Und eigentlich sollen sie einem helfen …

Auch wenn der Vorfall schon ein paar Tage her ist, ich bin immer noch sauer.

Seit Februar befinde ich mich in Behandlung bei der Psychiatrischen Institutsambulanz der hiesigen Uniklinik. Wo man mich erst einmal auf Antidepressiva gesetzt hat. Ich war damit nur einverstanden, weil es eine Übergangslösung sein sollte, bis ich eine Psychotherapie machen kann. Entsprechend landete ich auch direkt auf einer Warteliste. Und die Antidepressiva schienen auch zunächst zu wirken.

Doch seit Februar ist nichts weiter passiert. Alle paar Wochen hatte ich einen Termin bei der Psychiaterin, mit der ich mich nie gut verstand. Immer hörte ich versteckte Vorwürfe, weshalb ich ausgerechnet in dieser Institusambulanz sei. Sie seien hier keine Experten für Autismus, ich sollte doch da hin. Nur, hier in Halle gibt es keine Autismusspezialisten. Ganz abgesehen davon, dass ich beim ersten Termin explizit gesagt hatte, dass ich aufgrund meiner Verdachtsdiagnosen da wäre. Zwanghafte Persönlichkeitsstörung, Angststörung, depressive Störung.  Wo seit Februar nie genauer drauf geschaut wurde.

Ich stehe auch seit Februar unverändert auf der Warteliste. Während es mir aufgrund der zunehmenden psychischen Belastung (Studium, drei Krebsfälle, davon zwei unheilbar, plus ein Fall von Multipler Sklerose in der Familie) immer schlechter geht. Wenn ich dann aber ausgerechnet zum Termin einen Komplettausfall habe und nicht vor die Tür kann, bin ich unzuverlässig und sollte am besten direkt stationär. Wäre eine heulende und schreiende Erwachsende in der Öffentlichkeit etwa besser? Für mich ist es bei einem nahenden Overload IMMER besser, zu Hause zu bleiben. Und in dem das zu erkennen und entsprechend zu handeln, bin ich mittlerweile ziemlich zuverlässig.

Meine Psychiaterin verließ dann auch im August die Ambulanz. Den regulär letzten Termin musste ich wegen der Geschichte mit meiner Gallenblase absagen.

Seitdem; Immer nur noch warten. Beim Ersatztermin geriet ich Mal wieder in einen Overload. Übrigens schon bei einem vorhergehenden Termin. Ich hatte keine Wahl, als mich in der Uni zu verstecken und so schnell wie möglich nach Hause zu kommen. Den nächsten Termin gab es dann auch erst wieder in 6 Wochen. Auch wenn sich mein Zustand immer weiter verschlechtere, man könnte nichts machen.

Ich weiß ehrlich nicht, was in der PIA zur Zeit los ist. Aber geheuer ist mich das ganze nicht.

Letzte Woche nun brauchte ich ein neues Rezept für meine Antidepressiva. Mein Bruder rief an und erhielt die Aussage, dass wenn ich nicht um 8 Uhr morgens antanzen würde, das Rezept am nächsten Tag fertig sei. Also bin ich gegen Mittag dort hin. Das Rezept war nicht fertig. Ich hätte ja vorher Mal anrufen können (nein, telefonieren kann ich immer noch nicht!). Bei welchem Arzt sei ich denn nun, ich hätte doch bestimmt nochmal einen Termin gehabt? Dass ich den erst im November hatte, hinterfragte dann auch keiner genauer. Also legten sie das Rezept nochmal ins Fach und sagten mir, ich sollte doch nochmal anrufen, damit ich nicht umsonst in die Stadt fahre. Wann das Rezept aber fertig sei, konnten sie mir nicht sagen.

Zu dem Zeitpunkt hatte ich noch für genau eine Woche Medikamente.

Mal abgesehen davon, dass für mich so unklare Situationen als Autistin extrem Nervenaufreibend sind. Wie kann es sein, dass es bei einem Patienten derart unklar bleibt, ob er seine Medikamente weiter nehmen kann? Zumal dieses Medikament als Nebenwirkung hat, dass es ABHÄNGIG machen kann. Kalt absetzten birgt das Risiko von Entzugserscheinungen.

Einen Tag später war das Medikament dann tatsächlich fertig. Doch dann kam das nächste Problem. Ich hatte mir einen Splitter in den Fuß gelaufen und konnte deshalb nur noch schwerlich gehen. Plötzlich war das Medikament also außer Reichweite. Freunde hätten das Rezept nur mit einer schriftlichen Einverständniserklärung holen können. Zu viel Aufwand, wo ich sie eigentlich nicht zusätzlich unnötig belasten will.

