Archiv für den Monat: Dezember 2017

Und dann war alles weg, Teil 3

[Dieser Beitrag ist eine Fortsetzung. Bitte lest zunächst die ersten beiden Teile, sonst werden euch hier einige Informationen fehlen. Teil 1, Teil 2]

Und wieder kein Schlaf. Zumindest wachte ich wieder einmal Stunden vor dem Wecker auf und konnte nicht mehr einschlafen. So war ich aber auch pünktlich zum Frühstück um 6 Uhr schon unten.

Moment. Wo war denn nun das Frühstück? Es gab zwar einen großen Bildschirm, der als Hinweisschild fungierte. Aber weiter stand da nichts. Letztendlich fragte ich einen Mitarbeiter, der mir auch freundlicher Weise half. Im Hotel wusste man durchaus, dass man ein paar Gäste von einem Hausbrand hatte. Und es hilft, das als Vorwand benutzen zu können, weshalb man neben der Leitung steht. Die Leute verstehen das definitiv besser als „Autismus“. Die nächste Verwirrung ließ aber nicht lange auf sich warten. Wieso kontrollierte niemand das Buffet? Und wie verhielt man sich da nun richtig? Egal. Als ich wieder für mich war, bediente ich mich ordentlich. Immerhin wusste ich nicht, wie viel ich den Rest des Tages über wieder Essen würde.

Und ab wieder zurück zur Vermietung. Die neue Wohnung war soweit in Ordnung. Nur musste die dort vorhandene Küche noch raus, das Klo zu Seite. Sonst würde meine Waschmaschine nicht passen. Zudem bekam ich die Zusage, dass man mir noch neue Steckdosen legen würde, sollte ich zusätzliche brauchen. Wir vereinbarten dann einen neuen Termin zur Wohnungsübergabe und Vertragsunterzeichnung. Nächster Tag, 11 Uhr.

Dann begann ich zu laufen. Zuerst zum Institut, meine Krankschreibung abgeben. Dann meinen Multimediavertrag abändern, was mich noch 50€ kosten wird. Darüber ärgere ich mich noch immer. Ich hatte einen Nachweis darüber, dass der Umzug nicht freiwillig erfolgt, und dennoch kassieren die einen ab? Na danke auch. Dann noch eine kurze Runde durch den Drogeriemarkt. Mitten im Laden erhielt ich dann den Anruf, dass der Termin für den Umzug feststand; Morgen, 9 Uhr. Folglich entfiel der Termin für die Wohnungsübergabe, ich sollte aber kurz vorher für die Schlüssel vorbei kommen.

Was also nun? Ich beendete schnell meinen Einkauf (bei dem ich wegen des Anrufs den Tee vergaß) und fuhr zurück ins Hotel, in dem ich noch eine Nacht bleiben durfte. Dort verständigte ich dann zwei meiner Kommilitonen, die zum Glück beide am nächsten Tag Zeit hatten. Und schlief erst Mal eine ganze Weile. Den Rest des Abends blieb ich dann auch auf meinem Zimmer. Der Umzug am nächsten Tag würde mich genug Nerven kosten, zerstörte man doch endgültig meinen letzten Rückzugsraum. Noch dazu der Kontakt mit zig unbekannten Menschen, die meine Wohnung sehen würden, ohne dass ich das irgendwie vorbereiten konnte. Und ich war aufgrund ständiger Erschöpfung schon seit einiger Zeit im Haushalt nachlässig gewesen. Aber ich bin ja nur eine Autistin. Wen kümmerte es schon, dass mich das alles überforderte? Dass ich den Anruf des Elektrikers eigentlich gar nicht hätte entgegen nehmen können?

Wie gesagt, ich bin ja nur Autistin. Und damit genauso wie jeder andere … nicht!

Und dann war alles weg, Teil 2

[Dieser Beitrag ist eine Fortsetzung. Bitte lest zunächst den ersten Teil, sonst werden euch hier einige Informationen fehlen]

Nächster Morgen.

Manch einer würde es wohl als soziale Unsitte bezeichnen, wenn man mit dem Gastgeber per Handy kommuniziert. Wenn man aber Autist ist und noch nie in einer Wohnung war, geschweige denn darauf vorbereitet, kann das wirklich eine große Hilfe sein. So saß ich dann auch relativ entspannt mit am Küchentisch. Ohne das Handy zur Kommunikation zu nutzen 😉 Obwohl ich immer noch nicht wusste, was nun mit meiner Wohnung war. Und vielleicht gerade Mal 3 Stunden Schlaf eindeutig zu wenig waren. Unter 7 wird es normalerweise schon schwierig. Aber ich hatte einen Plan. Zuerst zur Hausärztin, mich krank schreiben lassen, dann zurück zur Wohnung bzw. zur Vermietung. Irgendwer würde mich doch wohl schon sagen können, was nun los war!

Meine Hausärztin war dann einmal mehr geschockt. Wer meinen Blog länger verfolgt weiß ja auch, dass dieses Jahr für mich wirklich nicht ohne war. Und jetzt auch noch ein Hausbrand. Ich bekam die Arbeitsunfähigkeitsbescheinigung ohne Diskussion und fuhr dann weiter zu meiner Wohnung. Würde ich dort niemanden finden, konnte ich noch immer rüber zur Vermietung laufen. Die saßen glücklicher Weise nur wenige Straßen weiter.

