Eine Zugfahrt, die ist lustig …

… und das ganz besonders, wenn man den eigenen Koffer nicht tragen darf!

Normalerweise fahre ich tatsächlich ganz gerne Zug. So lange keine großen Saufgruppen mit im Wagen sind und ich auch nicht eingequetscht wie eine Sardine in der Dose zwischen den Leuten stehen muss. Ich bin auch in gewisser Weise schon relativ früh darauf trainiert worden, mit dem Zug zu fahren. Als Scheidungskind fuhr ich, seitdem ich 12 war, zusammen mit meinem kleinen Bruder jedes zweite Wochenende nach Köln. Später dann nach Bonn. Klar, wer da eigentlich die Aufsicht über wen hatte (denn auch wenn ich mich sozial schwer tat, war ich die vernünftigere). Und ehrlich, Regionalbahnen sind schon eine Spur härter als Fernverkehrszüge. Öfters Mal Sardinensituationen (besonders gerne Sonntags im Zug von Bonn zurück nach Köln), immer wieder Sprinten am Kölner Hauptbahnhof, um den schnelleren Regionalexpress zu erwischen … jedenfalls konnte ich in dieser Zeit schon einige Strategien entwickeln, was das Fahren mit dem Zug angeht.

Seit dem Studium nun pendle ich öfters zwischen der Region Leipzig und der Region Köln hin und her. Da ich keinen Führerschein besitze, natürlich auch wieder mit dem Zug. Dieses Mal IC über Hannover. Da nehme ich auch gerne eine Stunde mehr im Kauf, wenn ich in Hannover nicht in den ICE auf der Strecke Berlin-Köln steigen muss. Der, wie ich sehr schnell ausmachte, gerne auch mal extrem voll war.

Überhaupt lernte ich das neue System schnell. Fahrkarten wurden von Beginn an online gekauft, später dann auch auf dem Handy. Nachdem ich spitz bekam, dass es im IC zudem kleine Abteile gab, reservierte ich ausschließlich nur noch in diesen (zumindest, bis sie mit dem IC2 abgeschafft wurden …). Sitzplatzreservierungen waren für mich im Fernverkehr von Beginn an ein Muss; Damit ich einen festen Handlungsplan innerhalb des Zuges hatte. Mittlerweile weiß ich auch mit Zugausfällen und verpassten Anschlüssen halbwegs umzugehen; Wobei die App der Deutschen Bahn hier echt eine enorme Hilfe darstellt. Und ich freue mich ehrlich auf die App DB Barrierefreiheit, mit der z.B. Lautsprecheransagen direkt als Text- oder Sprachnachrichten auf dem Handy empfangen werden können. Was für mich, die sich an den Bahnhöfen grundsätzlich mit Musik abschotten muss, extrem hilfreich wäre. Außerdem kenne ich mittlerweile den ein oder anderen Trick, wie man vielleicht noch ein deutlich günstigeres Ticket findet, als man auf dem ersten Blick sieht.

Nun bin ich aber ja neulich operiert worden und durfte deshalb meinen Koffer nicht heben. Die 10kg Traglast, die erlaubt waren, deckte ich schon allein mit dem Rucksack fast vollständig ab (ein schweres Notebook + Proviant, reicht!).

In einem ersten Versuch wendete ich mich also an den Mobilitätsservice. Als ich aber nur eine nicht sehr hilfreiche Standardantwort erhielt, brach ich ziemlich schnell ab. Ich hatte nach der OP einfach keine Kraft, möglicher Weise noch wild zu diskutieren. Eine Frage auf Twitter lieferte auch nur mehrere Hinweise auf den Koffertransportservice. Der aber brauchte zwei Werktage und war damit ebenfalls nicht praktikabel.

Was also nun? Die Unsicherheit bezüglich der Fahrt nach Hause setzte mich mittlerweile enorm unter Stress. Normalerweise war ich gewohnt, auf der Fahrt auf niemanden angewiesen zu sein. Jetzt aber war ich es auf einmal.

Letzten Endes fand sich in Köln privat Hilfe, in Hannover wurde die Bahnhofsmission um Hilfe gebeten und für Halle klügelten meine Mutter und ich einen ausführlichen Plan aus, wie ich mit dem Koffer auch allein zur Wohnung kommen konnte. Sämtliche Freunde und Bekannte waren ausgerechnet für diesen Tag verhindert.

Das ganze funktionierte dann auch soweit ganz gut. Ich schaffte es an einigen Stellen doch sogar Mitreisende anzusprechen, ob sie kurz den Koffer heben könnten. Zumindest bis Hannover. In Hannover waren dann diese Löffel durch uneinsichtige Leute im Ruheabteil und einen Nervenkrimi mit dem Anschlusszug verbraucht (ich habe ihn noch erreicht!) und ich schleppte den Koffer eine halbe Treppe hoch. Fehler! Mein Körper protestierte mit Übelkeit und deutlich stärken Schmerzen als zuvor. Die sich aber auf meinem Sitzplatz zum Glück innerhalb einer Stunde wieder legten. Es war also nur ein kräftiger Warnschuss gewesen.

Zu Hause angekommen schleppte ich mich auch tatsächlich noch zweimal zum Supermarkt nach vorne, um wieder einen Grundstock an frischen Lebensmittelns im Haus zu haben. Dafür gingen dann aber auch die letzten Kraftreserven drauf.

Auch wenn alles mehr oder weniger gut gegangen sein mag. Ehrlich, so eine Zugreise brauche ich nicht nochmal. Und es hat mir einmal mehr verdeutlicht wie froh ich sein kann, normal körperlich halbwegs fitt zu sein und nicht auf fremde Hilfe angewiesen zu sein. Den Zusatzbalast der Ungewissheit, ob man jetzt wirklich von A nach B kommen kann, brauche ich als Autistin definitiv nicht.

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