Kommunikationskreise

Mit der Kommunikation ist das bei mir so eine Sache. Als Autistin bekomme ich die meisten unterschwelligen Botschaften nicht mit. Gestik, Mimik, Tonfall; Das alles ist bei mir nur mit reichlich Übung zu interpretieren, und dann auch nur bei der betreffenden Person. Aber selbst bei meiner Mutter passieren mir da noch schnell Fehler. Selbst bei ihr muss ich oft nachfragen, was dies oder jenes zu bedeuten hat. Bis ich das tatsächlich tat, hat es ebenfalls Jahre gedauert.

Folglich kann ich mich einzig und allein auf Worte verlassen.

Deshalb kommuniziere ich am liebsten schriftlich. Im Chat oder per E-Mail. Aber selbst da gibt es Einschränkungen.

Je nachdem, wie gut es mir geht, kann ich nur mit bestimmten Personen kommunizieren. Wenn ich super drauf bin, gibt es keinerlei Einschränkungen. Ich schreibe einfach mit allen. Unbekannten, kaum Bekannten, ich gehe vielleicht sogar bewusst in Konflikte rein.

Wenn ich aber nun nicht super drauf bin, beginnt sich dieser Kreis zu reduzieren. Ich gehe dann definitiv nicht mehr in Konflikte. Nachrichten an Unbekannte und kaum Bekannte müssen gegengelesen werden, sonst versende ich sie nicht. Mit besser bekannten Menschen kommuniziere ich aber weiterhin uneingeschränkt.

Je schlechter es mir aber geht, desto weiter reduziert sich dieser Kreis. Im extremsten Fall sind es nur noch drei bis vier Personen, mit denen ich überhaupt noch sprechen kann und die entsprechend dann auch für mich mit anderen Personen sprechen müssen. Das sind dann zumeist Personen, zu denen ich ein sehr starkes Vertrauensverhältnis habe. Am letzten Punkt kann ich dann mit niemanden mehr sprechen. Ich könnte zwar, aber es ist zu anstrengend geworden.

An sich gelten diese Regeln genauso in der verbalen Kommunikation (vorausgesetzt, ich verliere nicht vorrübergehend die Fähigkeit überhaupt zu sprechen). Nur lassen sie sie sich dort weniger leicht umsetzen. Im schriftlichen Bereich entscheide ich schließlich selbst, wann ich antworte. Im verbalen wird aber meistens sofort eine Antwort verlangt. Und schon alleine zu sagen „Ich will jetzt nicht sprechen“ wird von manchen nicht akzeptiert oder in der Situation, wie zum Beispiel eine Besprechung, nicht umsetzbar. Es ist generell für andere sehr schwierig zu verstehen, was in mir dann vorgeht. Dabei ist es schlicht so, dass ich meine immer vorhandenen Probleme dann einfach nicht mehr überspielen kann. Es ist zu anstrengend.

Das ist natürlich nur ein Beispiel von vielen, wo ein wenig mehr Verständnis sehr hilfreich wäre. Wenn man die fehlende Kommunikation nicht sofort als Unhöflichkeit auffasst, sondern als das was es ist; Eine akute Überforderung.

 

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