Doch ich wurde schon vor dem Haus fündig. Dort stand die Polizei, die sich gerade mit der Vermietung kurzschloss. Ich klopfte schließlich am Polizeiauto und wurde darum gebeten, mich erst einmal hinten hinein zu setzen. Dort seien schon weitere Mieter und man bemühe sich darum zu arrangieren, dass wir kurz in unsere Wohnungen könnten. Die Kripo käme allerdings erst am nächsten Tag. Damit wusste ich auch direkt, dass ich an diesem Tag nicht in meine Wohnung würde zurück können.

Die anderen Mieter kannte ich dann zufällig auch flüchtig. Es war ein älteres Ehepaar aus dem dritten Stock, das ich häufiger grüßte. Während wir alle warteten, redeten wir miteinander und mit dem Polizeibeamten im Wagen. Zwischendurch stellte ich dann noch fest, dass mein Handy sich ins WLAN eingewählt hatte. Der Router in meiner Wohnung funktionierte also noch! Ich hatte zwar kein Internet, aber es war doch ein erster Hinweis darauf, dass meine Wohnung noch in Ordnung sein müsste, befand sich der Router doch relativ nahe am Fenster.

Schließlich hieß es, wir könnten jetzt kurz rein, Sachen holen. Natürlich nur unter Begleitung. Im Treppenhaus stank es furchtbar. Alle Wände waren pechschwarz vor Ruß. Oben im Flur, in dem meine Wohnung lag, ging es aber. Ich bekam nur einen Schreck, als ich die aufgebrochene Tür sah. Das war aber die Feuerwehr gewesen. Die Wohnung war quasi in dem Zustand, in dem ich sie am Tag zuvor verlassen hatte. Von schwarzen Fußspuren in demontierten Rauchmeldern einmal abgesehen. Aber ich sah auch keinen Ruß in meiner Wohnung, vom ruinierten Balkon einmal abgesehen. Und natürlich roch alles furchtbar. Trotzdem packte ich mir schnell einige Sachen zusammen und verließ die Wohnung wieder. Wenigstens ein paar Wechselklamotten hatte ich jetzt. Man schickte mich dann weiter zur Vermietung, wo man mir ein Zimmer im Hotel reservierte. Ich drehte noch eine schnelle Runde durch den Edeka, um mir etwas zu Essen zu besorgen. Das Zimmer verlassen wollte ich an diesem Tag nicht mehr. Dann ging es ab zum Hotel und aufs Zimmer.

Und wieder konnte ich nicht schlafen. Plötzlich klingelte das Handy. Die Vermietung war dran. Mit einer absoluten Hiobsbotschaft. Man sei jetzt nochmal durch die Wohnungen, nur hätten sich bei meiner die Giftstoffe den Schacht hoch gedrückt. Ich würde nicht zurück können. Mehr noch, die Wohnung müsste saniert werden und ich somit umziehen. Ob ich denn nochmal vorbei kommen könnte, damit man über mögliche neue Wohnungen sprechen könnte. Eigentlich wollte ich ja nicht mehr raus, aber unter diesen Umständen fuhr ich schnell nochmal zurück zur Vermietung. Dort hatte man auch gleich eine vom Schnitt her gleiche Wohnung für mich, im selben Stadtteil. Nur besichtigen konnte ich die an diesem Tag nicht mehr. Es war kein Licht in der Wohnung. Wir machten also einen Termin für den nächsten Morgen. Zudem sei man schon in Kontakt mit einer Umzugsfirma. Von deren Termin würde es abhängen, wann ich tatsächlich in die neue Wohnung kommen würde.

Zurück im Hotel begegnete ich im Foyer wieder dem alten Ehepaar aus der dritten Etage. Sie wussten mittlerweile, dass sie am nächsten Tag wieder in ihre Wohnung zurück können würden. Nur ich leider nicht. Ich ging zurück auf mein Zimmer und musste erst Mal meine Gedanken sortieren. Ein Umzug. Jetzt. Ohne Vorbereitung. Ohne finanzielle Reserven. Ohne jegliche Hilfe. Ich fühlte mich wieder Mal allein gelassen. Vollkommen überfordert von der Situation, und wieder ohne Hilfe. Zwar hatte ich bei der Vermietung wieder klar und deutlich gesagt, dass ich Autistin bin. Doch es war wieder keiner auf die Idee gekommen, dass ich deshalb vielleicht etwas mehr Hilfe brauchen könnte als andere. Obwohl meine Gedanken immer wieder abrissen.

Ich stand im Regen (RW) und wusste nicht, wie ich ins Trockene kommen sollte. Vorsichtig fragte ich bei einigen Bekannten nach, ob sie mir würden helfen können. Doch ich wusste ja keinen Termin. Würde ich überhaupt irgendeine Hilfe haben, wenn es akut werden würde? Und wieso musste ich meine Hilfe wieder vollkommen allein organisieren?

Fortsetzung folgt …

Und dann war alles weg, Teil 1

Warnung; Das hier ist der erste Beitrag von mehreren, in denen ich meine Erfahrungen mit einem Hausbrand vergangene Woche aufarbeiten werde. Dementsprechend werden sich hier auch einige Details finden, die vielleicht nicht jeder nervlich vertragen kann. Solltet ihr also auf derartiges empfindsam reagieren, lest diesen Beitrag besser nicht! Denn hier geht es vor allem um den Brand selbst.

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