Gruppenarbeit: In English, please

Es hätte alles so gut laufen können. Doch was ich aktuell in einem Modul erlebe ist Mal wieder ein wunderbares Beispiel dafür, wo ein Autist überall gegen „unsichtbare Barrieren“ laufen kann.

Im Kampf um Leistungspunkte im biologischen Bereich (wieso es tatsächlich ein Kampf ist, werde ich wohl später noch schreiben) besuche ich aktuell eine Vorlesung am Institut für Pharmazie. Bei denen gehört die Vorlesung zu einem internationalen Studiengang. Sprich; Alles auf Englisch. Selbst die Prüfung später wird in englischer Sprache gehalten. Zum Glück konnte ich hier direkt zwischen schriftlich und mündlich wählen, da für mich so oder so eine gesonderte Prüfung gestellt werden muss.

An sich bin ich auch nicht gerade faul, was die Organisation des Studiums angeht. Noch Wochen vor dem Semester bemühte ich mich zusammen mit meinem damaligen Studienassistenten um einen Termin beim verantwortlichen Dozenten. Wir klärten ihn über meine Diagnose auf und regelten meine Nachteilsausgleiche. In diesem Fall sprachen wir sogar mit einem Doktor, der über das Asperger-Syndrom zumindest grundsätzlich Bescheid wusste. Somit wurde ich relativ problemlos von einem Vortrag im Seminar befreit. Aber; Ich muss den Vortrag mit vorbereiten.

Genau diese Vorbereitung entwickelt sich aktuell zu einem Spießrutenlauf. Beginnend damit, dass die Mitarbeiter im Seminar nicht informiert waren. Weder über die Studentin aus einem anderen Studiengang, noch darüber, dass diese Studentin autistisch ist. Diese Panne konnte ich nur deshalb spontan beheben, weil ich mir dieses Szenario im Kopf ausgemalt hatte.

Es kam aber noch dicker; Die Verteilung der Vortragsthemen sollten die Studenten unter sich klären. Ebenso wie die Verteilung der Paper (= wissenschaftlicher Artikel). Für mich; das schlimmstmögliche Szenario. Kommunikation mit fremden Studierenden ist für mich so schon enorm anstrengend. Jetzt aber noch alles auf Englisch, weil kaum ein anderer Student in dem Kurs deutsch spricht. Was die Kommunikationsprobleme natürlich überdeutlich werden lässt. Auf Deutsch kann ich deutlich mehr überspielen … Der verantwortliche Dozent hat daran natürlich nicht gedacht.

Irgendwie habe ich es jetzt geschafft, zu den beiden Studenten in meiner Gruppe Kontakt aufzunehmen. Glücklicherweise über WhatsApp. Zurzeit schreibe ich folglich noch. Die Paper sollte ich heute auch noch bekommen, mit zwei Wochen Verspätung. Und irgendwann muss ich mit denen noch sprechen. In einer Zeit, in der ich beinahe jeden Tag am Limit agiere …

Ich bin kurz davor auf Nachteilsausgleich zu plädieren und den Vortrag vollständig in eine Hausarbeit umwandeln zu lassen. Aber so ganz will ich noch nicht aufgeben.

Fortsetzung folgt … (die nächste Vorlesung ist heute um 10 Uhr).

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