Autistin stationär – Tag 7 bis 9

Da an den einzelnen Tagen nicht sonderlich viel passierte, werde ich die übrigen Tage in einen einzelnen Blogbeitrag zusammentragen.

Tag 7 verlief ohne größere Zwischenfälle. Ich hatte schon am Morgen wieder Hunger und verließ auch schnell mein Bett. Als die ersten Schwestern kamen, war ich endlich aus der OP-Kleidung raus und endlich angezogen. Außerdem hatten sich die Schmerzen deutlich verringert. Ich kam ab sofort mit den Tabletten aus, die ich dreimal täglich bekam. Das Essen vertrug ich ohne Probleme und die Mitbewohnerin stellte sich als überaus rücksichtsvoll heraus. Sodass ich mir schon blöd vorkam, als meine Tante einmal mehr zu Besuch kam und wir das Zimmer nicht direkt verließen. Nur später ein wenig, damit ich wieder in Bewegung kam. Ingesamt war ich aber noch sehr schlapp und schaffte nur kleine Strecken.

Am Abend dann die erste Irritation. Während am Morgen mein Antidepressivum in der Medikation gefehlt hatte (es war schlicht nicht notiert worden, wie ich später in Erfahrung brachte), erhielt ich nun plötzlich ein Abführmittel. Na gut, wenn sie meinten. Ich bemerkte gegen Abend tatsächlich wieder die Verstopfung von vor der OP. Also nahm ich die Tablette. Ein erster Einwand, dass ich durchaus schon einen Stuhldrang hätte, wurde ignoriert … und ich ging nach einem nicht ganz erfolgreichen Versuch wieder überaus früh schlafen. Meine Bettnachbarin hatte an dem Tag mit ihrer Bewegung übertrieben, sodass wir beide noch vor 9 einfach nur noch schlafen wollten.

Tag 8 begann dann mit … einem noch größeren Stuhldrang. Nach der Erfahrung vom Vortrag aber traute ich mich nicht mehr. Ich versuchte das Problem nochmals anzusprechen, und wurde auf das Frühstück vertröstet. Der Körper kenne ja nicht die Packungsbeilage, weshalb das manchmal einfach länger dauern würde. Schön für die, schlecht für mich. Wie gesagt, der Druck wurde immer größer. Nach dem Frühstück natürlich noch einmal mehr. Ich schrieb meine Tante an. Diese sagte allerdings nur, ich sollte mich auf die Erfahrung der Schwestern verlassen. Einfach gesagt, wenn man vom medizinischen Personal schon mehrfach in Krisen geschleudert wurde. Und so regte mich diese Ansage auch nur noch weiter auf. Ich versuchte zu vermitteln, dass etwas mit mir nicht stimmte. Und erreichte einfach niemanden …

Der folgende Overload war keine große Überraschung mehr. Er löste sich erst dann halbwegs wieder auf, als ich vollkommen verheult mit meiner Mutter telefonierte, die sich gleich darauf auf den Weg machte. Kurz darauf kam auch der Arzt, dem ich die ganze Situation (weshalb ich so verheult war) auch nochmal erklärte. Im Anschluss bekam ich ENDLICH ein Zäpfchen. Dann verschwand ich erst einmal unter der Dusche. Blöderweise genau in dem Moment, als meine Mutter ins Zimmer hinein kam. Egal. Duschen beruhigt die Nerven. Dannach war auch alles halbwegs wieder in Ordnung. Das Zäpfchen tat nach einer Weile seine Wirkung, ich konnte den Druck loswerden, hatte jetzt mein Tablet mit einigen Folgen Star Trek da, und außerdem allein im Zimmer. Bis morgen würde ich das ganze schon noch durchhalten. Denn langsam ging mir der ewige Lärm auf dem Flur auf die Nerven. Ich hörte die Geräusche immer genauer und konnte sie immer schlechter ausblenden …

Meine Hand aber juckte. Irgendwann bat ich darum, die Kanüle doch zu entfernen. Und erlebte eine böse Überraschung. Das Jucken kam nicht von ungefähr. An den Kontaktstellen mit dem Pflaster hatten sich rote Streifen gebildet, die schon erste Bläschen warfen. Meine Pflasterallergie hatte zugeschlagen. Ich bekam auch sofort eine Fenistilsalbe, als ich die roten Streifen ansprach („Ich mag zwar ein Laie sein, aber das sieht mir aus wie eine Allergie!“). Und cremte gleich wie verrückt …

Am Abend erhielt ich dann noch Besuch von einer alten Klassenkameradin aus der Grundschule. Wir liefen uns zufällig schon im Foyer über den Weg. Aber zwei große Frauen finden sich gegenseitig auch schnell 😉 Danach ging ich relativ zügig ins Bett, nachdem ich mir noch einen Verband für die Nacht anlegen ließ. Kratzschutz.

