Mich stellt doch niemand ein … oder?

Inzwischen weiß ich nicht mehr, wann ich angefangen habe das zu glauben. In der Realschule gab ich mir irgendwann mit meinen Noten reichlich Mühe, um meine nicht vorhandenen „Soft-Skills“ auszugleichen. Die Lehrer hatten uns erzählt, dass diese mindestens genauso wichtig wären wie unsere Noten, wenn wir uns für eine Stelle bewerben wollten. Aber Soft-Skills besaß ich kaum. Dass ich einen Beruf mit viel Kundenkontakt besser nicht ergreifen sollte, hatte sich im Praktikum mehr als deutlich gezeigt. Teamarbeit? Fehlanzeige. Flexibilität? Nur an guten Tagen und beschränkt. Diese Aufzählung lässt sich bestimmt beliebig fortsetzen …

Immer wieder schob ich das Thema beiseite. Ich wollte von der Realschule aufs Gymnasium wechseln. Ausbildungsplatz suchen; unnötig. Dasselbe galt wieder nach dem Abitur und dem Abschluss des Bachlors.

Im Master stand mein Studium dann plötzlich kurz vor dem Abbruch. Obwohl ich alle Prüfungen mit unglaublichen Noten bestanden hatte. Das Bafög-Amt ließ sich mit der Bewilligung meines Antrages enorm viel Zeit. Es fehlten noch Unterlagen für einen zugehörigen Antrag. Aber niemand wusste, wo diese Unterlagen herzubekommen waren. Und somit stand ich vollkommen ohne Einkommen da. Eine Bewerbung auf ein Stipendium war ohne Erfolg geblieben.

Verzweifelt überlegte ich, was ich tun könnte. Irgendwie musste ich an Geld kommen. Um wenigstens etwas länger studieren zu können. Von einem guten Freund wusste ich schon, dass man in unserem Studienfach besser mit einem Master abschließt. Die meisten für Studenten typischen Nebenjobs waren für mich aber nicht machbar. Zumal ich die meiste Zeit für mein Studium benötige (und ich mache noch nicht einmal die Anzahl an Modulen, die für ein Semester vorgesehen ist).

Irgendwann beschloss ich, einfach ins kalte Wasser zu springen. Zu verlieren hatte ich kaum noch etwas. Ein Professor hatte gegen Ende des vorherigen Semesters den Begriff „HiWi“ (wissenschaftliche Hilfskraft) mir gegenüber schon einmal in den Mund genommen. Noch dazu einer derjenigen, die meine Diagnose kennen. Genau diesen Professor schrieb ich mit Unterstützung eines Bekannten an und fragte ihn direkt, ob er nicht eine Stelle für mich hätte.

Er hatte eine. Ehe ich mich versah, lief alles auf eine Anstellung als wissenschaftliche Hilfskraft bei eben jenem Professor hinaus. Es sollte noch ein paar Wochen dauern, aber schließlich unterschrieb ich meinen ersten Arbeitsvertrag. Davor schrie ich mehr als einmal beinahe wie verrückt, weil mir alles viel zu plötzlich kam.

Bislang läuft es sehr gut im Job. Ich bin hoch motiviert, diese Chance zu nutzen und mich zu beweisen. Denn wer weiß, vielleicht ist das meine direkte Fahrkarte zur Promotion. Jedenfalls scheint der Professor aktuell hochzufrieden mit meiner Arbeit. Und so lange der Vertrag läuft, ist mein Studium mehr als abgesichert (das Amt hat sich dann doch noch bewegt). Tatsächlich aber muss ich aufpassen, dass ich es nicht übertreibe und mich überarbeite. Dafür gibt es aber eine feste Stundenanzahl im Monat.

Sobald sich die Gelegenheit ergibt, werde ich nach einem neuen Vertrag fragen (denn natürlich bin ich als HiWi befristet eingestellt) … wünscht mir Glück 🙂

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