Sei nicht so empfindsam!

Oder auch; Behinderung schützt vor Behindertenfeindlichkeit nicht.

Wie fotobus schon schrieb, fand sich auf Twitter neulich folgender Tweet

Auf mehrfache Rückfrage von fotobus, was das denn bedeuten sollte, kam schließlich folgende arrogant wirkende Antwort

Ja, so kann man das natürlich auch sehen. Wie gesagt, kann man. Aber zeugt das nicht von einer gewissen Ignoranz? Damit könnte man auch jede Beleidigung rechtfertigen. Frei nach dem bekannten Motto „das wird man ja wohl noch sagen dürfen“.
An dieser Stelle schaltete ich mich dann ebenfalls ein.

Was ich damit sagen wollte; Wenn man weiß, dass eine bestimmte Gruppe durch eine Äußerung mit schlecht dargestellt wird, obwohl man eigentlich seinen Missmut gegenüber etwas anderem ausdrücken will, sollte man seine Aussage nochmal überdenken. Einfach Mal darüber nachdenken, wie man sich ausdrückt. Viel kann dadurch schon vermieden werden. Und das hat nichts mit einer Überempfindlichkeit zu tun.

 

Also das sehe ich Mal ganz klar anders. Er hat mit der Begriffsverwendung im Ausgangstweet den Begriff autistisch willkührlich benutzt und damit eine Verletzung von Autisten … provoziert. Wenn nicht sogar willentlich in Kauf genommen. Aber so schlimm möchte ich von Menschen eigentlich gar nicht Mal denken. Tja, wie begegnet man am besten solchen Leuten? Ich versuchte es mit weiterer Nachfrage.

Das ist übrigens etwas, was häufiger passiert. Nicht-Betroffene geben vor, wie Betroffene eine Aussage aufzufassen haben. Ob sie durch sie verletzt werden sollen, oder nicht. Wie der Betroffene tatsächlich empfindet, ist irrelevant.

So auch in diesem Fall

 

Tja. An dieser Stelle des Gesprächs wurde ich dann einfach Mal blockiert. War wohl zu nervig mit meinen Nachfragen. Aus dem Strang mit fotobus erfahrt man noch zwei sehr interessante Dinge

Ein Schwerbehinderter, der anderen also vorgibt, sie sollen nicht so empfindsam sein.

Ich weiß nicht, was diesen Herrn bewegt hat so zu denken und sich anderen gegenüber derart arrogant zu verhalten. Schon seltsam, dass jemand, der laut eigener Aussage Wert auf gute Umgangsformen liegt, es nicht einsieht, dass er etwas gesagt hat, was nicht in Ordnung war. Ich kann nur mutmaßen, dass man ihm selbst ständig vorgeworfen hat, nicht so empfindsam zu sein, was seine Behinderung angeht. Er hat es irgendwann leider verinnerlicht, und verlangt genau das jetzt von allen anderen. So jedenfalls meine traurige Vermutung.

Jedenfalls leider ein gutes Beispiel dafür, dass auch Behinderte anderen eventuell nicht zuhören und sich genauso daneben benehmen, wie so mancher Nicht-Behinderter auch.

Wir sind halt alle Menschen.


Wieso es hier in letzter Zeit seltsam still ist, erzähle ich sobald es geht!

Ein Gedanke zu „Sei nicht so empfindsam!

  1. Es ist schade, daß die zuerst gestellte Frage „Was genau meinen Sie mit ‚autistisch‘?“ nicht beantwortet wurde, und daß da auch kein Nachhaken erfolgte. Ohne eine Erklärung, was mit einer Formulierung überhaupt gemeint war, ist doch jegliche Diskussion darüber sinnlos. Wie soll man den Vorwurf, ein bestimmtes Wort auf die Goldwaage zu legen, umgehen, wenn bereits die grundsätzliche Bedeutung des Wortes gar nicht geklärt ist?

    Denke ich zu mathematisch? Aber ohne klare Definition der Voraussetzungen kann ich doch keinerlei Schlußfolgerungen ziehen, keine Aussagen treffen, keine Beweise führen.

    Ich finde es furchtbar, wenn Menschen irgendetwas sagen, und dann sogar auf ausdrückliche Nachfrage nicht erklären können (oder wollen?), was sie damit meinen. Das lässt mich immer völlig ratlos zurück, und es verhindert auch jegliche Reflektion oder Diskussion.

    Eigentlich denke ich, daß Sprache so funktioniert, daß die Menschen irgendeine Vorstellung haben über die Bedeutung der Wörter und Sätze, die sie gebrauchen. Tatsächlich aber scheint das nicht bei allen Menschen so zu sein. Es scheint so zu sein, daß es Menschen gibt, die einfach irgendetwas sagen, ohne jegliche Bedeutung. Wie funktioniert das? Wie können diese Menschen so überhaupt kommunizieren? Es ist mir ein Rätsel.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht.