Hose, Pulli, T-Shirt, Rock …

und dann noch all die Farben!

Die Tage stand ich einmal mehr in einer Ecke meiner Wohnung und wusste nicht weiter. Weil 30°C angekündigt waren, wollte ich ein relativ neues Oberteil anziehen. Meine Mutter hatte mir es spontan geschenkt. Es war ein bordeauxrotes, ganz leicht durchsichtiges und locker sitzendes T-Shirt. An heißen Tagen einfach ideal, weil jeder Luftzug an die Haut kommt. Aber was sollte ich dazu anziehen? Die schwarze dreiviertel-Hose schien mir ungeeignet. Zu warm. Und so stand ich da und rätselte, ob ich die grüne oder braune Hose anziehen sollte, oder es doch wagen sollte einen blauen oder cappuchinofarbenen (oder war es irgendein anderes Lebensmittel? … hellbraun halt) knielangen Rock anzuziehen. Nur, dass die Haut knapp unter meinen Knien Mal wieder furchtbar gereizt und pickelig war …

Letztendlich wurde es die braune Hose.

Solche Probleme habe ich übrigens regelmäßig. Ich habe kein gutes Gefühl dafür, verschiedene Kleidungsstücke miteinander zu kombinieren. Farben geht schon ein klein wenig besser, aber nur auf Bildern. Da spielt immerhin auch nur mein Farbempfinden eine Rolle, nicht das der anderen. Einen eigenen Kleidungsstil habe ich tatsächlich auch erst in den letzten Jahren entwickelt. Vorher habe ich einfach alles wild aus dem Schrank gegriffen. Die Entscheidung viel rein nach dem Wetterbericht. In der Folge kamen aber teils merkwürdige Kombinationen zu Stande. Und was bei Männern nebensächlich scheint, fällt bei einer jungen Frau nur umso stärker auf … Als Kind wurde ich auch oftmals aufgrund meiner Kleidung gemobbt.

Irgendwann bin ich dazu übergegangen, mit für meine Kleidungsstücke feste Kombinationen zu überlegen. Solche, wie ich sie ähnlich auch im Alltag sehe oder nach Regeln, wie ich sie mir im Internet aneignete. Farbe immer mit „Nichtfarbe“. Verschiedene Farben kombiniere ich so gut wie gar nicht. Dazu gibt es nie lange Ärmel mit kurzen Beinen, weil mir das widersprüchlich vorkommt. Muster gibt es bei mir so gut wie nicht und hat es auch immer kaum gegeben. Fast alles in meinem Schrank ist einfarbig. Maximal ein leichter Farbverlauf in der Wolle einiger handgestrickter Pullover. Aufwendige Schnitte ebenso wenig. Überhaupt trage ich lieber „einfache“ Sachen. Die sind leichter zu kombinieren.

Als Kind war ich auch sehr empfindlich, was Stoffe anging. Alltagskleidung war mir meist zu starr, kratzig und deshalb einfach unangenehm. Wenn man mich gelassen hätte, wäre ich den ganzen Tag lang im Schlafanzug herumgelaufen. Der war schön weich und bequem. Im Laufe der Jahre hat sich das aber irgendwie verloren …

Accessoires existieren wiederum gar nicht. Schmuck habe ich nie leiden können. Ich hasse das Gefühl von kaltem Metall auf der Haut. Teilweise ekel ich mich sogar vor feingliedrigem Metall. Dasselbe gilt übrigens für die ganz kleinen Pfenning bzw. inzwischen Centmünzen. Deshalb sind für mich auch schon Metallverschlüsse unangenehm. Haarklammern machen mich rasend, weil ich sie ständig am Kopf wahrnehme. Eine Zeit lang trug ich welche, hatte mich nach einiger Zeit dran gewöhnt. Aber nach einer längeren Pause ist das Problem mittlerweile genauso wieder da. Einzige Ausnahme ist ein aus glatten Fäden gehäkelter Armreif, der aber auch eher dem Stimming als irgendetwas anderem dient (und eigentlich wollte ein Freund mir noch welche häkeln?). Neuerdings auch zwei dünne Loop-Schals, die mir meine Mutter gestrickt hat. Sehr hilfreich beim Gefühl, der Ausschnitt könnte doch etwas zu tief sein 😉

Und kommt mir bloß nicht mit Schuhen! Die sind überwiegend schwarz. Einmal grau, einmal beige, einmal blau. Aber was da noch alles gesagt wird, was mit was geht, da verzweifle ich doppelt und dreifach dran. Das beginnt schon schlicht damit, dass ich mit Schuhgröße 46 (!!!) gestraft bin. Welche Schuhverkäufer denkt schon ernsthaft daran, dass Frau so große Füße haben kann? Entsprechend lief ich auch über Jahre nur in Turnschuhen herum, bis ich es eines Tages absolut leid war. Mittlerweile trage ich am liebsten Stiefletten (also Stiefel mit kurzen Schaft) mit 5cm Absatz. Hätte man mir das vor ein paar Jahren erzählt, hätte ich wahrscheinlich lauthals mit „Niemals nie!“ protestiert. Aber eine Knochenfehlstellung im Fuß, wegen der ich eigentlich Einlagen tragen müsste* und mittelfristig auf flachen Schuhen immer Schmerzen verursacht, lässt sich damit ganz gut im Zaum halten. Und bei Schuhen gibt es auch wieder so unzählige „Regeln“, welchen Schuhe man jetzt mit welchem Rock oder welcher Hose kombinieren dürfte. Nur will und kann ich mir mit den Voraussetzungen da wirklich nicht auch noch einen Kopf machen.

Wirke ich halt etwas eigenwillig, was meinen Kleidungsstil angeht …

 

 

* Bitte nicht nachmachen. Ich bekomme nur einfach keinen Kontakt zum Orthopäden, deshalb nach wie vor diese Übergangslösung …

Kleine Info: Das wird vorerst der letzte Mittwoch-Beitrag sein. Zwei Beiträge pro Woche sind auf Dauer schlicht zu viel ^^‘ Ich habe ja auch noch ein Studium, was beendet werden will, also seid mir bitte nicht böse 🙂

 

2 Gedanken zu „Hose, Pulli, T-Shirt, Rock …

  1. Hej Elodiyla,
    ich kenne die Problematik.

    Sehr gerne trage ich deswegen „Ton in Ton“. Beispielsweise mag ich blau zu grau in unterschiedlichen Farbabstufungen. Auch bei anderen Farben versuche ich genau wie Du eine auffälligere Farbe mit einer unauffälligeren Farbe zu kombinieren, was aus meiner Sicht ganz gut klappt und schön aussieht.

    Früher hab ich ja auch eher getragen, was gerade in Reichweite war und sich gut auf meiner Haut anfühlte (wobei der letzte Punkt auch heute noch stimmen muss). Meine Kleidung darf auch nicht zu eng sein, aber auch nicht zu weit (weil zu weit in der Gesellschaft scheinbar wieder auffällig ist). Enganliegend funktioniert bei mir aber kaum, weil es mir Atemnot bereitet und ich dann den ganzen Tag an nichts anderes mehr denken kann.

    Schmuck habe ich die letzten Jahre keinen getragen, erst jetzt im Sommer ziehe ab und zu eine lange Kette oder ein lockeres Armband an. Zuhause ist es aber jedes Mal eine Erleichterung, wenn ich den Schmuck wieder beiseite legen darf. Als wäre er halt doch irgendwie eine „Last“.

    Sogar bei Schuhen geht es mir ähnlich: Ich trage im Winter ausschließlich Boots (ohne Absatz). Im Sommer trage ich seit vier oder fünf Jahren das gleiche Paar an Schuhen (zum Glück finde ich es jedes Jahr wieder in meinem Schuhgeschäft).

    Liebe Grüße,
    Sarinijha

    1. Hi Sanrinijha 🙂

      Danke für den Kommentar!

      Bei den Schuhen hatte ich früher dasselbe 🙂 Wenn ich Mal ein paar hatte, dann wurde das durch getragen! Da habe ich mich, wie gesagt/geschrieben, wegen Schmerzen im Fuß gezwungener Maßen umstellen müssen. Laufe ich etwa zwei Wochen mit demselben Schuh herum, kommen die wieder und ich muss das Paar und die Absatzhöhe wechseln, damit die wieder weg gehen. Also von flach auf hoch, von hoch auf flach …

      Eng anliegend ist bei mir genau gegenteilig, weil das eher sogar einen beruhigenden Effekt hat. Sieht man Mal wieder, wie unterschiedlich Autisten doch sein können 😉

      (Und wo du jetzt „Liebe Grüße“ schreibt, fällt mir direkt was für einen weiteren Beitrag ein ^^‘)

      Viele Grüße
      ElodiyLa

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