Unerwartet unkomplizierte Hilfe

Letzte Woche muss ich einen Kompass für hilfsbereite Menschen gehabt haben. Anders kann ich es nicht erklären, dass ich hier heute wieder von einer guten Begebenheit erzählen kann.

Passiert ist das ganze schon am vergangenen Samstag. Ich hatte meinen Anschlusszug verpasst (Gruß an den entgleisten ICE in Dortmund!) und saß somit für mehr als 1,5 Stunden am Hauptbahnhof fest. Das Bahnhofsgebäude voller Menschen, garniert mit dem ein oder anderem Junggesellenabschied. An einem anderen Hauptbahnhof hätte ich mich schlicht in die dortige Buchhandlung und dort in die zweite Etage verdrückt, wo netter Weise auch die Manga zu finden sind. Doch in diesem kannte ich mich nicht aus. Ich wusste nicht, wo man hier einen stillen Bereich finden konnte. Abgesehen natürlich von der Toilette.

Also, was tun? Ich hatte beim Gang zum Infopoint schon eine kleine Schreiattacke bekommen, weil man mich in der Reihenfolge bestimmt fünfmal übergangen hatte (ich stand als einzige brav in der Schlange!). Ein Overload war nicht mehr weit entfernt. Noch einmal in der Notaufnahme landen wollte ich nicht. Dieses Mal wären alle Verwandten definitiv zu weit entfernt gewesen, um mich am selben Abend wieder raus zu holen.

Eine Idee hatte ich aber. Die Bahnhofsmission. Ich hatte mich zu Hause schon informiert, wo diese zu finden ist. Also ging ich da nun hin, nachdem ich einen Stempel auf meinem Ticket und eine neue Sitzplatzreservierung für den nächsten Zug hatte. Mein „Herumlungern“ vor der Tür wurde da schon nach wenigen Minuten bemerkt. So ein Schild „Bitte klingeln“ ist zwar hilfreich, aber so eine Klingel an der Tür ist dann auch schnell eine Barriere (Macht jemand direkt die Tür auf, oder muss ich jetzt erstmal was sagen? Und was, wenn ich wieder nichts verstehe?). Ich begrüßte den jungen Mann an der „Anmeldung“ gewohnt höflich und fragte, ob man hier ein stilles Plätzchen für mich hätte. Zu meiner enormen Überraschung reichte die Schilderung, dass ich für 1,5 Stunden festsaß und den Bahnhofslärm nicht ertragen könnte, vollkommen aus. Nach weiteren Gründen wurde gar nicht gefragt. Ich durfte mich dann in eine Art Gebetsraum setzen, wo ich die Tür nach vorne auch hätte zumachen können. War dann aber gar nicht notwendig. Ich versorgte eine frische Blase am Fuß, wechselte das verschwitzte T-Shirt und saß ansonsten nur still herum. Irgendwann später, kurz bevor mein Zug den Bahnhof erreichen würde, verließ ich den Raum. Um nichts zu vergessen wollte ich lieber was mehr Zeit haben. Ich warf etwas in die Spendenbox und schrieb dann noch einen kleinen Dankesbrief, den ich beim Abschied an der „Anmeldung“ hinterließ. Darin habe ich dann doch noch meine Diagnose verraten. Es erschien mir einfach fair deutlich zu machen, wie sehr man mir mit dieser „Kleinigkeit“ geholfen hatte.

Mein „neuer“ Anschlusszug stand dann auch pünktlich gut 20 Minuten vor der Abfahrt am Bahnsteig. Und ich stieg überraschend erholt ein.

Ich würde mir wirklich wünschen, wenn derart unkomplizierte Hilfe auch anderen zugute kommen könnte 🙂 Und das keinesfalls beschränkt auf eine bestimmte Organisation! Manchmal sind es halt wirklich nur Kleinigkeiten, die enorm viel bewirken können.

 

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