Autistin stationär: Tag 1

Und eigentlich wollte ich gar nicht so ein Tamtam machen …

Der ein oder andere erinnert sich sicherlich noch an meinen katastrophalen Ausflug in die Notaufnahme vor genau 4 Wochen. Was soll ich sagen? Seit Montag sind die Symptome wieder da. Ironischer Weise wenige Stunden nachdem ich meiner Hausärztin davon berichtet habe. Nachdem ich auch Dienstag den ganzen Tag Schmerzen hatte und sie am Mittwochmorgen immer noch da waren, ging ich wieder zur Hausärztin. Die machte einen Ultraschall.

„Sie haben hier Gallenkoliken. Ich muss sie ins Krankenhaus einweisen.“

Badums. Eigentlich bin ich aktuell im Praktikum. Aber wenn die Hausärztin direkt sagt; Krankenhaus? Und wenn sie mir auch deutlich macht, dass ich für den heutigen Tag nicht mit einer Entlassung rechnen kann? Ich besprach dann noch schnell mit ihr, in welches Krankenhaus ich am besten gehe. Vor allem nach den schlechten Erfahrungen in der Uniklinik. Damit viel die Wahl auf ein anderes Krankenhaus der Stadt, welches für mich mit dem Bus innerhalb von 15 Minuten zu erreichen ist. Ohne Umsteigen, wohl gemerkt. Ich bekam also einen Einweisungsschein und die Bilder vom Ultraschall, auf dem die Gallensteine zu sehen waren. Außerdem schrieb sie mein Asperger-Syndrom noch explizit mit auf den Einweisungsschein.

Also fuhr ich erst Mal nach Hause und packte in aller Ruhe meine Sachen. Akut in Lebensgefahr war ich ja nicht. Zwischendurch kam noch die Überlegung auf, dass ich nach NRW ins Krankenhaus sollte. Das lehnte ich ab. In meinem Zustand sei ich nicht so reise fähig. Somit stand ich um halb 2 im Krankenhaus in der Notaufnahme.

Der Vorteil an einer Einweisung; Es wird gar nicht erst diskutiert, dass man ein Notfall ist. Immerhin kommt man ja von einem anderem Arzt, der das schon bewertet hat. Man nahm mir also sofort Blut ab (nachdem man beim dritten Versuch endlich eine Vene fand), EKG, Blutdruck, Urinprobe. Alles wie beim letzten Mal. Nur dieses Mal in einem kleinem Untersuchungsraum, ohne weitere Betten, mit geschlossener Tür. Dann wurde ich darum gebeten, im Wartebereich wieder Platz zu nehmen. Da ich meine Tasche noch hatte, konnte ich auch dort ruhig Musik hören und mich von der Umwelt gut abschirmen.

Eigentlich rechnete ich damit, jetzt wieder Stunden zu warten. Aber es ist wohl höchstens eine viertel Stunde vergangen, bis ich wieder aufgerufen wurde. Der Notfallarzt nahm meinen Fall noch einmal genauer auf und kontrollierte noch Mal meine Galle. Er ordnete einen weiteren Ultraschall an und teilte mir mit, dass je nach Ergebnis eventuell noch die Internisten herangezogen werden, ansonsten aber direkt die Chirurgen. Bei Beschwerden wie den meinen würde man sagen; Entfernung der Gallenblase innerhalb von 48 Stunden. Ihm sagte ich dann auch nochmal sehr deutlich, dass ich zwar körperlich generell gesund bin, aber psychisch aufgrund meines Autismus schwierig.

Zum Ultraschall ging es dann auch ziemlich schnell. Man drückte ziemlich an meinem Bauch herum (die Hausärztin war da feinfühliger!), kam aber zum selben Ergebnis wie sie; Die Galle ist gefüllt mit lauter kleinen Steinen. Aber was mit dem Gang zum 12-Finger-Darm ist, konnten auch sie nicht feststellen. Deshalb; stationäre Aufnahme, morgen Kontrolle. Dasselbe besprach dann auch noch der Notarzt noch einmal mit mir und meinte optimistisch, dass ich eventuell schon wieder am Wochenende zu Hause sein könnte. Ohne Gallenblase.

Man besorgte mir also ein Zimmer. Weil ich mich auf dem Weg zum Ultraschall heillos verirrt hatte, lies ich mich dieses Mal abholen. Man brachte mich auf Station, und eine Schwester zeigte mir ein Zimmer. Ich muss sagen, bisher waren wirklich alle sehr nett zu mir gewesen. Doch auf dem Zimmer setzte mein Fluchtinstinkt mit aller härte ein; Mein Bett stand direkt neben dem der Mitpatienten. Einer betagten Dame, die ich nicht richtig einschätzen konnte. Keine Rückzugsmöglichkeit für mich. Wenn ich doch schon so explizit angab, dass ich psychisch schwierig sei, wieso sprach man dann nicht mit mir und fragte mich erst Mal, ob das überhaupt für mich geht? Kommunikation, Leute! Und die nicht immer nur vom Patienten einfordern. Vor allem, wenn er die entscheidende Information von Beginn an betont hat.

Ich ging dann erst einmal ins Treppenhaus, um mit den Nerven runter zu kommen. Stationär, unausweichliche OP. Vor der OP habe ich schlicht Angst. Es wäre die erste, die ich hätte. Der Gedanke, dass da Männer und Frauen an meinem Körper herum schnippeln, während ich bewusstlos bin … dass ein Teil meines Körpers anschließend für immer weg sein wird … ich war einfach fertig. Noch dazu die fehlende Möglichkeit, mich zurück zu ziehen.

Ich schlug bei meiner Mutter Alarm. Und was dann passierte zeigt, dass es scheinbar doch die richtige Entscheidung war, in dieses Krankenhaus zu gehen.

Die Schwestern auf Station beschwerten sich darüber, dass die Information zu meinem Asperger-Syndrom nicht gekommen sei. Da hätte man doch nach einem Einzelzimmer gucken müssen!?! Hörte ich dann und sah dann schnell eine Schwester laufen. Ähm … seit wann ist denn das Asperger-Syndrom ein gültiger Grund für ein Einzelzimmer? Die Schwester kam dann nach einer Weile zurück und schlug mir folgendes vor; Wenn es Ihnen gut genug geht, gehen Sie erst einmal bis morgen nach Hause und kommen dann zur Untersuchung wieder. Und dann gucken wir nochmal nach einem schönen Zimmer für Sie.

Was soll ich sagen? Ich bin jetzt bis morgen früh tatsächlich wieder zu Hause. Die Schwestern wissen nochmal explizit Bescheid. Und bis morgen kann ich hier nochmal einiges vorbereiten.

Morgen geht es dann wohl tatsächlich endgültig stationär.

Fortsetzung folgt.

9 Gedanken zu „Autistin stationär: Tag 1

  1. Alles Gute dir! Wenigstens sind die Bauchschmerzen nach diesem ganzen Stress (hoffentlich) weg. Soweit ich gehört habe, gehören Gallensteinschmerzen mit zu den schlimmsten Schmerzen, die man haben kann. :/
    Liebe Grüße aus Leipzig

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