Autistin stationär: Tag 2

Und wieder mehr Tamtam, als ich eigentlich wollte… 

Überpünktlich um viertel neun stand ich also wieder auf der Station. Die erste Nachricht war, dass das für mich angedachte Zimmer noch immer nicht frei wäre. Um mich aber nicht endlos stehen zu lassen, wollte man mich wenigstens irgendwo hin setzten. Nach einer Rückfrage, ob ein geschlossener oder offener Raum besser sei, setzte man mit dann in den Patientenaufenthalt. Dort, wo man auch Wasser bekommen konnte. Blöd nur, wenn man die Anweisung hat „Nüchtern bleiben!“. So dachte ich wenigstens.

Ich reagiere leider ziemlich empfindlich darauf, wenn man mir von außen eine Mahlzeit vorenthalten. Und so dauerte es auch nicht lange, bis sich die ersten Kopfschmerzen einstellen. Ich wartete derweil. Machte mir Notizen für den heutigen Blogeintrag. Beobachtete Ärzte, Pfleger und Patienten, die durch die Gänge liefen, und wartete einfach weiter. 

Es passierte nichts. 

Irgendwann ging ich nochmal rüber zu den Schwestern, um ihnen noch einmal meinen Allergiepass vorzulegen. Man sah ja anscheinend noch nicht ein, dass es bei mir nicht ausreicht, antiallergische Pflaster zu verwenden. Leider reagiere ich da noch immer auf viele. Dann aber ging ich einfach wieder zurück zu meinem Platz. 

Irgendwo bemerkte ich einen Hinweis, dass der Gebrauch von Mobiltelefonen im Krankenhaus untersagt sei. Um mögliche Störungen medizinischer Geräte zu vermeiden. Ähm… Wie alt war der Zettel denn? Ich hatte im ganzen Gebäude noch kein entsprechendes Schild gesehen. Und am Vortag hatte mich auch niemand ermahnt. Ich beschloss, den Hinweis einfach zu ignorieren, Ohne meine Musik würde ich hier nicht aushalten (Der OST von Wonder Woman war es heute übrigens ;)) 

Irgendwann viel dann auf dem Flur etwas, das wie mein Name klang. Ehrlich. Nach fast 6 Jahren hier verstehe ich noch immer nicht, wieso kaum jemand meinen Nachnamen richtig ausspricht. Ok, liegt wohl an dem ähnlich geschriebenen Nachnamen, der hier sehr viel verbreiteter ist als in NRW. Aber ich weiß inzwischen, dass unserer einen ganz anderen Ursprung hat. Womit sich auch die andere Aussprache erklärt.

Etwas später bemerkte ich dann Ärzte auf Visite. Ich fragte mich, ob man wohl in einem Zimmer die Patientin vermissen würde. Die saß hier schließlich noch immer mit Gepäck einfach herum. 

Um 9.50 schließlich fragte man mich_endlich_ einige Grundlegende Dinge zu Pflege und Vorerkrankungen ab und Maß einmal mehr Blutdruck und Puls. 110/80… Ich ahnte schon, dass er Mal wieder eine Tendenz nach unten hatte.

Um 11.20 kam dann endlich die Meldung, dass ich um halb eins auf mein Zimmer könnte. Ich wollte zu diesem Zeitpunkt lieber wissen, wann denn diese elendige Untersuchung stattfinden würde, für die ich nüchtern blieb und kaum etwas trank. 

Eine halbe Stunde später fragte ich dann schließlich, was denn nun mit der Untersuchung sei. Ich sah immerhin, wie man schon das Mittagessen verteilte. Frühstück hatte ich keines gehabt. Man sagte mir, man würde nochmal anrufen und schien sich auch zu wundern, dass man mir noch nicht einmal Blut abgenommen hatte. 

Wenigstens kam dann kurz die Schwester mit dem Essen auf mich zu und teilte mir mit, dass sie mein Essen für mich aufbewahrt. Ah ja. Es gab also durchaus eine Portion für mich. 

