aus dem Bad und somit die am stärksten stinkende aufs Auge zu drücken. Doch das sollte sich später noch auszahlen, da diese Wäsche bunt gemischt war. Eigentlich wollte sie am nächsten Tag auch noch zum Helfen vorbei kommen, doch da ich dann mit noch stärkerer Übelkeit und vollkommen erschöpft im Bett lag, brachen wir die Aktion ab. Sie ging dann aber noch dankenswerter Weise für mich Einkaufen, sodass ich sogar das übliche Weihnachtsessen für Heiligabend hatte. Fertiggericht, aber in der Situation war mir das einerlei. Ich war einfach nur zufrieden, dass meine Grundbedürfnisse (Essen, Trinken, Schlafen, Toilette) endlich wieder erfüllt waren und ich mich auch endlich wieder vollkommen einigeln konnte. Keine Menschen mehr, wenn ich das nicht wollte. Dass ich dann am Samstagmorgen noch feststellte, dass die Mobilfunkverbund trotz Drosselung stark genug war, dass ich ohne Probleme Netflix auf dem Notebook sehen konnte, war dann noch das I-Tüpfelchen. Nach 5 Tagen extremen Dauerstress konnte ich wenigstens versuchen, mich über die Feiertage etwas zu erholen.

Denn trotz allem lag noch eine ganze Menge Arbeit vor mir. Gut 60 Kisten wollten ausgepackt und der Inhalt eingeräumt werden. Zig Formalien waren zu klären. Nach Weihnachten würde ich einige Pakete retten müssen, die schon seit Tagen in PaketShops herum lagen. Und noch fast alles war verschwunden. Ich riss allerdings selbst Witze, dass es unter anderem auch zwei Weihnachtsgeschenke von Oma betraf. Das hätte ja eher etwas von Ostern als von Weihnachten.

Und eines stand für mich nun endgültig fest. Auch wenn ich die Option hatte, nach der Sanierung in die alte Wohnung zurück zu kehren. Noch so einen Umzug würde ich mir freiwillig nicht antun. Also werde ich hier bleiben. Es gibt weniger Parteien im Haus, und insgesamt ist es hier einfach nochmal deutlich ruhiger als in der alten Wohnung. Ich fühle mich auf dem Balkon sehr viel weniger beobachtet, und insgesamt habe ich hier kaum Nachteile im Vergleich zu alten Wohnung.

Doch auch heute, fast drei Wochen nach dem Brand, lebe ich inmitten von Chaos in Improvisationen. Ich schätze, dass es noch wenigstens zwei Wochen dauert, bis meine Wohnung wieder „normal“ aussieht und alles wieder da ist.

Das schlimmste an der Geschichte bleibt, dass ich in der Zeit eigentlich Ruhe haben und mich von der Belastung des letzten Jahres erholen wollte. Wie ich das jetzt noch schaffen soll, wird sich wohl erst in den nächsten Tagen und Wochen zeigen. Es bleibt mir noch ein einziges Zeitfenster im Studium für Urlaub. Und ich hoffe, dass wenigstens das existent bleibt …

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