Gymnasium: Und doch ein Inklusions-Ansatz

Trotz all den Schwierigkeiten, die ich am Gymnasium hatte, muss ich eine Sache hervorheben; Die Art und Weise, in der eine Gruppe von Schülerinnen eingebunden wurde.

Dazu kam es aufgrund einer Initiative meiner damaligen Therapeutin. Ich benannte schon damals das Problem, dass ich mit einigen meiner Lehrern nicht klar käme. Vorne Weg der Lehrer meines Mathe-LKs. Nicht nur, dass diese Lehrer insbesondere meine Probleme nicht verstanden. Ich konnte diese noch nicht einmal verständlich machen. Schon allein das argumentieren, wieso ich ausgerechnet jetzt nicht mehr fähig wäre dem unterricht zu folgen und nach Hause müsste, fiel mir unendlich schwer. Deshalb zog meine Therapeutin ein Konzept heran, dass normalerweise bei Mobbingopfern genutzt werden würde; Es sollte eine Unterstützergruppe aus Mitschülern gebildet werden, die genau dann die Kommunikation mit den Lehrern übernehmen sollten. Natürlich würden diese dann über meine Diagnose aufgeklärt werden.

Die Auswahl dieser Schüler überließ man größtenteils mir selbst. Sonderlich schwer fiel sie mir glücklicherweise nicht. Einige Schülerinnen konnten mehrere Kurse zugleich übernehmen. Zudem gab es diverse ehemalige Mitschülerinnen meines damaligen Freundes, die sich bislang immer sehr verständnisvoll gezeigt hatten. Nur beim besagten Mathe-LK war ich mir nicht sicher.

Es wurde dann ein Treffen mit den von mir genannten Schülerinnen und der Oberstufenkoordinatorin organisiert. Bei diesem Treffen wurden die Schülerinnen vor allem über das Anliegen aufgeklärt und erfuhren auch spätestens zu diesem Zeitpunkt von meiner Diagnose. Es war für sie keine Frage, ob sie helfen wollten. So ziemlich jede hatte meine Verzweiflung schon mehr als einmal direkt mitbekommen und half bereitwillig. Auch für den Mathe-LK fand sich dann mit ihrer Hilfe schnell eine Schülerin. Zwar hatte ich auch hier noch selbst eine benannt, doch wurde die Eignung dieser aufgrund ihrer ruppigen Art von den anderen Schülerinnen in Zweifel gezogen und von ihnen eine andere ausgewählt. Mit dieser hatte ich bislang noch nicht so viel zu tun gehabt, war aber einverstanden.

Natürlich löste dieses Prinzip nicht alle Probleme, und schon gar nicht augenblicklich. Die Renovierungsarbeiten dauerten fort. Genauso wenig konnte jemand etwas gegen den immensen Lerndruck ausrichten. Doch das Wissen, nicht mehr mit eingeschränkter Denkfähigkeit noch mit den Lehrern argumentieren zu müssen, half mir trotzdem zumindest etwas weiter. Zudem war ich erstmals halbwegs sicher sozial integriert. Etwas, das bei der Realschule so nie der Fall gewesen war. Nachmittags blieb ich zwar allein, aber ich brauchte diese Zeit auch schlicht zur Erholung vom Schulalltag.

Und wo sie nur konnte, half mir die Oberstufenkoordinatorin heimlich im Hintergrund. Als meine Englischlehrerin zur 12.2 hin in Mutterschutz ging, landete ich „glücklicher Weise“ im Englischkurs meiner Philosophielehrerin. Eine der Lehrerinnen, mit der ich auch so gut klar kam. Bei ihr musste ich nicht großartig argumentieren, wenn ich in Englisch noch saß, mich dann aber für Philosophie entschuldigte. Auch hätte ich den Sportkurs wechseln dürfen, wenn der Kurs meiner Englischlehrerin denn noch existiert hätte. Das hätte meinen sportlichen Schwerpunkt von Schwimmen auf Tanzen verlagert. Und kurz vor den Abiprüfungen fragte sie mich noch, wo ich denn im Prüfungsraum am liebsten sitzen würde. Siehe da, mein zugewiesener Platz war dann auch in etwa genau da.

Mir ist also nicht jede Hilfe grundsätzlich versagt worden. Aber insgesamt blieb doch ein Gefühl der Feindsehligkeit innerhalb der Schule … und ich war froh, als ich dort endlich weg kam. Und von echter Inklusion war diese Unterstützung natürlich auch weit entfernt …

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