Um 12.15 beschloss ich nicht mehr darauf zu achten, was jetzt mit dem Trinken war oder nicht. Mir ging es mittlerweile zu schlecht. Nur so viel schaffte ich nicht mehr,, bis endlich die Ärztin zur Blutabnahme kam. Während sie aber mit der Nadel in meinem Arm herumstocherte (bei mir funktioniert wohl leider wirklich nur die Armbeuge), würde mir immer schwindeliger. Als ich das mitteilte, hob man auch gleich meine Füße hoch und holte das Bett aus meinem Zimmer. Mir ging es derweil nicht besser. Mein Gehör machte einen Abgang. Irritiert davon, ob das jetzt mit dem Kreislauf zusammen hing oder ein seltsam geartete Overload war, ignorierte ich es und versuchte selbst zum Bett zu kommen. 

Im nächsten Moment glaubte ich eigentlich zu Hause zu sein und blickte sechs Ärztinnen und Schwestern auf dem Boden liegenden entgegen. Eine von ihnen hielt meine Füße hoch. Wenn ich eben geträumt hatte, wo war ich gerade bitte? Wieso sah die Decke so komisch aus, und wieso ist hier medizinisches Personal? Ich bräuchte einen Moment um mich wieder ins hier und jetzt zu schieben. Zum Glück war ich wohl aber nur ein paar Sekunden weg gewesen, wie ich auf Nachfrage erfuhr. Und ins Bett schaffte ich es kurz darauf tatsächlich selbst. Komisch fühlte ich mich allerdings noch immer. Man schloss mich an gleich zwei Infusionen mit Kochsalzlösung an und kontrollierte Puls und Blutdruck. 106 zu irgendwas… Im Liegen war ich definitiv stabil. Das Pulskontrollgerät schlug jedoch andauernd Fehlalarme, sodass es schon kurz darauf wieder abgebaut wurde. Mir ging es ja offensichtlich doch ganz gut. Machte auch Späße (als man mich ins Zimmer schob und es dabei Probleme gab: „Ich mach hier mal nichts. „)  Und meine Ohnmacht war mit dem fehlenden Wasser und Essen recht gut erklärbar. 

Seitdem bin ich auf einem wunderbar ruhigen_EInzelzimmer_ am Ende der Station. Die eigentlich für heute geplante Untersuchung wurde wegen meiner Ohnmacht auf morgen verschoben. Die aktuellen Blutwerte sind nach wie vor absolut in Ordnung, es besteht kein Grund jetzt irgendwas zu übereilen. Kurz nachdem ich im Zimmer war, bekam ich auch etwas zu Essen. Kartoffeln, Blumenkohl, eine Platte Frikadelle in dunkler Bratensoße, dazu eine Schokocreme. Echt lecker, dafür dass das Krankenhausessen so verrufen ist. Ich dachte nur, ich sollte vorläufig auf Schon Kosten bleiben? 

Den Nachmittag verbrachte ich dann hauptsächlich im Liegen. Mein Kreislauf ist noch immer ein wenig angemachscht. Aber wenigstens habe ich die Aufklärungsbögen für morgen schon fertig. Aber je mehr ich trinke, desto besser geht es mir auch wieder. Ich muss noch nur eine Sache wegen eines Medikaments fragen, das ich in 1,5 Stunden wieder einsetzen muss. Dann verbringe ich wohl meine erste Nacht im Krankenhaus… 

Morgen folgt dann die erste Narkose innerhalb meines Erfahrungszeitraunmes (ich hatte als Säugling schon Mal eine, aber glaubt ihr, ich weiß das noch?). Für die Magenspiegelung und einige andere ähnliche Untersuchungen werde ich schlafen geschickt. Was sicherlich besser ist, da ansonsten bestimmt während der Untersuchung eine extreme Panikattacke bekäme. Meine instinktiv Selbstverteidigung ist nun Mal wirklich nicht ohne (schon Augentropfen waren immer ein einziger Aufstand bei mir). 

Fortsetzung folgt. 

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