Der rettende Einfall kam dann von meinem Vater; Rezept per Fax an die Apotheke senden. Da gab es dann erst mal einen Fehler, sodass die Apotheke nur ein leeres Rezept bekam, aber irgendwann am Nachmittag war das Rezept dann endlich da. Nur ich durch das ganze Hin- und her wieder zu fertig, um überhaupt vor die Tür zu gehen.

Deshalb fiel mir der Fehler auch erst einen Tag später auf; Das Rezept war falsch ausgestellt worden. Statt 75mg und 37,5mg Kapseln (!), fanden sich nur die 75mg Kapseln auf dem Rezept. Ich schloss mich darauf hin mit meinem Bruder kurz, damit er nochmal in der PIA anruft um darum zu bitten, ein neues Rezept auszustellen und das ebenfalls per Fax an die Apotheke zu schicken. Meinen Fuß ging es zwar zu dem Zeitpunkt wieder besser, aber ich hatte für diese Woche einen extrem straffen Zeitplan, den ich nicht umhauen durfte.

Was darauf folgte, darüber kann man eigentlich nur den Kopf schütteln. Was am Vortag noch ohne Probleme ging, verursachte auf einmal ein riesiges Problem. Da wurde mehrmals „per Fax“ einfach überhört und dann mein Bruder belehrt, er sollte nicht in Stichworten sprechen (was er schlicht nicht tut!), dann lag ich angeblich stationär und sie seien doch gar nicht zuständig, und an sich schicken sie ja gar nicht raus und wenn, dann nur, wenn die Apotheke vorher einen frankierten Rückumschlag sendet (wie gesagt, es ging um ein FAX!). Letztendlich wäre mein Bruder am Telefon beinahe explodiert, weil er sich bei den ganzen Fehlannahmen in diesem Gespräch schlicht verarscht vorkam. Und wusste, dass es um die Medikamente seiner großen Schwester ging, der es zur Zeit gar nicht gut geht.

Letztendlich lenkten sie dann noch ein und ich hatte über eine Woche später ENDLICH meine Medikamente. Inklusive 3 Tage Ausfall aufgrund des vollkommen unnötigen Stresses.

Im November habe ich einen Termin bei einer Psychologin außerhalb der PIA. Wenn das gut läuft, werde ich darüber versuchen, so schnell wie möglich aus der Behandlung bei der PIA raus zu kommen. Denn gut aufgehoben fühle ich mich da nicht. Vor allem nicht nach dieser Geschichte …

Ich dachte eigentlich, ich würde dort Hilfe bekommen. Nur merke ich davon leider bis heute nur sehr, sehr wenig.

2 Gedanken zu „Und eigentlich sollen sie einem helfen …

  1. Dass sie das mit dem Rezept nicht so einfach hinbekommen haben ist schon eine Schande. Und jeder der dort in Behandlung ist, hätte so ein Hin und Her und so eine Inkompetenz fertig gemacht. Nicht nur dich! Es kann ja nicht angehen, dass sie es mit einem einfachen Rezept nicht hinbekommen und einen bald ne Woche damit stressen.

    Naja wenn du mit der Psychologin klar kommst und aus der PIA raus willst,musst du dir einen niedergelassenen Psychiater suchen, damit dir jemand weiter die Medis verschreiben kann. Weil du wirst sie trotz Therapie sicher noch eine Weile nehmen müssen.Oder wäre dein Hausarzt bereit dir die Medis zu verschreiben? Oder ggf doch mal überlegen nach Neustadt in die PIA zu wechseln? Könnte da, je nach Termin auch mit kommen.Vielleicht würdest du da besser klar kommen?
    Ansonsten drück ich dir die Daumen, dass du die Hilfe bekommst, die du braucht

  2. Diese PIA klingt echt unangenehm. 🙁

    Ich weiß nicht, ob das für dich infrage kommt, aber ich bin mit meinem Psychiater in Leipzig sehr zufrieden. Er hat mir Kommunikation per E-Mail angeboten & ist zwar nicht auf Autismus spezialisiert, aber engagiert & für mich sehr angenehm in der Kommunikation.

    Wegen Entzugserscheinungen & Dosierung: Wenn der Wirkstoff mit V anfängt, nehmen wir wahrscheinlich das gleiche.
    Zumindest bei mir lassen sich die 75mg-Kapseln öffnen & die Hälfte des Inhalts (kleine Tabletten) herausnehmen.
    Falls du nochmal Probleme mit dem Rezept haben solltest & die Medikamente knapp werden, könnte ich dir aushelfen. Das plötzliche Absetzen ist nämlich wirklich unangenehm. Ich kann dann vor Schwindel & Übelkeit nicht arbeiten.

    Liebe Grüße & Anti-Stress & Kekse
    Svö

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