Studienassistenz

Trotz all meiner guten Studienleistungen kann ich selbst im Studienalltag nicht alles alleine regeln. Wenigstens nicht, seitdem ich im Master studiere.

Im Bachlor klappte alles noch wunderbar halbwegs allein. Der Stundenplan war vorgegeben. Als ich dann die erste (und einzige) Prüfung versaute und durchfiel, konnte ich mir auch relativ leicht einen alternativen Stundenplan zusammen stellen. Die Informationen waren alle vorhanden. Alle Module, bis auf sechs (später dann durch eine Umstellung der Studienordnung vier), fest vorgegeben. Diese freien „Wahlpflichtmodule“ konnte ich auch relativ gut allein organisieren. Den Behindertenbeauftragten konsultierte ich nur zu Beginn eines jeden Semestern, um mit ihm zusammen Nachrichten bezüglich meiner Nachteilsausgleiche zu formulieren. Ab und an hatten wir diesbezüglich auch ein Gespräch, aber das war die Ausnahme.

Jetzt im Master ist jedoch alles anders. Es ist nur noch genau ein Modul vorgegeben; Die Masterarbeit. Alle anderen Module sind Wahlpflichtfächer. Also hier schon ein höherer organisatorischer Aufwand.

Solange es an meinem Institut bliebe, wäre das für mich ebenfalls kein Problem. Sämtliche Informationen zu den Modulen stehen zur Verfügung und man weiß im wenigstens 7. Hochschulsemester (bei mir war es sogar das 9.) schlicht, wo man diese findet.

Nicht so außerhalb meines Instituts. Insbesondere bei den Biologen. Nicht nur, dass hier die Informationen meistens fehlen. Sämtliche Veranstaltungen dort finden im Block statt. Sechs Wochen am Stück, ohne Zeiträume für andere Aktivitäten. Dumm nur, dass die Informatiker ihre Vorlesungen und zugehörigen Übungen über die gesamte Vorlesungszeit laufen lassen, mit jeweils einem Termin in der Woche. Ich hatte zwei Systeme zu kombinieren, die nicht kombinierbar waren. Zusätzlich dazu, dass außerhalb meines Instituts alles auf Einzelfalllösungen hinaus lief. Schon allein aufgrund meines Studienganges sollte ich jeden einzelnen Dozenten für jedes einzelne Fach zunächst konsultieren, um Informationen einzuholen. Für mich als Autistin? Undenkbar. Zumindest, so lange ich alles allein und ohne Unterstützung würde durchziehen müssen.

Also beantragte ich eine Studienassistenz. Die war dann zum Glück auch schnell gefunden; Eine der schon als Assistenz tätigen Studierenden kannte mich und meine „Eigenheiten“ schon etwas länger. Somit entfiehl netter Weise die „Einarbeitungsphase“ fast vollständig. Weil Fachkräfte für autistische Studierende? Gibt es nicht. „Wir“ (die Selbstvertretung der Studierenden mit chronischen Krankheiten und/oder Behinderungen) haben generell schon mehrfach um das Buget für die Assistenz kämpfen müssen.

Mit der Hilfe dieser Studenassistenz bin ich jetzt auch schon weit gekommen. Alle Module bis auf genau zwei sind in gemeinsamer (!) Arbeit organisiert oder sogar schon abgeschlossen. Beim letzten Modul (dem Master) werde ich wahrscheinlich aufgrund meiner Situation an meinem Institut ganz gut verzichten können (dazu wird es noch einen gesonderten Artikel geben).

Nun darf mein Studienassistenz leider nicht mehr weiter beschäftigt werden. Folglich habe ich ab nächster Woche eine neue. Eine Studentin der Geographie, für die Autisten bislang auch nur schauckelnd in der Ecke saßen. Aber die ersten Kontakte liefen gut, weshalb ich positiv gestimmt bin, dass wir auch noch das letzte Modul zeitnah organisiert bekommen!

Denn wenn einem ein Amt im Nacken sitzt, was die Studienumstände ignoriert, ist das alles andere als förderlich …

 

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