Die folgende Nacht war dann auch die erste, in der ich die Nachtschwester sah. Um vier Uhr morgens wachte ich auf, ging zur Toilette und musste für neu eincremen den Verband abnehmen. Da ich folglich natürlich einen neuen brauchte, ging ich zum Stationsstützpunkt. Während der Pfleger mich kommen sah, erschreckte die Schwester sich fürchterlich 😀 Ich erhielt aber ohne weiteres meinen Verband, und ging auch gleich brav zurück ins Bett.

Der nächste Morgen lief erstmals ohne weitere Vorfälle. Aufstehen, Duschen (worüber sich die Schwester mit der ersten Tablette wunderte), Frühstück … und dann kam die Visite. Ich wurde gefragt, ob schon irgendwas zu meiner Entlassung gesagt worden wäre. Ich interpretierte das auf die vorherigen Visiten und verneinte. … plötzlich hieß es, Entlassung am Montag. Obwohl bei der Vorbesprechung von Sonntag gesprochen worden war, wenn ich keine starken Blutungen während der OP hätte. Da ich keine Drainage hatte, war keine starke Blutung aufgetreten und der Sonntag war eigentlich angedacht. Das Chaos im Kopf begann. Wieso entließ man mich nicht planmäßig am dritten Tag nach der OP? Was war mit mir nicht in Ordnung, dass man mich da behielt? Ich fragte wieder beim Stützpunkt nach. Dort wusste man nichts, würde aber den Arzt fragen. Also ging ich zurück auf mein Zimmer und wartete. Und wartete. Schrieb zwischendurch wieder mit Tante und Mutter, die ich beide wieder vorwarnte, dass sich hier gerade erneut ein dickes Problem anbahnte.

Es verging eine Stunde. Zwei Stunden. Ich ging wieder kurz nach vorne um zu fragen, ob man mich nicht vergessen hätte. Plötzlich hieß es, es sei Montag gesagt worden, weil es mir ja gestern so schlecht gegangen wäre. Diese Information aber verstärkte nur das Chaos in meinem Kopf. Meinten die jetzt den Overload? Oder die Probleme mit dem Stuhlgang, die sich doch gestern noch aufgelöst hatten? Und der nächste kündigte sich auch längst wieder an. Ich ging vollkommen irritiert ins Zimmer zurück. Währenddessen wurden die Geräusche auf dem Flur immer unerträglicher. Die Tür bot kaum noch Schutz. Kurz darauf war ich wieder draußen. Jetzt hieß es, die Blutwerte würden entscheiden, ob ich heute gehen darf oder nicht. Was? Wieso denn jetzt wieder eine andere Info? Ich schaffte es nicht mehr, diese ganzen Widersprüche zu verarbeiten. Passierte das jetzt nur, weil ich in einen Overload gerieht? Mein Fluchtinstinkt nahm überhand. Ich rannte förmlich von der Station weg ins Treppenhaus. Um wenigstens erst einmal von all den Geräuschen weg zu kommen …

Aber Geräusche sind das eine. Ein Informationschaos war das andere. Ich ging also kurz darauf wieder zurück zur Station, versuchte zu erklären sie sollten mich am besten einfach da lassen und gab kurz die Karte raus, dass man sich bitte an einen Plan halten und den nicht plötzlich ändern soll. Dann brach wieder die absolute Verzweiflung über mich hinein. Egal, was ich tat. Irgendwann landete ich doch immer wieder im Overload. Schließlich lag ich auf dem Boden und schrie wieder.

… was meine Mutter draußen schon gehört haben musste. Plötzlich stand sie drinnen im Zimmer und versuchte mich ganz langsam zu beruhigen. Draußen hatte sie den Schwestern die aktuelle Situation schon verständlich gemacht. Genauso wie die Tatsache, dass man bei mir im Moment definitiv kein Blut abnehmen könnte. Dafür sei ich im Moment zu aufgeregt. Sobald ich mich wieder beruhigt hätte, würde sie Bescheid geben. In ihrer Anwesenheit beruhigte ich mich auch tatsächlich relativ schnell wieder. Jetzt hörte ich auch endlich, dass es mehrere Kommunikationsfehler gegeben hatte. Die Info von der Entlassung am Sonntag hatte niemand in meine Akte eingetragen. Deshalb hatte der Arzt nicht gewusst, dass ich für Sonntag vorgesehen war … und eines war zum anderen gekommen. Dumm gelaufen. Trotzdem fühlte ich mich wieder einfach nur mies. Doch wenigstens konnte ich jetzt an das Essen (was kurz vor der Schreiphase kam), was vorher noch nur Übelkeit bei mir ausgelöst hatte. Während des Mittagessens kam dann auch die Blutabnahme. Dann hieß es wieder: Warten. Und während ich gerade wieder auf Toilette war (mit erfolgreichem Stuhlgang, wie ich noch laut vermeldete! Also da musste sich nun wirklich keiner mehr Gedanken machen, dass ich da Probleme hätte), kam die erlösende Meldung; Die Blutwerte waren in Ordnung. Ich durfte nach Hause.

Am Nachmittag war ich dann auch tatsächlich noch auf der Geburtstagsfeier meiner Großmutter. Die damit genauso wenig gerechnet hatte wie die Großtante. Aber ich brauchte nach dem ganzen Chaos einfach Mal Ablenkung. Und was soll ich sagen? Ich vertrug sogar das traditionell etwas schwerere Geburtstagsessen. Ich aß nicht so viel wie sonst und schaufelte die Hälfte der zweiten Scheibe Fleisch auf den Teller meiner Mutter. Aber ansonsten war alles in Ordnung.

Vorerst. Da waren ja noch die komischen roten Streifen auf meiner Hand. Zwei zudem im Gesicht, und neue Pflaster am Bauch hatte ich auch gekommen. Die Streifen an der Hand sollten in den nächsten Tagen noch ausarten. Heftiger Blasenwurf, Wundflüssigkeit ohne Ende, von Montag bis einschließlich Mittwoch. Erst am Donnerstag hatte ich halbwegs Ruhe. Am Montag entfernte ich eines der Pflaster vom Bauch, weil es sich einfach immer wieder löste. Am Dienstag dann den Rest, weil sich an der freien Stellen ebenfalls Pusteln bildeten. In dem nahm ich auch schnellstens das Cortison, was mir am selben Tag noch mein alter Hausarzt vorsichtshalber verschrieben hatte. Doch wegen der Allergie konnte ich mich in der ersten Woche leider kaum erholen. Ich bin noch immer krank geschrieben …

Tatsächlich ist aber auch so eine OP, in der einem ein Organ „geklaut“ wird, kein Spaziergang. Ich bin noch immer deutlich schwächer als normal. Auch wenn viele Dinge besser laufen, als vor der OP. So kann ich schon wieder deutlich mehr essen als vorher. Es war also definitiv richtig und wichtig, dass die Gallenblase raus gekommen ist. Nur komme ich mir deswegen manchmal furchtbar defekt vor. Bislang war mein Körper immer in Ordnung. Jetzt ist er es nicht mehr. Und erst letzte Nacht hatte ich einen Albtraum. In der noch mehr in meinem Körper kaputt ging. Ich noch mehr OPs hinter mich bringen musste … ich hoffe, bis dahin dauert es noch möglichst lange.

Ein Gedanke zu „Autistin stationär – Tag 7 bis 9

  1. In Krankenhäusern geht es immer drunter und drüber was die Planung angeht. Wochenenden sind da am schlimmsten, weil es da keinen festen Zeitplan gibt. Das macht mir hier gerade auch am meisten zu schaffen. Gestern kam die Nachtschwester nicht wie gewohnt, sondern erst viel später. Das irritiert total. Oder wenn etwas zur Visite gesagt wird, dass dann aber anders passiert, als gesagt wird. Gruselig. Teilweise gibt es auch Fehlinformationen. Da ist das Chaos perfekt.

    Aber sie es von der Seite, du hast es überstanden und du hast Erfahrungen gesammelt. Die dir beim nächsten Mal weiter helfen können.

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